{"id":1321,"date":"2013-11-30T22:31:51","date_gmt":"2013-11-30T22:31:51","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1321"},"modified":"2018-11-15T16:42:56","modified_gmt":"2018-11-15T16:42:56","slug":"wir-wollen-zitate","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1321","title":{"rendered":"Wir wollen Zitate"},"content":{"rendered":"<p>[jwplayer mediaid=&#8221;1160&#8243;]<\/p>\n<p>Eine Parodie, so wie <a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1317#comments\">die im letzten Kommentar angef\u00fchrte<\/a> ist umwerfend im Wortsinn. Die Relokalisierung des Werks modifiziert seine Effektivit\u00e4t. Die Repr\u00e4sentation durch die Parodie bringt einen Themawechsel oder eine Themaverschiebung. Sie macht durch Verfremdung einzelne Features des Werks sichtbar und diskutierbar, die im Werk mesmerisierend wirken. Manch Luftschloss l\u00f6st sich auf &#8211; zum Nutzen oder Nachteil.<\/p>\n<p>Parodien und andere Meta-\/Hyper-Bezugnahmen k\u00f6nnen durch Begrenzung eines exzellenten Werks mitunter sch\u00f6ne, wichtige Themen der L\u00e4cherlichkeit preisgeben. Um es mit Filmen zu sagen: Was ist &#8220;Scary Movie&#8221; im Vergleich zu &#8220;The Shining&#8221;? Parasit\u00e4r. Die Parodie von Horrorfilmen ist kein Horrorfilm; bis auf exzellente Ausnahmen wie &#8220;The Cabin in the Woods&#8221;, dessen Plot alle Klischees bedient:<\/p>\n<blockquote><p>Five friends go for a break at a remote cabin in the woods, where they get more than they bargained for. Together, they must discover the truth behind the cabin in the woods.<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><br \/>\nHorrorfilme mit dem Titel \u201cdie H\u00fctte im Wald\u201d, die damit beginnen, dass eine Gruppe von Teenagern auf eine Partytour in den Wald f\u00e4hrt, suggerieren einen absehbaren Typ von Erz\u00e4hlung. Die Zuseherin kennt die Wendungen: Im Wald geschehen paranormale und Furcht ausl\u00f6sende Dinge, ein \u00dcberlebenskampf gegen Zombies, Hexen, Geister, D\u00e4monen, untote Tiere, verfluchte Geb\u00e4ude, etc. beginnt. W\u00e4hrend die Protagonistinnen ums Leben k\u00e4mpfen, werden nach und nach Details \u00fcber die paranormalen Ereignisse verraten. Nur dass die Zuschauerinnen mittlerweile anspruchsvoller geworden sind. Es zieht sie nicht in die Geschichte. Stattdessen finden sie Ungereimtheiten bei den Charakteren, prognostizieren den Verlauf und vergleichen mit \u00e4hnlichen Filmen. Kreaturen der Unter- oder \u00dcberwelt nehmen sie mit einer Ruhe hin und am\u00fcsieren sich \u00fcber die konstruierten Handlungen der Protagonistinnen, die sie geradewegs ins Verderben f\u00fchren. Das Am\u00fcsement und das Vorlaufen in die Zukunft ist die letzte Spur von Angst, Schrecken und Verst\u00f6rung, also jenen Spannungsgef\u00fchlen, mit denen Horrorfilme arbeiten m\u00f6chten.<\/p>\n<p>An dieser Stelle kann man verschieden reagieren:<\/p>\n<ul>\n<li>Man gibt der Interessensverschiebung des Publikums nach und wechselt das Genre (Themawechsel): Der Film l\u00e4sst das Horrorgenre hinter sich und mutiert zur Horrorkom\u00f6die, das die Regeln, wie Horror erzeugt wird, entlarvt. Bei dieser Mutation gibt es unterschiedlich gute Umsetzungen. Manche bieten nichts Originelles an, leben von Zitaten, um das Sterben des Genres zu zelebrieren. Die Filmreihe &#8220;Scary Movie&#8221; parodiert Plots bekannter Horrorfilme. Dem Schrecken wird durch \u00dcberzeichnung die Pointe genommen, um eine andere, eine komische Pointe einzuf\u00fchren. Die neue Beleuchtung l\u00e4sst zwar manchmal Unstimmigkeiten im Erz\u00e4hlstrang bekannter Horrorfilme hervortreten. Nur ist das Resultat selbst kein Horrorfilm, denn man m\u00f6chte das Am\u00fcsement des Publikums, nicht deren Bedarf an Schrecken, befriedigen. Die Message ist: \u201cBuhu, wie furchteinfl\u00f6ssend! \ud83d\ude09 Wenn du den Smiley verstehst, dann geh\u00f6rt du zum erlesenen Kreis, der die Effekte der Horrorfilme durchschaut. Gratuliere.&#8221;<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Man antwortet auf die Interessensverschiebung des Publikums und bleibt im Genre (Themaverschiebung): Das Risiko, wenn man sich bezugnehmend neben oder \u00fcber Bestehendes stellt, ist, dass man durch die Zitierungen vom Thema abkommt. Das Resultat gibt kein Beispiel daf\u00fcr ab, wie man heutzutage Horrorfilme produziert.Aus einer <a href=\"http:\/\/www.unemployednegativity.com\/2012\/04\/choose-your-apocalypse-cabin-in-woods.html\">Filmrezension<\/a>:<br \/>\n<blockquote><p>Eventually the winks get in the way of the scares to the point where everything is buried in quotation marks.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie ein Vampir saugen Metakommentare das letzte Blut aus der im Sterben begriffenen Tradition. Andererseits, und das ist die zweite Reaktionsm\u00f6glichkeit: Vampire sind Figuren aus dem Genre, also eine Gelegenheit zur Erneuerung. In diesem Sinne ist &#8220;Cabin in the Woods&#8221; ein Horrorfilm. Er schafft es, einschl\u00e4gige Klischees ironisch zu verwenden dann aber in ein neues Umfeld zu retten, um dem Genre treu zu bleiben. Der Preis konkret in diesem Film ist, dass der Nihilismus dieses Umfeld ist, in dem sich die Klischees zu bew\u00e4hren haben.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[jwplayer mediaid=&#8221;1160&#8243;] Eine Parodie, so wie die im letzten Kommentar angef\u00fchrte ist umwerfend im Wortsinn. Die Relokalisierung des Werks modifiziert seine Effektivit\u00e4t. Die Repr\u00e4sentation durch die Parodie bringt einen Themawechsel oder eine Themaverschiebung. Sie macht durch Verfremdung einzelne Features des Werks sichtbar und diskutierbar, die im Werk mesmerisierend wirken. 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