{"id":1695,"date":"2016-09-08T10:33:58","date_gmt":"2016-09-08T10:33:58","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1695"},"modified":"2018-11-15T08:51:22","modified_gmt":"2018-11-15T08:51:22","slug":"situation-ereignis-ohne-pathos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1695","title":{"rendered":"Situation, Ereignis, ohne Pathos"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?attachment_id=1696\" rel=\"attachment wp-att-1696\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1696\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/ep3.png\" alt=\"ep3\" width=\"500\" height=\"264\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\nDer Tag begann mit einem Kapitel aus <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Sam_Gillespie\">Sam Gillespies<\/a> <a href=\"http:\/\/press.org\/books\/the-mathematics-of-novelty-badiou\u2019s-minimalist-metaphysics\/\">The Mathematics of Novelty: Badiou\u2019s Minimalist Metaphysics<\/a>[1. Eine kompromisslos kompakte Studie, die dem Autor, der sich 2003 umgebracht hat, 2005 ein Doktorat an der University of Warwick einbrachte.] \u00c4rger machte sich breit, denn diese Darstellung folgt den bedenklichsten Impulsen der Philosophie. In hyperabstrakten  Begriffen zelebriert sie ganz einfache Verh\u00e4ltnisse. Sie folgt darin Alain Badiou, der herk\u00f6mmliche Umst\u00e4nde &#8220;Situationen&#8221; nennt, die durch &#8220;Ereignisse&#8221; ersch\u00fcttert werden, und zur Analyse dieses Vorgangs &#8220;die Leere&#8221;. &#8220;das Sein&#8221; und &#8220;suture&#8221; heranzieht[2.  &#8220;Events &#8230; signal breaks in situations as such: they bring the void, with which any situation is sutured to being, to the fore.&#8221; a.a.O. S. 11]. Dann aber funktionierte mein Open Access Archiv <a href=\"http:\/\/sammelpunkt.philo.at\">Sammelpunkt<\/a> nicht mehr.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eine typische Situation, irgendwelche Abl\u00e4ufe im Server waren durcheinandergeraten. Es stellte sich heraus, dass der f\u00fcr das Archiv zust\u00e4ndige Webserver nicht lief und auch nicht neu zu starten war. Die Fehlermeldung war kryptisch [3. &#8220;error: Can&#8217;t use an undefined value as a HASH reference at \/opt\/eprints3\/perl_lib\/EPrints\/MetaField.pm line 252. Compilation failed in require at (eval 2) line 1.], jedenfalls ausserhalb meines Verst\u00e4ndnishorizonts. Ich brauchte Hilfe und wandte mich an <a href=\"http:\/\/www.eprints.org\/tech.php\/\">die Mailing List<\/a>, die zur technischen Unterst\u00fctzung f\u00fcr Betreiber der Software eingerichtet ist.[4. Die Abl\u00e4ufe sind im Listenarchiv unter dem Suchbegriff &#8220;apache fails to start eprints&#8221; dokumentiert.]<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.eprints.org\/uk\/\">Eprints<\/a> ist ein Open Source Projekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, die freie Zug\u00e4nglichkeit wissenschaftlicher Fachliteratur durch eine Webapplikation, welche die n\u00f6tigen Arbeitsabl\u00e4ufe unterst\u00fctzt, voranzubringen. Es handelt sich um ein Paket aus <a href=\"http:\/\/Perl-Scripts\">Perl-Scripts<\/a>, das seit 2000 entwickelt wird und mittlerweile eine betr\u00e4chtliche Komplexit\u00e4t erreicht hat. Man ist als Nicht-Programmierer auf fachkundige Hilfe angewiesen. Der Normalfall <strong>in solchen Situationen<\/strong> besteht darin, dass man f\u00fcr Unterst\u00fctzung zahlt.<\/p>\n<p>Stattdessen <strong>ereignete sich etwas<\/strong>, das mir den Atem verschlug. Das Hilfsansuchen war am 6.9. um 18:32 losgeschickt worden, am 7.9. um 08:52 erhielt ich die erste Antwort. Die Fehlermeldung stammt aus einem Kontext, der auf die Programmkonfiguration zugreift. Gibt es die dazu n\u00f6tige Datei \u00fcberhaupt? <\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?attachment_id=1697\" rel=\"attachment wp-att-1697\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1697\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/ep4.png\" alt=\"ep4\" width=\"500\" height=\"219\" \/><\/a><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>Ja, die Datei existiert und sogar zweimal. Das deutet darauf hin, dass zwei verschiedene Archive abgeboten werden. Aber das ist ein Irrtum. Eine der Konfigurationsdateien stammt aus einer Probeinstallation, die sich \u00fcberfl\u00fcssiger Weise im selben Verzeichnis wie &#8220;Sammelpunkt&#8221; befindet. Auch nach ihrer L\u00f6schung bestand das Problem allerdings weiter. Die n\u00e4chste Frage aus der Mailing List bezog sich auf ein Detail der Fehlermeldung[5.  