Category: Politik

Girls with Guns

Am 8. März sah ich einen Film aus dem Genre “Rape & Revenge”: A Gun For Jennifer. Eine junge Frau wird von einer Gruppe von Rächerinnen aus den Fängen zweier Vergewaltiger gerettet, mit einer Waffe ausgestattet und in die extreme Gruppe aufgenommen. Ein Strip-Club dient als Basis, von dem aus die Gruppe potenzielle Vergewaltiger ausfindig macht, kastriert und tötet. Eine schwarze Polizistin ermittelt gegen sie, doch hat ebenfalls die Männer in ihrem Polizeirevier satt. Selbstjustiz à la Batman im Gotham City für Gender-Angelegenheiten. Nach dem Film bin ich so klug wie zuvor. Vielleicht hilft Literatur…

Bei der Darstellung von Überschreitung und versuchter Vergeltung begibt man sich auf vermintes Terrain. Mit dieser Erkenntnis beendet Julia Reifenberger ihre Jogging-Tour durch die Filme des Rape-and-Revenge Genres in dem kleinen Buch “Girls with Guns: Rape & Revenge Movies: Radikalfeministische Ermächtigungsfantasien?” (Bertz + Fischer 2013)

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entschieden zu kurz geh’n

Philosophie und Journalismus haben dies gemeinsam: Sie gleichen den Mangel an Detailwissen gerne mit kategorischen Behauptungen aus. Aber sie können auch anders. Isolde Charim nimmt im Standard das Projekt Mariahilferstraße zum Anlass einer philosophischen Skizze. Ihre Überlegungen kurz gefasst: Deregulierung schafft Ordnung.

Der Text ist eng geführt und gut argumentiert. Im Fall der “Begegnungszone” führt der Verzicht auf Verkehrsvorschriften dazu, dass sich das Verhalten der Verkehrsteilnehmerinnen ohne Staatsmacht aufeinander einpendelt. Ein interessanter Aspekt, der zusammenfassend ohne Wenn und Aber formuliert wird:

Das ist die “unsichtbare Hand” der Begegnungszone, die die Egoismen der Einzelnen zu einem großen, funktionierenden Ganzen verbindet. Ganz ohne Moral. Die Selbsterhaltung widerlegt Hobbes: Jenseits der alles regulierenden Autorität liegt nicht das Chaos, sondern der “shared space”.

Auf dem Papier fein geschliffene Pointen sind lustvoll. In diesem Fall vergeht der Spaß allerdings, sobald man näher hinsieht. Nach Isolde Charims These könnte man auch die freie Wahl des Sitzplatzes im Kino als eine Errungenschaft der unsichtbaren Hand herausstellen. Es braucht keine Nummern, die Besucherinnen wählen ihre Plätze selbst. — Vorausgesetzt am Eingang steht eine Ordnungshüterin, die nur bestimmte Personen einläßt.

Kann es der Kolumnistin entgangen sein, dass rechts und links von der Mariahilferstraße eine “alles regulierende Autorität” eingegriffen hat, ohne welche sich der Freiraum nicht ergäbe?

 

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Es ist auch keine unsichtbare Hand, welche die Idylle des autofreien grünen Paradieses gezeichnet hat, die entsteht, wenn der Busverkehr umgeleitet wird. Von diesen Un-Orten fertigte das städtische Planungsbüro keine schönen Bilder an.

 

Philosophie und guter Journalismus sind darin vergleichbar: Sie behalten im Blick, was die Autoritäten vertuschen.

 

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recht haben

dem

Einige elementare Spannungen im gängigen Gebrauch von “Demokratie” sind nicht im öffentlichen Bewusstsein zu finden. Zum Beispiel, dass die Wählerinnen, die sich zeitweise von den simpelsten Tricks täuschen lassen (Frank Stronach), immer recht haben.

Überlegungen dazu in:Staatsform Demokratie.

einen Moment bitte

Vor fünf Jahren ist Jörg Haider tödlich verunglückt. Für ihn wurde plakatiert: “Er hat euch nie belogen.” Was für ein Unsinn, jedoch mit keckem, frischem Aussehen unterlegt. Der Zwiespalt geriet ins Zentrum der politischen Auseinandersetzung. Ausschlaggebend waren weniger Tatsachen – davon gibt es immer zu viele. Sondern der Effekt einer Person. Die Mediengesellschaft hat ihre eigenen Gesetze. Sie belohnt Neuheit, Aufmüpfigkeit, Schlagfertigkeit.

Vorgestern sah ich mir Jon Stewarts “Daily Show” vom 8. Oktober an. Mit dem Namen Malala Yousafzai verband ich nichts mehr, obwohl bald klar wurde, dass es sich um das pakistanische Mädchen handelte, das wegen seines Eintretens für die Erziehung von Mädchen und Frauen von einem Talib angeschossen und lebensgefährlich verletzt worden war. Das Ereignis ging, wie man sagt, “durch die Medien”.

 

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Neu, aufmüpfig, schlagfertig? In gewissem Sinn trifft das alles auch auf Malala Yousafzai zu. Ihr Aussehen sprengt der gewohnten Rahmen, “aufmüpfig” ist ein Hilfsausdruck für ihre Tätigkeit, ihre Argumente kommen rasch und treffend. Was soll man sagen? Dass das Auftreten der beiden Personen nichts miteinander zu tun hat? Oder dass es, in dem Moment, in dem es bei den Massen ankommt, denselben Gesetzlichkeiten unterliegt?

Beides ist korrekt. Die Aufgabe besteht darin, die eine Behauptung nicht mit der anderen kaputt zu machen. Der Moment, in dem die Welt rund um mich stillsteht, wird von den nachfolgenden Momenten abgelöst. Aber sie ist stillgestanden. Ich erinnere mich genau.