{"id":1684,"date":"2016-07-14T10:47:00","date_gmt":"2016-07-14T10:47:00","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1684"},"modified":"2018-11-15T08:51:58","modified_gmt":"2018-11-15T08:51:58","slug":"gratia-gratum-faciens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1684","title":{"rendered":"gratia gratum faciens"},"content":{"rendered":"<div align=\"center\">\n<a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?attachment_id=1685\" rel=\"attachment wp-att-1685\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1685\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/gratia.jpg\" alt=\"gratia\" width=\"400\" height=\"323\" \/><\/a>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im <a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1680\">vorhergehenden Beitrag<\/a> holt sich Andreas zur Orientierung \u00fcber die Fremden an unseren Grenzen Hilfe von h\u00f6chster Stelle, beim Gottesverh\u00e4ltnis der arabischen Mystikerin Rabi\u2019a. Es geht \u00fcber die irdischen Exklusionen hinaus und erf\u00fcllt sich in selbstloser Liebe zum ganz Anderen. Grundlos, einfach weil es so ist.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<blockquote><p>Aber langsam. Es gibt hier eine Vorentscheidung, n\u00e4mlich: Die \u00dcberwindung der Kluft zwischen mir und dem Au\u00dfenstehenden ist erstrebenswert und bedarf einer Abwendung von dem was mir allzu-nahe ist. Warum? Kann man diese Frage beantworten? Im Sinne von Rabi\u2019a m\u00fcsste man zur\u00fcckfragen: Warum liebt man jemanden und nur ihn? Da hilft \u2013 zun\u00e4chst \u2013 keine Liste von Gr\u00fcnden. Es passiert. <\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Auskunft provoziert, das wei\u00df Andreas gut, skeptische Bedenken. Mit einer &#8220;reinen Liebe&#8221; kann man nicht diskutieren. Darauf k\u00f6nnte man antworten, das sei kein <em>bug<\/em>, sondern ein <em>feature<\/em>. Bedenklich ist aber, zweitens, dass ohne Diskussion keine Politik m\u00f6glich ist und dass daher die Hilfe von oben notgedrungen appellativ wird. Ich steige die Stufenleiter der religi\u00f6sen Eskalation etwas hinunter und versuche das Thema mit einem scholastischen Motiv aufzunehmen. Thomas von Aquin hat sich mit der Frage besch\u00e4ftigt, wie die unermessliche Kluft zwischen Mensch und Sch\u00f6pfer zu \u00fcberbr\u00fccken sei. Das ist Teil seiner Lehre von der g\u00f6ttlichen Gnade [1. &#8220;Deinde considerandum est de divisione gratiae. Et circa hoc quaeruntur quinque. Primo, utrum convenienter dividatur gratia per gratiam gratis datam et gratiam gratum facientem. Secundo, de divisione gratiae gratum facientis per operantem et cooperantem. Tertio, de divisione eiusdem per gratiam praevenientem et subsequentem. Quarto, de divisione gratiae gratis datae. Quinto, de comparatione gratiae gratum facientis et gratis datae.&#8221; Thomas von Aquin, Summa Theologica, 2.Teil. Quaestio 111], nach der dieser Liebesvollzug nur durch g\u00f6ttliches Entgegenkommen m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Diese Sprache verleitet zum Schw\u00e4rmen. Es ist instruktiv, den Sachverhalt in der unnachahmlichen Trockenheit des katholischen Dogmatikers Joseph Bautz&#8217; (aus 1903) auszudr\u00fccken:   <\/p>\n<blockquote><p>Die gratia gratum faciens wird mit R\u00fccksicht auf ihre Wirkung in gratia habitualis und gratia actualis eingeteilt. Die erstere erteilt der Substanz der Seele eine dauernde \u00fcbernat\u00fcrliche Seinsweise (gratia sanctificans), den Seelenpotenzen aber \u00fcbernat\u00fcrliche F\u00e4higkeiten (virtutes infusae) zu \u00fcbernat\u00fcrlichem Handeln. [2. <a href=\"http:\/\/bit.ly\/29xnLIz\">http:\/\/bit.ly\/29xnLIz<\/a>]<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Grundidee besteht darin, dass Gott einen Vorschuss leistet, damit das Verh\u00e4ltnis zu ihm \u00fcberhaupt m\u00f6glich wird. Die Gottesliebe sollte man sich nicht so vorstellen, dass sich die Seele mit einem tollk\u00fchnen, selbstvergessenen Akt zu IHM aufschwingt, sondern als das Ergebnis einer Entwicklung, in der von einer Seite Liebe investiert wird, bevor es Gegenliebe geben kann. Das klingt unromantischer, als man es von Mystikerinnen gerne h\u00f6ren w\u00fcrde. Gott k\u00f6dert uns, um es respektlos zu sagen.<\/p>\n<p>Auf politische Zusammenh\u00e4nge bezogen ist der verminderte Enthusiasmus nicht unpraktisch. Man steht nicht mehr vor der Aufgabe, im Anderen das ganz Andere wahrzunehmen und als braver Teilnehmer am j\u00fcngsten Gericht Christus in jedem Fremden gesehen zu haben. Sondern man kann sich \u00fcberlegen, wo und inwiefern diese Strategie der Vor-Investition (&#8220;seed money&#8221;) Erfolg verspricht. <\/p>\n<p>Thomas hat Bedingungen ausget\u00fcftelt, unter denen mit dem ganz Anderen umgegangen werden kann. Wie sind sie auf den Umgang mit dem <del datetime=\"2016-07-14T09:38:22+00:00\">ganz<\/del> Anderen anzuwenden? <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Im vorhergehenden Beitrag holt sich Andreas zur Orientierung \u00fcber die Fremden an unseren Grenzen Hilfe von h\u00f6chster Stelle, beim Gottesverh\u00e4ltnis der arabischen Mystikerin Rabi\u2019a. Es geht \u00fcber die irdischen Exklusionen hinaus und erf\u00fcllt sich in selbstloser Liebe zum ganz Anderen. Grundlos, einfach weil es so ist.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13,14,15],"tags":[],"class_list":["post-1684","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik-2","category-savoir-vivre","category-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1684","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1684"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1684\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2148,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1684\/revisions\/2148"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1684"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1684"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1684"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}