Category: Politik

Strandszene

tsunami_6_by_daikamura_002

Ein vor 10 Jahren verfasster Text “Katastrophen 1906/2006” war durch einen Tsunami im indischen Ozean ausgelöst. Die Reaktion auf Naturkatastrophen enthält neuerdings auch ihre live Dokumentation, bis zum Extremfall, in dem eine Kamera, deren Besitzer ertrunken sind, ans Land gespült wird. Weiter kann Reality-TV nicht mehr gehen. Das Publikum betrachtet in Bildern die Überwältigung der Photographinnen durch den Tod.
 
Read More

All inclusive? Zwei Exzesse.

Gestern sprach Christian Kern bei der Regenbogenparade in Wien. Der gemeinsame Feind sei der Hass, die Intoleranz und die Gewalt. Und was wir brauchen ist ein “wir” in dem alle inklusive sind. Zugestanden, eine zielgruppenspezifische Rede. Sie gibt Anlass zu Überlegungen.

ueberzählig_in_barcelona

Die Alternative zwischen dem alle inkludierenden “Wir” und dem “Wir”, das durch den Hass auf andere entsteht, ist eine Verengung der Sicht, eine politische Vereinfachung der individuellen Möglichkeiten. Auch wenn der Versuch der Inklusion ein vernünftiger ist, den jeder Projektleiter angeht, um sein Team auf eine Linie zu bekommen. Man kann in einem Land, das der Staat zu verwalten hat, nie alle inkludieren. Darum ist die individuelle Haltung wichtig.

Ein Umweg über die Sufi-Mystikerin Rabi’a aus dem 8. Jahrhundert kann den Blick modifizieren (und problematisieren).

Read More

on/off

schalter2

 

“Ein” oder “Aus” gehört zu den einfachsten Oppositionen, wie “ja/nein” oder “offen/geschlossen”. Das ist der Bereich “klarer Entscheidungen”, bis hin zu “Willkommenskultur” versus “Festung Europa”. Sicher, es gibt undichte Ventile und durchlässige Membranen. Aber mit einer Theorie der Wackelkontakte kann man nicht beginnen. Eine Vorrichtung, die bei wiederholten Versuchen immer wieder unvorhersehbar reagiert, wird als Garantiefall retourniert.

Unlängst hat mich ein Haushaltsgerät auf eine andere Spur gebracht.
Read More

unbedingt Asyl

luft

 

Ein Symposium zu “FLUCHT UND ASYL. Sozialphilosopische Perspektiven” im Rahmen des FWF Projektes Sprache und Gewalt am Institut für Philosophie der Universität Wien befasste sich ausführlich mit dem Thema Asyl. Eine exponierte Position hat Jacques Derrida in Von der Gastfreundschaft vertreten. Er spricht von “absoluter und bedingungsloser Gastfreundschaft”1. Einige Teilnehmerinnen (m/w) machten sich diesen Gedanken zu eigen. Es folgt ein Versuch, diese Formulierung als sprachliche Wendung mit praktischen Auswirkungen zu analysieren.

Read More

  1. Wie bei Derrida üblich ist diese Redeweise in ein komplexes Argumentationsverfahren eingebettet. H.W. Sneller hat es in einem Beitrag Ethische Aporien: die Paradoxe der Gastfreundschaft detailliert erörtert. Die vorliegende Notiz folgt Derridas Manövern nicht und setzt sich dem Vorwurf der unzulässigen Vereinfachung aus.

Grenzen. Eine Bildbetrachtung

sch-r

 

Umstandslos sind dem Bild einige Grenzen zu entnehmen. Das Meer begrenzt das Festland, die gelb-orangen Farben gehören zur Peripherie der Europäischen Union, die in Petrol markiert ist. Innerhalb des Petrolblocks verlaufen weiße Linien – Landesgrenzen. Der schwungvolle rote Strich umgibt den Schengen Raum. Diese Demarkierungen verzeichnen politische Gegebenheiten. Sie wegzudenken heißt, auf wesentliche Informationen zur gegenwärtigen Migrationsbewegung zu verzichten.

Read More

“Gott schütze Österreich”

Jer-crSchmelz

 
Nochmals die Kreuzzüge. Das österreichische Heimwehrregime bediente sich des “Jerusalemer Kreuzes” (Kruckenkreuz) als politischen Symbols. Zum herzzereißenden Wahlspruch des k.k. Landesschützen-Regiment „Trient“ Nr. I kam das christliche Bekenntnis. Als Marsch gefasst:

Das letzte eiserne Gebot: Sieg oder Tod im Alpenrot.

In Ungarn ist diese Wehrhaftigkeit seit dem 25. April 2011 im Grundgesetz festgeschrieben:

Gott, segne die Ungarn!

NATIONALES BEKENNTNIS

WIR, DIE MITGLIEDER DER UNGARISCHEN NATION, erklären zu Beginn des neuen Jahrtausends, in der Verantwortung für alle Ungarn Folgendes:

Wir sind stolz darauf, dass unser König, der Heilige Stephan I., den ungarischen Staat vor tausend Jahren auf festen Fundamenten errichtete und unsere Heimat zu einem Bestandteil des christlichen Europas machte.

Ein Blick auf die Geschichte der Kreuzzüge lehrt:

  • Städte und Regionen wechselten ihren Besitzer. Die Bewohner behielten oft ihre Religion, sie mussten nur zpezielle Steuern zahlen, wenn ihr Glaubensbekenntnis von jenem der jeweiligen Sieger abwich.
  • Christliche Heerführer hatten keine Bedenken, sich gegen Glaubensgenossen mit islamischen Truppen zu verbünden (und umgekehrt).

Die Reiseerzählungen von Ibn Dschubair, eines spanischen Pilgers zur Zeit Saladins berichten von Zuständen, die frappant an die Gegenwart erinnern. Jonathan Philipp berichtet, dass die Überfahrt in den Nahen Osten für Christen (nach Jerusalem) und Muslims (nach Mekka) durch die Handelsflotten italienischer Städte organisiert wurde. Venedig, Pisa und Genua lagen in scharfer Konkurrenz. Auf ihren Schiffen transportierten sie, in separierten Kompartments, die Reisenden unterschiedlichen Glaubens.

Damals wie heute: Ökonomie reicht weiter als Glaubenskämpfe.

 

Kreuzzüge, Dschihad

actecs-balls

Ein Vortrag im Rahmen des Symposiums Cyberspace 2015 in Brünn befasste sich mit der Propaganda des Islamischen Staates, speziell mit dem pdf-Magazin Dabiq.

The Islamic State (ISIS) regularly puts out a glossy propaganda magazine aimed at recruiting jihadists from the West. It is sophisticated, slick, beautifully produced and printed in several languages including English. 1

In der Diskussion wurde gefragt, was der Referent über die Zielgruppe der Publikation wisse. Er hatte keine Information. Nun, eines kann man jedenfalls sagen: Es sind Personen, die gerne professionell gemachte Hochglanzbroschüren lesen. Anders formuliert: die Propaganda des aktuellen Terrors misst sich am Standard der westlichen Unterhaltungsindustrie. “Dabiq” dient jedenfalls dazu, den mörderischen Islamismus in den Kategorien unserer Werbebroschüren gut aussehen zu lassen.

Beim Nachlesen über die Kreuzzüge bin ich auf eine ähnliche Querverbindung zwischen den feindlichen Lagern gestoßen. Paul M. Cobb versucht in The Race for Paradise. An Islamic History of the Crusades die Perspektive der angegriffenen Königreiche und Fürstentümer einzunehmen, und dabei ergibt sich eine wichtige Pointe.

Read More