{"id":1260,"date":"2013-07-15T13:31:49","date_gmt":"2013-07-15T13:31:49","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1260"},"modified":"2018-11-15T16:46:58","modified_gmt":"2018-11-15T16:46:58","slug":"qualitatshuter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1260","title":{"rendered":"Qualit\u00e4tsh\u00fcter"},"content":{"rendered":"<p>Die Universit\u00e4t Wien hat im Rahmen des neuen, dreij\u00e4hrigen Doktoratsstudiums, eine &#8220;fakult\u00e4ts\u00f6ffentliche Anh\u00f6rung&#8221; und die Bef\u00fcrwortung der Pr\u00e4sentation durch einen &#8220;Doktoratsbeirat&#8221; eingef\u00fchrt. Manche Fakult\u00e4ten nehmen das nicht ernst. &#8220;\u00d6ffentlich&#8221; ist z.B. f\u00fcr Juristinnen, dass ein Expose auf eine Webseite hochgeladen wird. Am Institut f\u00fcr Philosophie ist die Sache sehr gr\u00fcndlich gemacht worde &#8211; allzu ernsthaft, wie mehrere Kritikerinnen fanden.<\/p>\n<p>Es folgt mein R\u00fcckblick als Mitglied dieses Gremiums.<\/p>\n<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/IMG_0291.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1261 alignright\" alt=\"IMG_0291\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/IMG_0291-300x225.jpg\" width=\"400\" height=\"300\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Mit Juni 2013 endet die zweij\u00e4hrige Bestellungsperiode des Doktoratsbeirates der Fakult\u00e4t f\u00fcr Philosophie und Bildungswissenschaft. Aus diesem Anlass werden im Folgenden einige Punkte zum Zweck und Selbstverst\u00e4ndnis dieses Gremiums festgehalten. Es handelt sich nicht um eine Dokumentation der durchgef\u00fchrten T\u00e4tigkeiten, sondern um eine Erinnerung an die Aufgabenstellung der philosophischen Untergruppe des Beirates und um Erfahrungen, die bei ihrer Durchf\u00fchrung gemacht wurden.<\/p>\n<p><strong>Vorgeschichte<\/strong><\/p>\n<p>Die Anspr\u00fcche, welche im Doktoratsstudium nach der alten Ordnung gestellt wurden, waren ausserordentlich divergent. Die im Institut eingerichteten Forschungsbereiche folgten teilweise unterschiedlichen methodischen Paradigmen; die Freiheit der Lehre und Forschung habilitierter Hochschullehrerinnen (m\/w) f\u00fchrte (und f\u00fchrt) zu einer schwer \u00fcberschaubaren Streuung des Anspruchsniveaus f\u00fcr Qualifikationsarbeiten. Die fr\u00fcher g\u00e4ngige Praxis der Begutachtung von Dissertationen durch ihre Betreuungspersonen beg\u00fcnstigte \u201eintrospektive\u201c Tendenzen, die mitunter die Orientierung an verbindlichen Regeln beeintr\u00e4chtigten.<\/p>\n<p>Die Richtlinien f\u00fcr das \u201eDoktorat neu\u201c an der Universit\u00e4t Wien legen fest, dass die Beurteilung von Dissertationen von ihrer Betreuung getrennt wird. Die Aufgabe des Doktoratsbeirates l\u00e4sst sich in diesem Zusammenhang klar definieren. Er hat darauf zu achten, dass die Projekte der Dissertantinnen (m\/w) soweit ausgereift sind, dass ein erfolgreicher Verlauf bis zur externen Endbegutachtung angenommen werden kann. Die daraus entstehenden Anforderungen zum Abschluss einer Dissertationsvereinbarung liegen merklich h\u00f6her, als die zuvor \u00fcbliche Erkl\u00e4rung der Betreuungsbereitschaft. Doch es ist unverantwortlich, Kandidatinnen (m\/w) den Weg in ein dreij\u00e4hriges Studium zu ebnen, an dessen Ende ein Misserfolg zu bef\u00fcrchten steht.