{"id":1088,"date":"2012-05-02T23:03:39","date_gmt":"2012-05-02T23:03:39","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1088"},"modified":"2018-11-18T10:48:01","modified_gmt":"2018-11-18T10:48:01","slug":"zur-leichtigkeit-des-seins","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1088","title":{"rendered":"Zur Leichtigkeit des Seins"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><span style=\"color: #666666;font-family: Arial,Helvetica,Univers,Zurich BT\">Jeder Sch\u00fcler kann in der Physikstunde durch Versuche nachpr\u00fcfen, ob eine wissenschaftliche Hypothese stimmt. Der Mensch aber lebt nur ein Leben, er hat keine M\u00f6glichkeit, die Richtigkeit der Hypothese in einem Versuch zu beweisen. Deshalb wird er nie erfahren, ob es richtig oder falsch war, seinem Gef\u00fchl gehorcht zu haben. <\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn man in der Schweiz Universit\u00e4t sagt, dann meint man in der Regel eine der beiden technischen Universit\u00e4ten: die Eidgen\u00f6ssische Technische Hochschule Z\u00fcrich (ETHZ) oder die\u00a0\u00c9cole Polytechnique F\u00e9d\u00e9rale de Lausanne (EPFL). Anders gesagt, das Verst\u00e4ndnis von Universit\u00e4t ist ingenieurswissenschaftlich gepr\u00e4gt. Unterwegs im Zug \u00fcberquere ich den &#8220;R\u00f6stigraben&#8221;. So fasst man die gef\u00fchlten Unterschiede zwischen der Romandie und la Suisse Al\u00e9manique zusammen. Es ist eine spezielle Erfahrung: Formal \u00e4ndert sich fast nichts <em>und doch f\u00fchlt es sich anders an<\/em>. Ich sitze im selben Zug im selben Land<em><\/em>. In Lausanne h\u00f6rte man die Durchsagen zuerst auf Franz\u00f6sisch dann auf Deutsch und Englisch. Nach Fribourg\/Freiburg wechseln Franz\u00f6sisch und Deutsch die Pl\u00e4tze. Auch die Fahrg\u00e4ste sprechen pl\u00f6tzlich \u00fcberwiegend etwas dem Deutschen \u00c4hnliches. Die Dynamik (Ger\u00e4usche, Bewegungen) \u00e4ndert sich. Dann erreicht mich die folgende Meldung:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/RoboCulture.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-1089\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/RoboCulture-985x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"529\" height=\"548\" \/><\/a><\/p>\n<p>Leicht nehme ich diese Meldung nicht und wei\u00df gar nicht wo ich anfangen soll.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Gratiszeitung &#8220;20 Minuten&#8221; ist \u00e4hnlich wie die Zeitung &#8220;Heute&#8221; in \u00d6sterreich: Eher knackige Schlagzeilen und kurze Berichte. Da geht manchmal Genauigkeit verloren. Interessant sind die Beispiele: Begonnen wird mit einer Aufz\u00e4hlung von menschlichen Verfassungen, auf die k\u00fcnftige Roboter reagieren sollen. Der Nutzen der Roboter &#8211; so am Ende &#8211; besteht darin, uns den Alltag zu erleichtern.<\/p>\n<p>Die Sprachvielfalt des Landes geht mit einem gr\u00f6\u00dferen Koordinationsaufwand einher. Es gibt viele Regeln, Prozessbeschreibungen und pro Gemeinde unterschiedliche Steuersatz-Regelungen (eigentlich wie die Europ\u00e4ische Union in der Nussschale). In diesem Kontext freundet man sich leicht mit Technologien an. Durch sie kann man dem Vernehmen nach &#8220;intuitiv&#8221; und gleichzeitig gesetzestreu handeln. Mit einem Klick \u00e4ndert man die Sprache eines Programms. Da nimmt es nicht Wunder, dass die Schweiz <a href=\"http:\/\/www.computerpraxis.ch\/?tag=schweiz-apple\">das Apple-freundlichste Land der Welt<\/a> ist: die Oberfl\u00e4che suggeriert wie keine andere Leichtigkeit und Eleganz. Sie versteckt den Koordinationsaufwand wo immer m\u00f6glich und gibt einem trotzdem das Gef\u00fchl, flexibel und individuell zu sein.<\/p>\n<p>Holt der Roboter einen Arzt, wenn ich die oben beschriebene Erfahrung beim \u00dcberqueren des R\u00f6stigrabens mache, weil seine Prozeduren anzeigen, dass ich mich damit <em>\u00fcberhebe<\/em>? \u00dcbersetzt er mir das Gesprochene in klares Hochdeutsch und blendet den Rest aus? Anyway, das ist Fiction. Denn auch Roboter-Forscher kochen mit hei\u00dfem Wasser. Es lassen sich mehr oder weniger hilfreiche Ger\u00e4te entwickeln. Diese vereinfachen nicht nur den Alltag, sondern k\u00f6nnen (gl\u00fccklicherweise) selbst wiederum l\u00e4stig werden.<\/p>\n<p>Der Einsatz von Technologie zur Umgestaltung von traditionell zwischen<em>menschlichen<\/em> Angelegenheiten ist omnipr\u00e4sent. Es beginnt bei den Geburtstagserinnerungen auf Facebook. Man m\u00f6chte sagen: Eine Vereinfachung ist auch eine Verflachung (200x &#8220;Alles Gute zum Geburtstag&#8221; von &#8220;Freunden&#8221;, daf\u00fcr k\u00f6nnte ich mir wirklich einen Roboter anstellen). Ferner denke ich an Roboter f\u00fcr die Altenpflege oder zur Kinderbetreuung und finde das seltsam. Es fehlt die Interaktion der Perspektiven. Und aus der eigenen Sicht: Was bleibt von mir ohne reproduktive, zyklische Aufgaben?<\/p>\n<p>http:\/\/www.youtube.com\/watch?feature=player_embedded&#038;v=0T79qW1WCgs<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeder Sch\u00fcler kann in der Physikstunde durch Versuche nachpr\u00fcfen, ob eine wissenschaftliche Hypothese stimmt. Der Mensch aber lebt nur ein Leben, er hat keine M\u00f6glichkeit, die Richtigkeit der Hypothese in einem Versuch zu beweisen. Deshalb wird er nie erfahren, ob es richtig oder falsch war, seinem Gef\u00fchl gehorcht zu haben. 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