{"id":1007,"date":"2011-11-03T09:02:42","date_gmt":"2011-11-03T09:02:42","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1007"},"modified":"2018-11-19T18:19:31","modified_gmt":"2018-11-19T18:19:31","slug":"ruaf-mi-ned-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1007","title":{"rendered":"ruaf mi ned an"},"content":{"rendered":"<p>Die weinerliche Raunzerei mancher Austro-Popper st\u00f6\u00dft ab. Georg Danzer habe ich kaum registriert und jedenfalls nicht interessant gefunden. Vor einiger Zeit h\u00f6rte ich eine seiner Schnulzen in der Fassung von <a href=\"http:\/\/www.boaboa.at\/audio\/audio-the-wiener-takes-it-all\">Agnes Heginger und Klaus Wienerroither<\/a> (BoABoA). Etwas daran trifft. Man muss den Text zerlegen.<\/p>\n<blockquote><p>Ruaf mi net an weil du wasst doch genau dass i nimma mehr w\u00fc und a nimma mehr kann, bitte ruaf net an.<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Zeile enth\u00e4lt zwei Sprachhandlungen<\/p>\n<ul>\n<li>eine vielfach verwendbare Bitte, z.B. &#8220;Ruf mich nicht an, weil ich gerade ins Bad gehe.&#8221;<\/li>\n<li>und einen Appell, welcher der Bitte <em>Nachdruck<\/em> verleiht. Es handelt sich nicht um irgendeinen Grund. Eine vertrauliche Beschw\u00f6rung wird ins Spiel gebracht. <\/li>\n<\/ul>\n<p>Die entscheidende Phrase lautet<\/p>\n<blockquote><p>\n&#8220;weil du wasst doch genau&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist nicht ausgesprochen. Es ist ein Voraus- und \u00dcbergriff auf ein Wissen, das zwischen den Betroffenen nicht gefestigt und vereinbart ist. Eine solche Wendung beruht auf einem Vertrauensverh\u00e4ltnis: &#8220;Du weisst doch, dass sie Blumen mag.&#8221; Und dieses Verh\u00e4ltnis wird doppelt durchkreuzt:<\/p>\n<ul>\n<li>&#8220;Du wei\u00dft <em>doch genau<\/em>&#8221; Darin liegt ein bedrohlicher Anspruch. &#8220;Bitte erinnere Dich gef\u00e4lligst!&#8221; <\/li>\n<li>Die Pointe ist nat\u00fcrlich, dass ein solches Vertrauensverh\u00e4ltnis dazu herangezogen wird, um den Abbruch der Beziehung zu fordern. <\/li>\n<\/ul>\n<p>Die wehleidige Strophe enth\u00e4lt einen pr\u00e4zise analysierbaren Widerspruch, der eine Misere genau beschreibt. So sehen gest\u00f6rte Beziehungen aus: sie bauen auf Vertrauen noch dort, wo sie an dieses Vertrauen appellieren, um die Beziehung abzubauen. Das ist nun keine Wienerische Spezialit\u00e4t.<\/p>\n<p>Und was den <em>genius loci<\/em> betrifft sind zwei Versionen des Songs zu vergleichen. Die kindlich trotzige Version von Danzer und Ambros aus 1976 und die schmalzig sch\u00f6nbrunnerische Lichtermeerdusche von 2007. Gedanken k\u00f6nnen Gef\u00fchlen Biss geben.<\/p>\n<p>[youtube YfdUHEw-qyc 1976]<\/p>\n<p>[youtube jedP_RJh5eA 2007]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die weinerliche Raunzerei mancher Austro-Popper st\u00f6\u00dft ab. Georg Danzer habe ich kaum registriert und jedenfalls nicht interessant gefunden. Vor einiger Zeit h\u00f6rte ich eine seiner Schnulzen in der Fassung von Agnes Heginger und Klaus Wienerroither (BoABoA). Etwas daran trifft. Man muss den Text zerlegen. Ruaf mi net an weil du wasst doch genau dass i<a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1007\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[140,153],"class_list":["post-1007","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienphilosophie","tag-personlich","tag-responsivitat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1007","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1007"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1007\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2287,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1007\/revisions\/2287"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1007"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1007"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1007"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}