<\/p>\n<p><strong>\u00dcberraschungen<\/strong><\/p>\n<p>Unter den dargestellten Umst\u00e4nden ergab sich zwischen 2011 und 2013 eine uneinheitliche Entwicklung. W\u00e4hrend Kandidatinen einerseits, mit aktiver Unterst\u00fctzung der gew\u00e4hlten Betreuungspersonen, auf die gegebenen Bedingungen abgestellte Konzepte vorlegten, verblieben andere in einem weniger ambitionierten Rahmen. Auch ihre Betreuung machte sich mitunter die neuen Ziele nicht zu eigen. Die daraus resultierenden Projektkorrekturen und negativen Stellungnahmen des Doktoratsbeirats wurden im Institut teilweise kritisiert und auf Unausgewogenheiten in der Zusammensetzung der Gruppe zur\u00fcckgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Eine Besonderheit am Institut f\u00fcr Philosophie hat die Beratungsprozesse des Beirats tats\u00e4chlich in nicht vorhersehbarer Weise beeinflusst. Durch die hohe Anzahl der Neuberufungen befanden sich im Beirat Vertreterinnen (m\/w) ohne gewachsene Kenntnis der lokalen Gegebenheiten und von verschiedenen (ausl\u00e4ndischen) Hochschulstandorten. Die Koordination der Qualit\u00e4tsforderungen brauchte Zeit. Einige Entscheidungen des Gremiums erscheinen aus Sicht der sp\u00e4teren Entwicklung vielleicht problematisch. Auf einem Institutstag wurde dieser Themenkreis ausf\u00fchrlich diskutiert. Im Anschluss daran formulierte der DSPL Martin Kusch erl\u00e4uternde Richtlinien f\u00fcr die Pr\u00e4sentationen, die vom Beirat einhellig gebilligt wurden.<\/p>\n<p><strong>Rechtfertigung<\/strong><\/p>\n<p>R\u00fcckblickend ist nicht zu leugnen, dass die T\u00e4tigkeit des Doktoratsbeirates teilweise skeptisch kommentiert wurde. Unterschiedliche philosophische Str\u00f6mungen und ihre interne Konkurrenz wurden f\u00fcr R\u00fcckverweisungen von Kandidatinnen (m\/w) verantwortlich gemacht. Dagegen ist festzuhalten, dass die Zusammensetzung des Beirates genau den vorfindlichen Forschungsbereichen entsprach und dass die Vertreterinnen (m\/w) sich im Lauf der Bestellungsperiode zunehmend auf einen Urteilskonsens hinbewegten.<\/p>\n<p>Die Beratungen des Beirates m\u00fcndeten in keinem einzigen Fall in einer kontroversen Kampfabstimmung. Bisweilen wurde lange diskutiert, um eine ausgewogene Stellungnahme zu erreichen. Negative Bescheide wurden niemals aus der Sicht einer, vielleicht profilierungsbed\u00fcrftigen, Fachrichtung ausgesprochen, sondern von allen Mitgliedern getragen. Der Doktoratsbeirat ist sich bewusst, in einer Umbruchssituation, deren Teil er selber war, t\u00e4tig gewesen zu sein. Er hofft, die Grundlage zur Weiterentwicklung eines qualit\u00e4tsvollen Doktoratsstudiums aus Philosophie gelegt zu haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Universit\u00e4t Wien hat im Rahmen des neuen, dreij\u00e4hrigen Doktoratsstudiums, eine &#8220;fakult\u00e4ts\u00f6ffentliche Anh\u00f6rung&#8221; und die Bef\u00fcrwortung der Pr\u00e4sentation durch einen &#8220;Doktoratsbeirat&#8221; eingef\u00fchrt. Manche Fakult\u00e4ten nehmen das nicht ernst. &#8220;\u00d6ffentlich&#8221; ist z.B. f\u00fcr Juristinnen, dass ein Expose auf eine Webseite hochgeladen wird. 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