{"id":1289,"date":"2013-08-21T11:49:07","date_gmt":"2013-08-21T11:49:07","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1289"},"modified":"2018-11-15T16:46:29","modified_gmt":"2018-11-15T16:46:29","slug":"sein-vor-seiendem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1289","title":{"rendered":"Sein vor Seiendem"},"content":{"rendered":"<div align=\"center\">\n<a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/arnulf-rainer.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/arnulf-rainer-300x231.jpeg\" alt=\"arnulf-rainer\" width=\"300\" height=\"231\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1290\" \/><\/a>\n<\/div>\n<p>Die Tabelle wei\u00dfer und schwarzer Filmkader habe ich schon in <a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=939\">Pr\u00e4sentation der Pr\u00e4sentation<\/a> zur Illustration verwendet. Zwei Bemerkungen Andreas Kirchners geben Gelegenheit, nochmals auf zur\u00fcckzugreifen.<\/p>\n<blockquote><p>Es kostet \u00dcberwindung, eine Wiki-Seite zu l\u00f6schen. Der Grund ist jedoch nicht der Mangel an Schreibfl\u00e4che. Ein Wiki kann grob gesagt unbegrenzt viel Text aufnehmen. Trotzdem vermeidet man die L\u00f6schung, versucht bereits bestehende Arbeit zu erweitern und nur wenn n\u00f6tig zu korrigieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese eigent\u00fcmliche Scheu h\u00e4ngt mit mehreren Faktoren zusammen<\/p>\n<ul>\n<li>Es ist immer <em>gen\u00fcgend Platz<\/em> vorhanden, das ist A.K&#8217;s Hinweis<\/li>\n<li>Es ist <em>zwecklos<\/em>, die Seite verschwindet durch das L\u00f6schen nicht<\/li>\n<li>Es ist<em> weniger Aufwand<\/em>, etwas hinzuzuf\u00fcgen, als zum Verschwinden zu bringen und neu zu formulieren<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese pragmatischen Gr\u00fcnde kann man durch eine spekulative \u00dcberlegung erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<ul>\n<li>In einem Wiki liegen Erg\u00e4nzung und Beseitigung eng nebeneinander.<\/li>\n<\/ul>\n<p>W\u00e4hrend der Zusatz auf einer konventionellen Schriftseite vorhandenen Raum ausnutzt, ohne an das Raum<em>angebot<\/em> zu r\u00fchren, kann ein Eingriff im Wiki <em>alles zum Verschwinden bringen<\/em>, ohne dabei den Inhalt auszul\u00f6schen. In jeder \u00c4nderung eines vorgegebenen Textes steckt die M\u00f6glichkeit, ihn auf Null zur\u00fcckzusetzen. <\/p>\n<p>&#8220;Ich wollte nur etwas dazu sagen und statt dessen ist alles verschwunden.&#8221; Die Sache ber\u00fchrt den Unterschied zwischen dem Setzen eines Anfangs und einer Folgewirkung. &#8220;Sein&#8221; er\u00f6ffnet einen Raum f\u00fcr etwas, das erscheint. Wohin deutet dieses etwas (&#8220;Seiendes&#8221;), wenn es beseitigt wird?<\/p>\n<blockquote><p>Nachdem eine Wiki-Seite zun\u00e4chst als eine Oberfl\u00e4che pr\u00e4sentiert wird, konzentrieren wir uns auf diese Oberfl\u00e4che. Es wird uns bei einer Bearbeitung zun\u00e4chst der bestehende Text vorgelegt, und nicht ein leeres Feld. Uns wird nahegelegt, dass schon jemand Arbeit investiert hat, die zu l\u00f6schen oder zu adaptieren eine Begr\u00fcndung erfordern.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein leeres Heft. Die erste Seite kann zweierlei bedeuten: eine Erm\u00f6glichung f\u00fcr Schreiben und Schreiben auf der Nullstufe. &#8220;Ich habe mir das Heft gekauft, um Notizen zu machen, und noch nichts hineingeschrieben.&#8221; Das Fehlen der Eintr\u00e4ge sagt etwas inhaltlich. <\/p>\n<p>Der prek\u00e4re Doppelzustand einer leeren Wiki-Seite besteht darin, dass sie einerseits als Ergebnis der Einrichtung eines Wikis gesehen werden kann. Ohne sie ist ein Wiki unbenutzbar. Zweitens aber als ein Zustand im Schreibverlauf des Wikis. Als die komplette Negation einer erreichten Stufe <em>innerhalb<\/em> der Kommunikationsumgebung. Nicht ihr Reset in die Inhaltslosigkeit, sondern das Verschwinden(-Machen) bestehender Inhalte als eine nachvollziehbare Mitteilung.<\/p>\n<p>So reicht Seiendes ans Sein: Es ist ein Ganzes, das in seiner Abwesenheit von der Abwesenheit des Ganzen nicht zu unterscheiden ist. Wie der wei\u00dfe Kader die Erm\u00f6glichung einer Darstellung oder die Darstellung einer Erm\u00f6glichung sein kann.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Tabelle wei\u00dfer und schwarzer Filmkader habe ich schon in Pr\u00e4sentation der Pr\u00e4sentation zur Illustration verwendet. Zwei Bemerkungen Andreas Kirchners geben Gelegenheit, nochmals auf zur\u00fcckzugreifen. Es kostet \u00dcberwindung, eine Wiki-Seite zu l\u00f6schen. Der Grund ist jedoch nicht der Mangel an Schreibfl\u00e4che. Ein Wiki kann grob gesagt unbegrenzt viel Text aufnehmen. 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