{"id":1516,"date":"2015-03-11T02:21:29","date_gmt":"2015-03-11T02:21:29","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1516"},"modified":"2018-11-15T16:34:02","modified_gmt":"2018-11-15T16:34:02","slug":"festschreiben-und-verhandeln-projektmanagment-revisited","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1516","title":{"rendered":"Festschreiben und Verhandeln: Projektmanagement revisited"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/medium.com\/@3fingeredfox\/margaret-hamilton-lead-software-engineer-project-apollo-158754170da8\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-medium wp-image-1518 aligncenter\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/MargaretHamilton-264x300.png\" alt=\"MargaretHamilton\" width=\"264\" height=\"300\" \/><\/a><\/p>\n<p>Vor sechs Jahren wurde hier ein <a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=496\">Beitrag \u00fcber Agiles Projektmanagement<\/a> ver\u00f6ffentlicht. Er entstand w\u00e4hrend dem Besuch einer einschl\u00e4gigen Vorlesung im Informatikstudium. Heute stellt sich das Thema neu dar. Weniger Schlagwort-orientiert. Man hat Zeit investiert, praktische Erfahrung gesammelt.<\/p>\n<p>Mancherorts in den IT-Abteilungen bel\u00e4chelt man den &#8220;Agile&#8221;-Hype. Er wurde fast zum Schimpfwort. Bei &#8220;von oben&#8221; verordneten Prozessver\u00e4nderungen ist das zu erwarten und nicht unmittelbar ein Argument gegen alternative Vorgehensweisen zur Erstellung von Artefakten wie Software.<\/p>\n<p>Der Verdacht: Personen, die wenig bis keine Erfahrung im Projektmanagement h\u00e4tten, fallen auf die Slogans von Coaches und Beraterinnen herein:<\/p>\n<ul>\n<li>Starre Regelwerke\u00a0 &#8212;\u00a0 laufendes Eingehen auf \u00c4nderungsw\u00fcnsche<\/li>\n<li>Fixe Rollenverteilung &#8212; Individuelle Entfaltung bei verschiedensten Aufgaben<\/li>\n<li>Reduktionismus &#8212; Holismus<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Gegen\u00fcberstellung dieser Phrasen helfen zumeist wenig zur Beurteilung und Verbesserung des Projektalltags. Die Zuflucht zu agilem Vorgehen ist Teil eines Dilemmas, das bei einem an mehreren Orten stattfindenden Softwareprojekt sehr deutlich wird, in dem man exakt spezifizieren muss. Die Spezifikation wird in einem Medium verst\u00e4ndlich gemacht, das Weiteres oder Anderes offen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir schreiben <em>fest<\/em>. Fest, worauf? Ein Excel-Dokument dient als Anker daf\u00fcr, wie es sein <em>soll<\/em>. Ein St\u00fcck vom Ist-Stand soll \u00fcber den Soll-Stand entscheiden. Die schrittweise Aufz\u00e4hlung zerhackt das Gewimmel von Meinungen. Je feiner sie hackt, desto mehr n\u00e4hert sie sich ihm an. Die Spezifikation h\u00e4lt sich nur noch mit M\u00fche auf Distanz der vielf\u00e4ltigen Varianten. Sie verspricht, den \u00dcberblick zu behalten. Ein ehrenhaftes Motiv, das von der Komplexit\u00e4t herausgefordert wird. Manche sehen in ihr die alleinige Autorit\u00e4t im Verlauf eines Projekts. Die Rede ist von der Anforderungsliste oder dem Lastenheft.<\/p>\n<p>Dass es hilfreich ist, Ergebnisse \u00fcber w\u00fcnschenswerte Eigenschaften eines Artefakts zusammenzufassen, soll hier nicht bestritten werden. Es geht um die Verselbst\u00e4ndigung der W\u00fcnsche im Hinblick auf die Tatsache, dass das Medium, mit dem wir etwas festzuschreiben beanspruchen, Sprache, mehrere Deutungen zul\u00e4sst.<\/p>\n<p>Der Auftrag, sich strikt, Wort f\u00fcr Wort, an das Geschriebene zu halten, geht regelm\u00e4\u00dfig schief und produziert vielf\u00e4ltige Interpretationen. Die Priorit\u00e4ten und Zusammenh\u00e4nge ver\u00e4ndern sich, die Zeit ist knapp, das Ged\u00e4chtnis kurz, die technischen M\u00f6glichkeiten beschr\u00e4nkt, oder allzu variantenreich.<\/p>\n<p>Und pl\u00f6tzlich liegen neue Deutungen des Spezifizierten viel n\u00e4her. Dabei kann man sich verzetteln. Man m\u00f6chte die Bewegung der Gedanken stoppen und verfeinert die Spezifikation. Ein Labyrinth von W\u00f6rtern entsteht, ein Textkorpus, der vorgibt, auf jede Frage eine Antwort zu haben.<\/p>\n<p>Hilft hier eine Analyse?<\/p>\n<blockquote><p>Die Analyse kennzeichnet die L\u00f6cher, die die Sprache unterminieren, und zerst\u00f6rt die Aussagen, die sie f\u00fcllen wollen. Sie arbeitet mit dem, was sich <em>zeigt<\/em>, ohne <em>gesagt<\/em> werden zu k\u00f6nnen. (Michel de Certeau:\u00a0<i>Kunst des Handelns<\/i>,\u00a0Merve Verlag, Berlin 1988, S. 48)<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8220;Wir k\u00f6nnen den Gebrauch unserer W\u00f6rter nicht <em>\u00fcbersehen&#8221; <\/em>&#8211; weder ignorieren noch \u00fcberblicken, schreibt L. Wittgenstein in den Philosophischen Untersuchungen.<\/p>\n<p>Der Versuch der m\u00f6glichst genauen Spezifikation l\u00e4sst sich nicht stoppen. Er ist ein Ideal, vor allem wenn Personen an mehreren Orten an einer Software arbeiten. Sagen wir, auf Werkvertragsbasis: A liefert Software X an B zum Fixpreis von Z. Der Mut zur L\u00fccke kann f\u00fcr A und B negative Effekte haben. A gibt an, nicht f\u00fcr dieses Detail von X beauftragt worden zu sein, und B nimmt an, dass dieses Detail &#8220;eh klar&#8221; gewesen sein muss. Der Vertrag f\u00fcr ein Werk X impliziert also ein \u00fcberwiegend abgeschlossenes Set an Anforderungen. Hier muss man verhandeln, nicht nur schreiben.<\/p>\n<p>Nimmt man die Fixkosten weg (Dienstvertrag) hat man mehr Flexibilit\u00e4t beim Ausgestalten der Werkdetails. Doch dann wird die Zeit knapp. Nimmt man auch noch den Abschlusstermin weg, l\u00e4uft man Gefahr, X in endlosen Iterationen zu erweitern und umzubauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor sechs Jahren wurde hier ein Beitrag \u00fcber Agiles Projektmanagement ver\u00f6ffentlicht. Er entstand w\u00e4hrend dem Besuch einer einschl\u00e4gigen Vorlesung im Informatikstudium. Heute stellt sich das Thema neu dar. Weniger Schlagwort-orientiert. 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