{"id":148,"date":"2005-06-27T19:28:42","date_gmt":"2005-06-27T17:28:42","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/wordpress\/?p=148"},"modified":"2005-06-27T19:28:42","modified_gmt":"2005-06-27T17:28:42","slug":"plum-vxf6lkerverbindend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=148","title":{"rendered":"PLUM v\u00f6lkerverbindend"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gert Bachmann<\/strong> schrieb den folgenden Bericht von der Informationsveranstaltung zum Entwicklungsplan, der letzten Donnerstag von der &#8220;Plattform Universit\u00e4re Mitbestimmung&#8221; organisiert wurde.<\/p>\n<p>Am Donnerstag den 23 Juni um 19 Uhr diskutierten in der Aula des Campus im alten AKH, moderiert von Rubik (PLUM), die Repr\u00e4sentanten der Leitung der Uni Wien, Winckler (Rektor) Clemenz (Senatsvositzender), Kothbauer (Universit\u00e4tsratsvorsitzender) mit dem Arbeitnehmervertreter Steiner  (Betriebsratsvorsitzender wiss. Personal) sowie drei Vertretern der PLUM  (Hrachovec, Ille, Saurer) \u00fcber die zweite Fassung des Entwicklungsplanes ihrer Universit\u00e4t. Dessen Bechlussfassung ist f\u00fcr den 1. Juli in Aussicht gestellt.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nIn den Eingangsstatements betonten alle drei Repr\u00e4sentanten der F\u00fchrungsschichte, es habe enorme Fortschritte und l\u00e4ngst f\u00e4llige Eigendefinitionen der Ziele gegeben. Kothbauer bedauerte, da\u00df der  Entwicklungsplan in seiner Neuorientierung noch zu z\u00f6gerlich sei: bis zu zehn Prozent komplett neu definierte Lehrst\u00fchle h\u00e4tte er sich schon  vorstellen k\u00f6nnen. Die Arbeitnehmerseite beklagte naturgem\u00e4\u00df die Verluste an universit\u00e4re Demokratie, den Auschlu\u00df des Mittelbaus von der strategischen Planung und seine undefinierte Rolle in der Entwicklungsplanung sowie den Umgang mit den Lehrbeauftragten, welche zu den HauptverliererInnen z\u00e4hlten.<\/p>\n<p>Die Diskussionsbeitr\u00e4ge machten deutlich, da\u00df oft eindeutig gegen den  Willen der Belegschaft entschieden wurde (etwa Institutszusammenlegungen an der juridischen, Institutsaufl\u00f6sungen an der lebenswissenschaftliche Fakult\u00e4t). Die Bediensteten empfanden dies als undemokratische Entscheidung ohne sachliche Gr\u00fcnde, die Universit\u00e4tsleitung argumentierte, die alten Institute w\u00e4ren zu unflexibel gewesen und h\u00e4tten oft die Universit\u00e4t als &#8220;ihren Besitz&#8221; erachtet.<\/p>\n<p>Jedenfalls war es zu etlichen eiligen autorit\u00e4ren Entscheidungen gekommen, welche immer wieder mit dem Zeitdruck und der Erf\u00fcllung der Intention des Gesetzes begr\u00fcndet und mit der Aussicht auf baldige Evaluation relativiert wurden. So wurde auch bez\u00fcglich der M\u00e4ngel der jetzigen zweiten Fassung des Entwicklungsplanes seitens Senat, Rat und Rektorat betont, dies sei erst ein Anfang und &#8220;rollierend&#8221; zu sehen. Als allgemeines Manko wurde die Planungsunsicherheit wegen des erwiesenerma\u00dfen kontraproduktiven xDCbergangsdienstrechtes, welches zu vielen Absagen und zum Verlust qualifizierter MitaerbeiterInnen gef\u00fchrt hatte (Rindler, Mathematik), beklagt.<\/p>\n<p>Warum nicht zuerst einen Kollektivvertrag etablieren, um kostenseitig Planungssicherheit zu haben? Rektor Winckler konzidierte, dies w\u00e4re ihm auch lieber gewesen, aber es sei eben nicht dazu gekommen. Es erhebt sich die Frage, wer dies verz\u00f6gert hatte (siehe Universit\u00e4tsprofessorenverband und &#8220;Sonderstatus des ordentlichen Professors&#8221;), und warum dennoch ohne Grundlage f\u00fcr eine Kostenplanung in diesem Tempo weitergemacht wurde, wo doch die n\u00f6tigen Nach- bzw. Umbesetzungen von Lehrst\u00fchlen (diese sind hinsichtlich der Kontinuit\u00e4t der Lehre zu betonen) nicht notwendigerweise mit neuen Schwerpunkten (welche Forschungszentriert definiert wurden) junktimiert h\u00e4tten werden m\u00fcssen. Als besonders fragw\u00fcrdig war vom Personal die Destillation von mehr als hundert Vorschl\u00e4gen auf nun eben einmal sechs universit\u00e4re Forschungsschwerpunkte empfunden. Diese &#8220;coole&#8221; unevaluierte Festlegung im elit\u00e4ren Kreis der DekanInnen und des Rektorates sei &#8220;ur-arg&#8221; (Ille).