{"id":1141,"date":"2012-09-05T15:26:57","date_gmt":"2012-09-05T15:26:57","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1141"},"modified":"2018-11-18T10:00:32","modified_gmt":"2018-11-18T10:00:32","slug":"der-zenmeister-der-krug-und-das-ereignis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1141","title":{"rendered":"Der Zenmeister, der Krug und das Ereignis"},"content":{"rendered":"<p>Alain Badiou verbindet Mengentheorie mit Existenzialismus, oder soll man sagen, dass er sie durchmischt? Die Grundlegung der Mathematik befasst sich nicht mit Zeit, die menschliche Existenz dagegen ist immer im Augenblick verletzlich. Es gibt zwar einen Rundumblick, innerhalb dessen Menschen das <em>sind<\/em>, was sie waren und sein werden. Grammatisch kann das <a href=\"http:\/\/philo.at\/wiki\/index.php\/R%C3%BCckruf_%28AB%29\">mittels der Vorzukunft<\/a> ausgedr\u00fcckt werden: &#8220;Ich werde sein, was ich schon gewesen bin&#8221;. Die Schwierigkeit ist, dass dabei die umwerfende \u00dcberraschung (&#8220;das Ereignis&#8221;) fehlt, die Badious Theorie <em>ebenfalls<\/em> vorsieht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.porgy.at\/prog-01.php?id=5253\">Ein Konzert<\/a> hat mich auf den Gedanken gebracht, dass zu Badious Mixtur auch Zen geh\u00f6rt. (Das wird er vielleicht ungern h\u00f6ren.) Dan Tepfer spielte Bach, er hat 2009 eine CD mit Lee Konitz aufgenommen. In deren liner notes findet sich eine Zen Episode, von der eine Variation <a href=\"http:\/\/www.selfdefinition.org\/zen\/Alan%20Watts%20-%201957%20-%20The%20Way%20of%20Zen.pdf\">nach Alan Watts<\/a> folgenderma\u00dfen lautet.  <\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/po-save.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-1143\" title=\"po-save\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/po-save-300x85.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" height=\"168\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das eine Szenario ist &#8220;ontologisch&#8221;: die M\u00f6nche versammeln sich, ein Krug wird vor ihnen aufgestellt, der Meister stellt eine Frage. Der kl\u00fcgste M\u00f6nch weicht der Fangfrage aus und bleibt doch im Bereich des Greifbaren: der Krug ist nicht aus Holz. Dann kommt der Koch vorbei, kickt den Krug zur Seite und haut ab. Das hat nun wirklich niemand erwartet &#8211; und er macht Karriere.<\/p>\n<p>Dan Tepfer zitiert die Begebenheit, um die Musik Lee Konitz&#8217; zu charakterisieren. Er h\u00e4ngt nicht an Gegebenheiten; beginnt immer neu. So soll auch &#8220;das Ereignis&#8221; sein: unvorhersehbar. Es \u00f6ffnet die Augen f\u00fcr einen Umsturz.<\/p>\n<p>Zum Beispiel, wenn Lee Konitz die &#8220;Marseillaise&#8221; spielt. Neu ist das allerdings, weil die Melodie alt ist. Das ist auch das Problem mit Badious Konzept. Um das Unerh\u00f6rte auch nur <em>wahrnehmen<\/em> zu k\u00f6nnen, bedarf es der Vergleichsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Die Rede vom Ereignis ist wie die Schlagzeilen, die eine Sensation verk\u00fcnden, und nur solange wirken, bis sich die Sensation als &#8220;Neuigkeit&#8221; erwiesen hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/Ma1nqvIbqEs\" frameborder=\"0\" width=\"560\" height=\"315\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alain Badiou verbindet Mengentheorie mit Existenzialismus, oder soll man sagen, dass er sie durchmischt? Die Grundlegung der Mathematik befasst sich nicht mit Zeit, die menschliche Existenz dagegen ist immer im Augenblick verletzlich. Es gibt zwar einen Rundumblick, innerhalb dessen Menschen das sind, was sie waren und sein werden. 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