{"id":1603,"date":"2015-11-30T17:32:10","date_gmt":"2015-11-30T17:32:10","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1603"},"modified":"2018-11-15T16:27:02","modified_gmt":"2018-11-15T16:27:02","slug":"kreuzzuge-dschihad","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1603","title":{"rendered":"Kreuzz\u00fcge, Dschihad"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/actecs-balls.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1604\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/actecs-balls.jpg\" alt=\"actecs-balls\" width=\"400\" height=\"293\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein Vortrag im Rahmen des <a href=\"http:\/\/Symposiums Cyberspace 2015\">Symposiums Cyberspace 2015<\/a> in Br\u00fcnn befasste sich mit der Propaganda des Islamischen Staates, speziell mit dem pdf-Magazin <em>Dabiq<\/em>.<\/p>\n<blockquote><p>The Islamic State (ISIS) regularly puts out a glossy propaganda magazine aimed at recruiting jihadists from the West. It is sophisticated, slick, beautifully produced and printed in several languages including English. <a href=\"http:\/\/www.clarionproject.org\/news\/islamic-state-isis-isil-propaganda-magazine-dabiq\">1<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>In der Diskussion wurde gefragt, was der Referent \u00fcber die Zielgruppe der Publikation wisse. Er hatte keine Information. Nun, eines kann man jedenfalls sagen: Es sind Personen, die gerne professionell gemachte Hochglanzbrosch\u00fcren lesen. Anders formuliert: die Propaganda des aktuellen Terrors misst sich am Standard der westlichen Unterhaltungsindustrie. &#8220;Dabiq&#8221; dient jedenfalls dazu, den m\u00f6rderischen Islamismus in den Kategorien unserer Werbebrosch\u00fcren gut aussehen zu lassen.<\/p>\n<p>Beim Nachlesen \u00fcber die Kreuzz\u00fcge bin ich auf eine \u00e4hnliche Querverbindung zwischen den feindlichen Lagern gesto\u00dfen. Paul M. Cobb versucht in <a href=\"http:\/\/de.slideshare.net\/slkutub\/the-race-for-paradise-an-islamic-history-of-the-crusadesthe-race-for-paradise-an-islamic-history-of-the-crusades\">The Race for Paradise. An Islamic History of the Crusades<\/a> die Perspektive der angegriffenen K\u00f6nigreiche und F\u00fcrstent\u00fcmer einzunehmen, und dabei ergibt sich eine wichtige Pointe.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Kreuzz\u00fcge begannen &#8211; aus der Sicht der konventionellen westlichen Geschichtsschreibung &#8211; mit einer Predigt, in der Papst Urban II. 1095 zur Befreiung Jerusalems aufrief. Das entspricht nach Paul M. Cobb nicht der Sichtweise der islamischen Quellen. Dort wird der Einschnitt am Beginn der R\u00fcckeroberung europ\u00e4ischer Gebiete durch christliche Armeen gesehen. 1072 verlieren die Araber Palermo, 1084 Toledo und 1088 Syrakus. Es leuchtet ein, dass f\u00fcr sie kein p\u00e4pstlicher Aufruf, sondern der Einbruch christlicher Heere in ihren Machtbereich die Abl\u00e4ufe bestimmt.<\/p>\n<p>Aus dieser Zusatzperspektive ergibt sich ein \u00fcberraschender Aspekt. &#8220;Wir&#8221; haben die Kreuzz\u00fcge lange als heroische Leistungen gefeiert und sind nun (in weiten Kreisen) bereit, anzuerkennen, dass es sich um eine Agression handelt, f\u00fcr die wir uns sch\u00e4men sollten. Umgekehrt nimmt &#8220;uns&#8221; der Islamische Staat als die Invasoren wahr, als die wir uns selbst verstehen, und zahlt es &#8220;uns&#8221; heim. &#8220;Wir erneuern unseren Aufruf an die Muslime in Europa &#8230; die Kreuzfahrer in ihrer Heimat &#8230;anzugreifen.&#8221; <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/terrorangst-in-europa\/hollande-sieht-sein-land-im-krieg-13916132-p2.html\">2<\/a>. Sie \u00fcbernehmen unsere Geschichte und wenden sie gegen uns.<\/p>\n<p>Islamische Heere haben einen Angriffskrieg gegen Europa gef\u00fchrt. Die Kreuzz\u00fcge fallen mit der Bewegung der Reconquista zusammen. Das legitimiert sie keinesfalls, aber es heisst, dass sich in diesen kriegerischen Abl\u00e4ufen, wenn man schon mit Kategorien des Mittelalters operiert, keine Partei als unschuldig bezeichnen kann. Und dass die islamistische Qualifikation der &#8220;Kreuzfahrer&#8221; eine systemimmanente Replik auf westliche Propaganda ist, wie die erw\u00e4hnte pdf-Brosch\u00fcre. Dschihad gegen Dschihad.<\/p>\n<p>War es berechtigt, Sizilien und Spanien von den Besetzern zur\u00fcckzuerobern? Wer das bejaht votiert f\u00fcr das Heimatprinzip, das Christentum und den Erfolg. Es wird kaum vermeidbar sein, solche &#8220;chauvinistischen&#8221; Werte zu vertreten. Gut, dass die T\u00fcrkenbelagerung Wiens gescheitert ist. Man kann nur hoffen, dass sich Europa <em>bei all dem<\/em> nicht einfach in dieser Art von <em>double bind<\/em> fangen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Vortrag im Rahmen des Symposiums Cyberspace 2015 in Br\u00fcnn befasste sich mit der Propaganda des Islamischen Staates, speziell mit dem pdf-Magazin Dabiq. The Islamic State (ISIS) regularly puts out a glossy propaganda magazine aimed at recruiting jihadists from the West. 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