{"id":1251,"date":"2013-06-12T16:17:27","date_gmt":"2013-06-12T16:17:27","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1251"},"modified":"2018-11-15T16:47:32","modified_gmt":"2018-11-15T16:47:32","slug":"tontragerin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1251","title":{"rendered":"Tontr\u00e4gerin"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/tontraeger.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/tontraeger-300x168.jpg\" alt=\"tontraeger\" width=\"300\" height=\"168\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1252\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/P%C3%A1l_Mal%C3%A9ter\">P\u00e1l Mal\u00e9ter<\/a> war ein ungarischer Oberst, der w\u00e4hrend des Aufstands 1956 Verteidigungsminister wurde. Die russischen Interventionstruppen haben ihn verhaftet und <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-41125194.html\">1958 hingerichtet<\/a>. Ich erw\u00e4hnte ihn in einem Gespr\u00e4ch mit einer ungarischen Bekannten und dabei unterlief mir eine sprachliche Peinlichkeit.<\/p>\n<p>Zwei Umgangsweisen mit diesem Namen sind unproblematisch. Einerseits kann man ihn unreflektiert so aussprechen, als w\u00e4re es ein deutscher Name. Man sagt &#8220;Budapest&#8221;, obwohl die Ungarn &#8220;Budape<strong>sch<\/strong>t&#8221; sagen, also &#8220;P<strong>a<\/strong>l M<strong>a<\/strong>leter&#8221;. Oder man richtet sich nach der Originalsprache: &#8220;M<strong>o<\/strong>leter P<strong>a<\/strong>l&#8221;. In meinem &#8220;politisch korrekten&#8221; Fehlversuch waren die beiden Vokale vertauscht &#8220;M<strong>a<\/strong>leter P<strong>o<\/strong>l&#8221;. Ein missgl\u00fcckter Ansatz, dem Fremden entgegenzukommen.<\/p>\n<p>An diesen Fehlversuch war ich erinnert, als ich soeben in einem Text den folgenden Satz las:<\/p>\n<blockquote><p>Denn erstens befinden sich die kulturellen Artefakte auf dem Weg von der feststofflichen Form, die \u00fcber die Jahrhunderte hinweg ihre Existenz- und Erscheinungsweise war (als Buch, als <strong>Tontr\u00e4gerin<\/strong> oder als bildk\u00fcnstlerisches Werk), in die digitale Abstraktion (als Datenformat).<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist, als w\u00fcrde ich in einem Gesch\u00e4ft f\u00fcr Haushaltswaren eine Konserven\u00f6ffnerin oder eine Mixerin kaufen wollen. Der Versuch, gendergerecht zu formulieren, ist gr\u00fcndlich fehlgeschlagen. Ein am\u00fcsanter, oder auch \u00e4rgerlicher, Fall der \u00dcberanpassung.<\/p>\n<p>Man kann ihn am Beispiel &#8220;Hosentr\u00e4gerin&#8221; gut analysieren. Frauen in Hosen sind Hosentr\u00e4gerinnen. Aber sie tragen, wenn sie ihre Beinkleider \u00fcber die Schultern fixieren, keine Hosentr\u00e4gerinnen.<\/p>\n<p>Wie fair ist unsere Sprache eingerichtet! <strong>Der<\/strong> L\u00f6ffel, <strong>die<\/strong> Gabel und <strong>das<\/strong> Messer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>P\u00e1l Mal\u00e9ter war ein ungarischer Oberst, der w\u00e4hrend des Aufstands 1956 Verteidigungsminister wurde. Die russischen Interventionstruppen haben ihn verhaftet und 1958 hingerichtet. Ich erw\u00e4hnte ihn in einem Gespr\u00e4ch mit einer ungarischen Bekannten und dabei unterlief mir eine sprachliche Peinlichkeit. Zwei Umgangsweisen mit diesem Namen sind unproblematisch. 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