{"id":1725,"date":"2017-03-15T16:42:53","date_gmt":"2017-03-15T16:42:53","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1725"},"modified":"2018-11-15T08:47:30","modified_gmt":"2018-11-15T08:47:30","slug":"nochmals-unter-der-oberflache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1725","title":{"rendered":"nochmals unter der Oberfl\u00e4che"},"content":{"rendered":"<div align=\"center\">\n<a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?attachment_id=1726\" rel=\"attachment wp-att-1726\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1726\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2013-09-03-15.32.41.jpg\" alt=\"2013-09-03 15.32.41\" width=\"400\" height=\"300\" \/><\/a>\n<\/div>\n<p>Am 14.3. brachte der ORF im Morgenjournal eine Reportage \u00fcber die Stimmung im t\u00fcrkischen Milieu am Brunnenmarkt. Anlass war der Konflikt \u00fcber die Aussperrung t\u00fcrkischer Politiker (m\/w) in den Niederlanden. Alle interviewten M\u00e4nner argumentierten gegen solche Verbote und es ist lehrreich, ihre Gr\u00fcnde zu h\u00f6ren.[1. Die Logik des Stammtisches ist nat\u00fcrlich nicht auf dieses Beispiel beschr\u00e4nkt.] Es geh\u00f6rt zum Thema der beschwerdelosen Oberfl\u00e4che und der untergr\u00fcndigen &#8220;strukturellen Gewalt&#8221;, der sie unversehens unterliegt.[2. Vgl. die Eintr\u00e4ge <a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1713\">plain text<\/a> und \u201c<a href=\"http:\/\/carefree usage by hiding complexity\">carefree usage by hiding complexity<\/a>\u201d.]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[podloveaudio src=&#8221;http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/oe1-14.3.mp3&#8243;]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Einige \u00dcberlegungen gehen leicht und sind nicht falsch.<\/p>\n<ul>\n<li>Alle sollten zusammenarbeiten, ohne Verbote.<\/li>\n<li>Das sei doch alles &#8220;politisch&#8221; motiviert.<\/li>\n<li>Jeder soll seine Meinung \u00e4u\u00dfern d\u00fcrfen.<\/li>\n<li>Die heimische Presse w\u00fcrde vieles verdrehen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Doch vor dem Hintergrund der Kritik an hiesigen Verboten werden auch problematische Konsequenzen gezogen.<\/p>\n<ul>\n<li>Ein Au\u00dfenminister habe die Aufgabe, diplomatische Beziehungen im Ausland zu pflegen. (Ja, aber nicht Parteiwerbung zu betreiben.)<\/li>\n<li>Das Volk habe Erdogan gew\u00e4hlt, das habe der Rest der Welt zu respektieren. (Ja, aber es geht um einen Wechsel im politischen System.)<\/li>\n<li>Ganz Europa sei gegen die T\u00fcrkei.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In diesem Meinungsbild fehlt das Verst\u00e4ndnis, wie es zu den aktuellen Diskrepanzen kommt. Sie entstehen, weil Menschen mit Lebensschwerpunkten in zwei teilweise unterschiedlichen Staaten und Kulturen eine oberfl\u00e4chliche Version von liberaler Toleranz zum Ma\u00dfstab der Verurteilung niederl\u00e4ndischer (und \u00f6sterreichischer) Innenpolitik machen. Unter der d\u00fcnnen Schicht von Selbstverst\u00e4ndlichkeiten liegen gewaltige Problemfelder.<\/p>\n<p>Wie soll geregelt werden, dass ein Streitpunkt der Innenpolitik eines Staates zur Agitation seiner Politiker innerhalb eines <em>fremden<\/em> Staates Anlass gibt? Vor allem, wenn es der offiziellen Mehrheitsmeinung des betroffenen Staates zuwider l\u00e4uft. Erstreckt sich die Freiheit politischer Meinungs\u00e4u\u00dferung, die von einem Gemeinwesen institutionell zu sch\u00fctzen ist, auch auf alle Aktionen, die Vertreter dieses Gemeinwesens in einem anderen Staat durchf\u00fchren?<\/p>\n<p>Es scheint vern\u00fcnftig, wenn ein Staat festlegt, Asylwerber d\u00fcrften keine kontroversen Agenden ihrer Herkunftsstaates betreiben. Kurdische Migranten in Westeuropa d\u00fcrften z.B. nicht von au\u00dfen ethnisch radikalisiert werden. Wie stellt sich das f\u00fcr Doppelstaatsb\u00fcrger in einem Europa dar, das gerade dabei ist, sich auseinander zu entwickeln?<\/p>\n<p>Ein neuartiges Problem ist entstanden, an das man mit Oberfl\u00e4chlichkeiten nicht herankommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 14.3. brachte der ORF im Morgenjournal eine Reportage \u00fcber die Stimmung im t\u00fcrkischen Milieu am Brunnenmarkt. Anlass war der Konflikt \u00fcber die Aussperrung t\u00fcrkischer Politiker (m\/w) in den Niederlanden. 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