Use of uninitialized value in concatenation (.) or string at (eval 90) line 13. Can&#8217;t use an undefined value as a HASH reference at \/opt\/eprints3\/bin\/..\/perl_lib\/EPrints\/MetaField.pm line 252.] Was steht in Zeile 13 der betroffenen Konfigurationsdateien? Dort war nichts Auff\u00e4lliges zu finden. Ein mulmiges Gef\u00fchl beschlich mich. Um 10:26 erreichte mich die Mail eines Kollegen an der Universit\u00e4t Wien, der pers\u00f6nliche Hilfe anbot. Am Nachmittag meldete sich ein italienischer Informatiker mit Ratschl\u00e4gen, doch die empfohlenen Tests ergaben, dass die gesamte Installation korrekt konfiguriert war.<\/p>\n<p>Dann, ziemlich genau einen Tag nach dem ersten Hilfeansuchen, kam die Intervention eines weiteren Listenmitglieds[6. &#8220;Do you have now a clean &#8216;~\/archives\/&#8217;, i.e. containing _only_useful\/loadable archives?&#8221;] und brachte den Durchbruch. Ich hatte aus Platzgr\u00fcnden die im Archiv gespeicherten Dokumente auf eine eigene Festplattenpartition gelegt und den betreffenden Ordner von der Programminstallation aus verlinkt. Der Ordner hei\u00dft &#8220;archive&#8221; und in einem gedankenlosen Moment wurde er von mir noch f\u00fcr andere Ablagen verwendet. Der Webserver ist so jedoch so eingestellt, dass er die Inhalte dieses Ordners aufruft und sich zu starten weigert, wenn er dort etwas findet, das ihm nicht in den Kram passt.<\/p>\n<p>Man kann (danke Thomas Laucke) sagen, dass ein &#8220;Geistesblitz&#8221; diese Situation bereinigt hat. Aber das ist nicht die philosophische Pointe dieser Geschichte. Das Engagement wildfremder Menschen zur L\u00f6sung eines diffusen Problems (durch die Achtlosigkeit eines Amateurs verursacht), unbezahlt, in k\u00fcrzester Zeit, nur um der guten Sache willen, ist in emphatischem Sinn irregul\u00e4r. Es gibt keine Normalit\u00e4t, auf die sich die Betroffenen berufen k\u00f6nnen und dennoch erzeugen sie in ihrer Kooperation &#8211;  die weder vorweg geplant, noch eingefordert werden kann &#8211; einen Lichtblick. <\/p>\n<p>Das war das Ende des Tages, der mit Alain Badiou begonnen hatte. Soviel zu Situation und Ereignis in der zeitgen\u00f6ssischen Philosophie.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Der Tag begann mit einem Kapitel aus Sam Gillespies The Mathematics of Novelty: Badiou\u2019s Minimalist Metaphysics[1. Eine kompromisslos kompakte Studie, die dem Autor, der sich 2003 umgebracht hat, 2005 ein Doktorat an der University of Warwick einbrachte.] \u00c4rger machte sich breit, denn diese Darstellung folgt den bedenklichsten Impulsen der Philosophie. In hyperabstrakten Begriffen zelebriert<a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1695\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,11],"tags":[],"class_list":["post-1695","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienphilosophie","category-philosophie-klassisch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1695","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1695"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1695\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2146,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1695\/revisions\/2146"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1695"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1695"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1695"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}