<\/p>\n<p>Dem Einmahnen von einem Minimum an Demokratie (zumindest bindende Abstimmngen in den Fakult\u00e4tskonferenzen, und Vorsitzende, welche nicht mit den DakanInnen personenident seien) wurde von Rektor Winckler entgegengehalten, man m\u00fcsse eben nun auch Arbeitgeberentscheidungen treffen, und Clemenz hat offenbar gro\u00dfe Probleme mit &#8220;noch einer Funktion\u00e4rsebene&#8221;. Dies wurde vom im Entwicklungsplan konsequent unerw\u00e4hnt gebliebenen (..und wir Mittelbauangeh\u00f6rige fragen: wo bin ich? (Steiner)), aber oft noch mehr als zwanzig Jahre an der Universit\u00e4t arbeitenden Mittelbau als ebenso konsequente Demokratieverweigerung empfunden. Der Verlust an Gespr\u00e4chskultur und die Demotivation seien allenthalben zu sehen &#8220;Wir stehen vor dem Scherbenhaufen eines gescheiterten autorit\u00e4r\/autokratischen Experimentes&#8221; (Bachmann, Lebenswissenschaften).<\/p>\n<p>Hrachovec fasste zusammen, es sei mit der Abschaffung der Kollegialorgane und Gremien zu einem erheblichen Verlust &#8220;institutionellen Wissens&#8221; gekommen, und die bisherige Transpar\u00e4nz und Effizienz damit stark beeintr\u00e4chtigt worden.<\/p>\n<p>Niemand hatte eine Antwort auf das Hauptdilemma der &#8220;autonomen&#8221; Unis, dem seit 1999 ungeachtet aller durch das UG2002 n\u00f6tigen Zusatzkosten eingefrorenen Budget. Denn kommt es zu keiner deutlichen Budgeterh\u00f6hung, welche wiederholt von den Rektoren und oppositionellen Politikern eigefordert worden war, dann sind die samt und sonders nicht kostenneutralen xC4nderungen im Personal- und Lehrebereich, aber auch die Forschungsschwerpunkte und Initialkollegs, schlicht und einfach nicht finanzierbar. F\u00fcr jedEn des Rechnens kundigen beudeutet dies:<br \/>\nPersonalreduktion, Reduktion von F\u00e4chern, Umverteilung von &#8220;nicht erfolgreich&#8221; zu &#8220;excellent&#8221;, und auch dies reicht mit Sicher nicht aus um den Basisbetrieb in gleicher Qualit\u00e4t aufrechtzuerhalten, geschweige denn uns der &#8220;Weltspitze&#8221; nahe zu bringen. Was wunder, da\u00df einige Arbeitsgruppen sich im Vorfeld das unevaluierte M\u00e4ntelchen der Excellenz in Form von &#8220;Centers of Excellence&#8221; umh\u00e4ngten und das Antichambrieren dem transparenten Wettbewerb vorzogen. Damit wird eine Gruppendynamik initiiert, welche wohl am ehesten mit einem austrocknenden Krokodilteich verglichen werden mu\u00df, was bereits bei der Definition der sechs universit\u00e4ren Schwerpunkte \u00fcberdeutlich wurde.<\/p>\n<p>Undemokratische, umstrittene Strukturen und unevaluierte, von Lobbying gepr\u00e4gte Schwerpunkte ohne definierte Rahmenbedingungen\/Kollektivvertrag) als Basis der Entwicklung? Auf eine rasche Revision wird gehofft!<\/p>\n<p>Dennoch war der Ausklang der Veranstaltung vers\u00f6hnlich: nach langer Zeit sei man erstmals in so gro\u00dfer Runde unbefangen den betroffenen Bediensteten in guter Gespr\u00e4chskultur gegen\u00fcbergesessen. Abseits der Zweckargumentation keimt beiderseits Problembewusstsein auf, wohl nicht zuletzt deshalb, weil die Regierung bez\u00fcglich der berechtigten Anliegen der Universit\u00e4ten offenbar auf beiden Ohren H\u00f6hrprobleme hat, und Einigkeit not tut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gert Bachmann schrieb den folgenden Bericht von der Informationsveranstaltung zum Entwicklungsplan, der letzten Donnerstag von der &#8220;Plattform Universit\u00e4re Mitbestimmung&#8221; organisiert wurde. Am Donnerstag den 23 Juni um 19 Uhr diskutierten in der Aula des Campus im alten AKH, moderiert von Rubik (PLUM), die Repr\u00e4sentanten der Leitung der Uni Wien, Winckler (Rektor) Clemenz (Senatsvositzender), Kothbauer (Universit\u00e4tsratsvorsitzender)<a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=148\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-148","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hochschulpolitik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=148"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=148"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=148"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=148"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}