{"id":1493,"date":"2014-12-17T10:57:57","date_gmt":"2014-12-17T10:57:57","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1493"},"modified":"2018-11-15T16:36:10","modified_gmt":"2018-11-15T16:36:10","slug":"beratungsmuster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1493","title":{"rendered":"Beratungsmuster"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/2010-08-26_13-02-12.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-1496\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/2010-08-26_13-02-12-300x225.jpg\" alt=\"2010-08-26_13-02-12\" width=\"484\" height=\"363\" \/><\/a><\/p>\n<p>Vor langer Zeit, als es an \u00f6sterreichischen Universit\u00e4ten Personal- und Berufungskommissionen gab, die aus Professorinnen, Mittelbau und Studentinnen kollegial zusammengesetzt waren, beobachtete man eine bedenkliche Entwicklung. Es kam oft auf den Durchschnitt an, den Kandidatinnen aus den ziemlich divergenten Interessen zu ziehen vermochten. Die Tendenz ging in Richtung &#8220;nirgends anstreifen&#8221; und wer die Umst\u00e4nde gut kannte, hatte die besten Chancen. Wo sind die Zeiten hin?<\/p>\n<p>Ein &#8220;Doktoratsbeirat&#8221; wacht mittlerweile dar\u00fcber, dass nur solche Studierende im Doktoratsstudium betreut werden, die in einer &#8220;fakult\u00e4ts\u00f6ffentlichen Pr\u00e4sentation&#8221; bestehen. (Ich war Vorsitzender der Curricularkommission der Universit\u00e4t, als das beschlossen wurde.) Dabei ergibt sich ein anderes Bild.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Im Institut f\u00fcr Philosophie hat sich dieser Ausschuss zum Ziel gesetzt, das Niveau des akademischen Abschlusses deutlich zu heben. Das war auch dringend n\u00f6tig. (Ich war zwei Jahre lang Mitglied.) Aber das Gremium entwickelte auch Forderungen und Argumentationsmuster, die r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt erscheinen. Als Beispiel hier zwei Fragen und zwei Empfehlungen an einen Dissertationswerber, der es unternehmen wollte, den Forschungsansatz eines bekannten Wissenschaftlers auf einen Sachbereich anzuwenden, zu dem dieser Forscher nichts publiziert hat.    <\/p>\n<blockquote><p>Haben Sie schon Kontakt mit Herrn X aufgenommen?<\/p><\/blockquote>\n<p>Einerseits will man die Qualit\u00e4t des Vorschlags beurteilen, bevor man ein Dissertationsprojekt \u00fcberhaupt akzeptiert, andererseits soll er schon mit dem Gelehrten abgesprochen sein, um den es sich handelt. Das passt z.B. f\u00fcr Antr\u00e4ge auf Benutzung von Bibliotheken und Archiven oder f\u00fcr die Teilnahme an Forschungsgruppen. Aber als Vorausleistung in der Arbeit mit einem internationalen Starwissenschaftler?<\/p>\n<blockquote><p>Herr X k\u00f6nnte ja Gutachter werden. Was w\u00fcrde er sagen, wenn er mit XY in Verbindung gebracht wird?<\/p><\/blockquote>\n<p>Und davon will eine Wiener Beratungsgruppe das Placet f\u00fcr eine Untersuchung abh\u00e4ngen lassen? Soviel F\u00fcrsorge stimmt bedenklich. Es kann wohl nicht das Ziel eines Beirats sein, nur Arbeiten zuzulassen, die einem betroffenen Theoretiker von vornherein genehm sind.  <\/p>\n<blockquote><p>Sie sollten einen Text zugrundelegen, den Sie interpretieren k\u00f6nnen!<\/p><\/blockquote>\n<p>Anders gesagt: keine Experimente. Den festen Boden der Hermeneutik etablierter Vorlagen suchen. Der Vorschlag, eine neue Methodologie auf eingesessene Konmpetenzbereiche anzuwenden, ist zu risikoreich. Der Doktoratsbeirat achtet darauf, dass ein Projekt keine Grenzverletzung vorsieht. Gut, er will der Bewerberin sp\u00e4tere Schwierigkeiten ersparen. Aber er beschr\u00e4nkt damit auch Phantasie und Methodenpluralismus.  <\/p>\n<blockquote><p>Sie sollten keine Schw\u00e4chen im Werk von Herrn X zugeben!<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie bitte? Das passt f\u00fcr Werbeveranstaltungen. Das Ziel einer akademischen Ausbildung kann nicht sein, &#8220;the power of positive thinking&#8221; einzuimpfen.<\/p>\n<p>Fazit: W\u00e4hrend sich Beratungs- und Entscheidungsgremien in alter Zeit leicht auf einen m\u00f6glichst unkontroversen Durchschnitt eingependelt haben, orientieren sie sich derzeit an instinktiv tiefsitzenden Maximen des Elitedenkens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor langer Zeit, als es an \u00f6sterreichischen Universit\u00e4ten Personal- und Berufungskommissionen gab, die aus Professorinnen, Mittelbau und Studentinnen kollegial zusammengesetzt waren, beobachtete man eine bedenkliche Entwicklung. Es kam oft auf den Durchschnitt an, den Kandidatinnen aus den ziemlich divergenten Interessen zu ziehen vermochten. 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