{"id":1438,"date":"2014-06-12T09:36:35","date_gmt":"2014-06-12T09:36:35","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1438"},"modified":"2018-11-15T16:37:51","modified_gmt":"2018-11-15T16:37:51","slug":"schattenspiele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1438","title":{"rendered":"Schattenspiele"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 620px;\" class=\"wp-video\"><video class=\"wp-video-shortcode\" id=\"video-1438-1\" width=\"620\" height=\"350\" preload=\"metadata\" controls=\"controls\"><source type=\"video\/webm\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/kentridge_thinking_images.webm?_=1\" \/><a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/kentridge_thinking_images.webm\">http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/kentridge_thinking_images.webm<\/a><\/video><\/div>\n<p>William Kentridge hielt am Dienstag und Mittwoch zwei Vorlesungen <a href=\"www.festwochen.at\/programmdetails\/in-praise-of-shadows\/\">im Rahmen der Wiener Festwochen<\/a>. Die erste mit dem Titel &#8220;In Praise of Shadows&#8221; und &#8212; ich hatte die Vorank\u00fcndigung nicht genau gelesen &#8212; zu meiner \u00dcberraschung \u00fcber Platons H\u00f6hlengleichnis. Das ist ein eigent\u00fcmliches Ding. Es geh\u00f6rt zu den \u00e4ltesten und abgegriffensten Motiven der Philosophie und ist doch immer noch eine Herausforderung. Ich bin im Zusammenhang mit <a href=\"philo.at\/wiki\/index.php\/Matrix_Philosophie_(CP)\">dem Film &#8220;Matrix&#8221;<\/a> und mit <a href=\"philo.at\/wiki\/index.php\/Bildung_-_Philosophie_-_Bologna_(bpb)\">der Bolognareform<\/a> darauf zur\u00fcckgekommen. Einen Beitrag <a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/hvarconf.pdf\" target=\"_blank\">zu einer paideia-Konferenz<\/a> habe ich gerade fertiggestellt: &#8220;Paideia, Progress, Puzzlement&#8221;. <\/p>\n<p>Umso gespannter war ich, zu h\u00f6ren, was Kentridge mit dem Motiv macht. Es war phantastisch. Die Vorlesung ist <a href=\"mahindrahumanities.fas.harvard.edu\/content\/william-kentridge-drawing-lesson-one-praise-shadows\">aus Harvard<\/a> zug\u00e4nglich. Ich werde in n\u00e4chster Zeit einige Ausschnitte pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&#8220;Denken in Bildern&#8221; wird immer wieder misstrauisch betrachtet. Ein Bild kann nicht in dem Sinn pr\u00e4zise sein, wie eine Schlussfolgerung. Es kann kein Argument bieten, weil es keine Behauptung aufstellt, die zu beweisen oder zu widerlegen w\u00e4re. Selbst wenn jemand einfach eine Abbildung hinh\u00e4lt, um zu zeigen, dass es sich so verh\u00e4lt, liegt dieser Effekt in der Bild<em>verwendung<\/em>, nicht in der Bildkomposition. Dieser Unterschied l\u00e4sst sich als \u00dcberlegenheit der einen oder der anderen Seite ausgeben. Er sorgt f\u00fcr Unruhe.<\/p>\n<p>Ein beliebtes Verfahren, mit der Herausforderung umzugehen, ist die verbale Deutung der Bildinhalte. Darauf baut speziell die gesamte Bildungsphilosophie auf, die sich des H\u00f6hlenkinos in Ketten, des Aufstiegs zur Sonne und der Erleuchtung in freier Luft bedient. <\/p>\n<div align=center>\n<a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/plcav.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/plcav.jpg\" alt=\"plcav\" width=\"500\" height=\"283\" class=\"alignright size-full wp-image-1441\" \/><\/a>\n<\/div>\n<p>Die Imagination Platos wird nachgezeichnet, eine sehr effektive Doppelstrategie. Sie spricht die Sinne an und erlaubt abstrakte Weiterf\u00fchrungen. Sie vindiziert das Bildhafte, indem sie zeigt, wie es sich 1:1 in Gedankeng\u00e4nge \u00fcbersetzen l\u00e4sst. Aber darin liegt auch eine verabredete &#8220;Verschw\u00f6rung&#8221; zwischen den beiden Seiten. Sie passen gar zu gut zusammen, man wird gleichsam von der einen Verfahrensweise zur anderen verwiesen, als k\u00f6nnte es gar nicht anders sein. Jedenfalls haben fast alle Philosophen die Parabel argumentativ ausgeschlachtet, was man ihnen angesichts der Platonischen Strategie nicht vorwerfen kann.<\/p>\n<p>Kentridge durchkreuzt diese pr\u00e4stabilisierte Harmonie. Er nimmt, als Zeichner, die Bestandteile der platonischen Erz\u00e4hlung und entwickelt neue Linien. Sie kreuzen sich mit bekannten Perspktiven, aber sie f\u00fchren auch auf neues Terrain. Fortsetzung folgt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>William Kentridge hielt am Dienstag und Mittwoch zwei Vorlesungen im Rahmen der Wiener Festwochen. Die erste mit dem Titel &#8220;In Praise of Shadows&#8221; und &#8212; ich hatte die Vorank\u00fcndigung nicht genau gelesen &#8212; zu meiner \u00dcberraschung \u00fcber Platons H\u00f6hlengleichnis. Das ist ein eigent\u00fcmliches Ding. 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