{"id":1675,"date":"2016-06-03T07:43:25","date_gmt":"2016-06-03T07:43:25","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1675"},"modified":"2018-11-15T08:53:14","modified_gmt":"2018-11-15T08:53:14","slug":"onoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1675","title":{"rendered":"on\/off"},"content":{"rendered":"<div align=\"center\">\n<a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?attachment_id=1677\" rel=\"attachment wp-att-1677\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1677\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/schalter2.jpg\" alt=\"schalter2\" width=\"400\" height=\"300\" \/><\/a>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8220;Ein&#8221; oder &#8220;Aus&#8221; geh\u00f6rt zu den einfachsten Oppositionen, wie &#8220;ja\/nein&#8221; oder &#8220;offen\/geschlossen&#8221;. Das ist der Bereich &#8220;klarer Entscheidungen&#8221;, bis hin zu &#8220;Willkommenskultur&#8221; versus &#8220;Festung Europa&#8221;. Sicher, es gibt undichte Ventile und durchl\u00e4ssige Membranen. Aber mit einer Theorie der Wackelkontakte kann man nicht beginnen. Eine Vorrichtung, die bei wiederholten Versuchen immer wieder unvorhersehbar reagiert, wird als Garantiefall retourniert.<\/p>\n<p>Unl\u00e4ngst hat mich ein Haushaltsger\u00e4t auf eine andere Spur gebracht.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Lampen knipst man gew\u00f6hnlich an oder ab. Es gibt auch noch den Schieberegler zum Dimmen, aber ein weiteres Detail wirkte verbl\u00fcffend. Auf einem Plastikrechteck in der Form eines Schalters ist ein Kreis aufgemalt, der zum Dr\u00fccken gedacht scheint. Das Teil reagiert auf Ber\u00fchrung, man bewegt keine Wippe. Soweit folgt es dem alten Muster. Aber die LED-Lampe schaltet sich nicht an, wenn man den Kreis ber\u00fchrt. Und &#8211;  sollte jemand sie zum Leuchten gebracht haben &#8211; schaltet sie sich auch nicht mit einem Fingerdruck ab.<\/p>\n<p>Das Ger\u00e4t reagiert auf die <em>L\u00e4nge<\/em> des Fingerdrucks. Je l\u00e4nger man ihn auf die Zeichnung h\u00e4lt, desto heller wird die Lichtquelle. Wenn eine gewisse Zeitspanne \u00fcberschritten ist, kippt die Kurve und schaltet die Lampe aus. Es braucht einige Zeit, bis man die on\/off-Routine erlernt hat. Genau betrachtet ist es gar keine solche Routine mehr, sondern die differenzierte Schaltung einer Anzahl unterschiedlicher Parameter. Einfacher als in der Elektronik ist die Entwicklung an Mischbatterien in der Dusche zu beobachten. Manche Ger\u00e4te bed\u00fcrfen einer Einschulung, bevor sich die Benutzerin dem Wasserstrahl aussetzt.<\/p>\n<p>Bei der Lekt\u00fcre von Dokumenten aus der 1. Republik bin ich auf den folgenden Satz gesto\u00dfen, den Otto Bauer in seiner Rede am letzten Parteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei im Oktober 1933 formuliert hat:<\/p>\n<blockquote><p>Wir wollen nach beiden Seiten, der Arbeiterschaft und der Regierung gegen\u00fcber, sagen: Grenzen gibt es; h\u00fctet euch, sie zu \u00fcberschreiten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Aus dem Zusammenhang gerissen, gewiss. Aber auch Anlass f\u00fcr ein theoretisches Update. Eine zeitgem\u00e4\u00dfe Fassung politischer Auseinandersetzungen kann sich ein Beispiel an der Multifunktionalit\u00e4t des Schaltsensors nehmen. Es kann nicht einfach um on\/off gehen. Sachgerecht ist die <em>Verbindung<\/em> von Funktionen, die einander ausschlie\u00dfen, mit solchen, die Ausschluss ebenso wie Einschluss modulieren. Das klingt, so dahin gesagt, wie leere Worte. Der Lichtschalter zeigt, dass es handgreiflich zu machen ist. Warum nicht in der Politik?         <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &#8220;Ein&#8221; oder &#8220;Aus&#8221; geh\u00f6rt zu den einfachsten Oppositionen, wie &#8220;ja\/nein&#8221; oder &#8220;offen\/geschlossen&#8221;. Das ist der Bereich &#8220;klarer Entscheidungen&#8221;, bis hin zu &#8220;Willkommenskultur&#8221; versus &#8220;Festung Europa&#8221;. Sicher, es gibt undichte Ventile und durchl\u00e4ssige Membranen. Aber mit einer Theorie der Wackelkontakte kann man nicht beginnen. 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