{"id":1211,"date":"2013-03-13T09:23:55","date_gmt":"2013-03-13T09:23:55","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1211"},"modified":"2018-11-15T16:49:01","modified_gmt":"2018-11-15T16:49:01","slug":"aneinander-vorbei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1211","title":{"rendered":"aneinander, vorbei"},"content":{"rendered":"<p>Zu Max Biundo hatte ich im vorhergehenden Beitrag geschrieben: &#8220;Den Auftritt kann ich nur transluzent nennen. Durch das gesammelte Wissen von Betrug und T\u00e4uschung mittels Klischees hindurch strahlt eine Unverfrorenheit welche, noch ein starkes Wort, mesmerisiert.&#8221; Das war ein Beispiel aus der Unterhaltungsmusik. Hier ist eines aus der &#8220;hohen Literatur&#8221;.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/dreisessel-g.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/dreisessel-g.jpg\" alt=\"dreisessel-g\" width=\"600\" height=\"456\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1212\" \/><\/a><\/p>\n<p>Adalbert Stifters &#8220;Witiko&#8221; spielt im Mittelalter. Ein schlichter Reiter macht sich auf den Weg zu seinem Gl\u00fcck. Die textkritische Ausgabe des Werkes <a href=\"http:\/\/www.uibk.ac.at\/germanistik\/stifter\/witiko\/\">ist in Innsbruck erarbeitet worden<\/a>. Ziemlich am Anfang steigt Witiko im B\u00f6hmerwald auf den Dreisesselstein. Auf einer Wiese unterwegs trifft er zwei jodelnde M\u00e4dchen. Eines l\u00e4uft, als sie ihn sieht, davon, das zweite <a href=\"http:\/\/www.uibk.ac.at\/germanistik\/stifter\/witiko\/htm\/h12.html\">bittet er zu bleiben.<\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<blockquote><p>Das andere blieb stehen. Der Reiter ging zu demselben hin. Da er bei ihm angekommen war, sagte er: &#8220;Was stehst du mit deinen Rosen hier da?&#8221; <\/p>\n<p>&#8220;Ich stehe hier in meiner Heimath da,&#8221; antwortete das M\u00e4dchen, &#8220;stehst du auch in derselben, da\u00df du fr\u00e4gst, oder kommst du woanders her?&#8221; <\/p>\n<p>&#8220;Ich komme anders woher,&#8221; sagte der Reiter. <\/p>\n<p>&#8220;Wie kannst du dann fragen?&#8221; entgegnete das M\u00e4dchen. <\/p>\n<p>&#8220;Weil ich es wissen m\u00f6chte,&#8221; antwortete der Reiter. <\/p>\n<p>&#8220;Und wenn ich wissen m\u00f6chte, was du willst?&#8221; sagte das M\u00e4dchen. <\/p>\n<p>&#8220;So w\u00fcrde ich es dir vielleicht sagen,&#8221; antwortete der Reiter. <\/p>\n<p>&#8220;Und ich w\u00fcrde dir vielleicht sagen, warum ich mit den Rosen hier stehe,&#8221; entgegnete das M\u00e4dchen. <\/p>\n<p>&#8220;Nun, warum stehst du da?&#8221; fragte der Reiter. <\/p>\n<p>&#8220;Sage zuerst, was du willst,&#8221; erwiederte das M\u00e4dchen. <\/p>\n<p>&#8220;Ich wei\u00df nicht, warum ich es nicht sagen sollte,&#8221; entgegnete der Reiter, &#8220;ich suche mein Gl\u00fck.&#8221; <\/p><\/blockquote>\n<p>Unbeholfenheit, Spr\u00f6digkeit, \u00fcbersch\u00fcssiges Wichtigtun. Witiko und Bertha sprechen nicht miteinander, sie tauschen Inschriften aus. Die Szene ist eine Folge von Comics-Bildern mit Text in Sprechblasen. Sie liest sich wie eine Twitter-Konversation \u00fcber einen Kontinent hinweg. Die beiden stimmen sich nicht aufeinander ein; sie <em>verwickeln<\/em> sich nicht in ein Gespr\u00e4ch. Zwischen ihren \u00c4u\u00dferungen bricht jedesmal die Stille aus. Transluzent: Beklommenheit rei\u00dft L\u00f6cher in die ganze Geschichte. Bedeutungsschwanger wird das Geschlechterverh\u00e4ltnis zu einer unschuldigen Peinlichkeit und nicht nur dieses. In einem zuf\u00e4lligen Sonntagmorgentreffen auf der Wiese geht es um Heimat, Schicksal und Gl\u00fcck. &#8220;Give me a break!&#8221; Genau: einen Bruch nach jedem Satz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Max Biundo hatte ich im vorhergehenden Beitrag geschrieben: &#8220;Den Auftritt kann ich nur transluzent nennen. Durch das gesammelte Wissen von Betrug und T\u00e4uschung mittels Klischees hindurch strahlt eine Unverfrorenheit welche, noch ein starkes Wort, mesmerisiert.&#8221; Das war ein Beispiel aus der Unterhaltungsmusik. Hier ist eines aus der &#8220;hohen Literatur&#8221;. 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