{"id":1740,"date":"2017-05-30T11:50:18","date_gmt":"2017-05-30T11:50:18","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1740"},"modified":"2018-11-15T07:26:35","modified_gmt":"2018-11-15T07:26:35","slug":"bbgb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1740","title":{"rendered":"Der spekulative Satz"},"content":{"rendered":"<div align=\"center\">\n<a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?attachment_id=1734\" rel=\"attachment wp-att-1734\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/spekulativ.png\" alt=\"spekulativ\" width=\"366\" height=\"225\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1734\" \/><\/a>\n<\/div>\n<p>Ontologische Themenstellungen, siehe etwa am Beginn von Alain Badious &#8220;Sein und Ereignis&#8221;[1. http:\/\/diaphanes.net\/buch\/detail\/3382], h\u00e4ngen an der Struktur von Aussages\u00e4tzen. Das liegt einfach daran, dass von &#8220;Seiendem&#8221; und &#8220;Sein&#8221; deshalb gesprochen wird, weil das Hilfszeitwort &#8220;sein&#8221; (idealtypisch) alle S\u00e4tze zusammenh\u00e4lt, in denen <em>etwas von etwas<\/em> gesagt wird. Wie stehen diese beiden &#8220;etwas&#8221; zueinander? Die Frage f\u00fchrt tief in die Philosophie.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Hegel zum Beispiel unterscheidet zwei Ausk\u00fcnfte. Auf der einen Seite steht die &#8220;Gewohnheit, an Vorstellungen fortzulaufen&#8221;. Dem Gegenstand, von dem im Satz die Rede ist, werden mehr oder weniger passende Eigenschaften beigelegt. Das reicht, auf der anderen Seite, f\u00fcr Philosophie nicht aus. Sie zielt auf das Wesentliche und sagt nichts Unn\u00f6tiges von ihren Themen. Ihre S\u00e4tze sind zwar gebaut wie g\u00e4ngige Aussages\u00e4tze, aber sie besitzen einen besonderen Duktus. Das Pr\u00e4dikat, das dem Subjekt hinzugef\u00fcgt wird, kommt ihm <em>von sich her<\/em> zu. Anliegen der Philosophie entfalten sich durch Spezifikationen, die sich als unausweichlich im Ausgangspunkt selbst angelegt erweisen. So etwas nennt Hegel einen <em>spekulativen Satz<\/em>.<\/p>\n<blockquote><p>Formell kann das Gesagte so ausgedr\u00fcckt werden, da\u00df die Natur des Urteils oder Satzes \u00fcberhaupt, die den Unterschied des Subjekts und Pr\u00e4dikats in sich schlie\u00dft, durch den spekulativen Satz zerst\u00f6rt wird, und der identische Satz, zu dem der erstere wird, den Gegensto\u00df zu jenem Verh\u00e4ltnisse enth\u00e4lt.[2. http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/-1656\/7]<\/p><\/blockquote>\n<p>Als ein Beispiel nennt Hegel &#8220;das <em>Wirkliche<\/em> ist das <em>Allgemeine<\/em>&#8220;. In eine Richtung gelesen wird damit ausgedr\u00fcckt, dass die Wirklichkeit allgemein [3. vielleicht kann man paraphrasieren &#8220;allgemein verbreitet&#8221;] sei. Doch ebenso gilt die Gegenrichtung: pr\u00e4zise das Allgemeine ist wirklich. Will sagen, dem Individuellen mangelt es an Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Derartige spekulative S\u00e4tze begegnen nach Badiou auch bei Parmenides und Leibniz. Die erste Meditation seines genannten Buches jongliert, im Anschluss an Platons &#8220;Parmenides&#8221;, mit der Behauptung &#8220;Das Sein ist das Eine&#8221;.[4. &#8220;L\u2019\u00eatre est l&#8217;un&#8221;] Badiou will zeigen, dass sich diese Spekulation im Kreis dreht. Wenn alles, was ist, eins ist, kann etwas, das nicht eins ist, nicht sein, und dann fehlt dem Sein <em>der Zugang<\/em>. Es ist, wie Parmenides sagt, in sich gerundet und vertr\u00e4gt keine Variation.<\/p>\n<p>Daraus schlie\u00dft Badiou, dass dieser spekulative Satz nicht zu halten ist. &#8220;Das Eine ist nicht.&#8221;[5. &#8220;l&#8217;un <em>n&#8217;est pas<\/em>&#8220;] Die Konsequenzen dieser &#8220;Entscheidung&#8221; sind ein anderes Kapitel. Zwei Vorkommen des spekulativen Satzes im nicht philosophischen Gebrauch werfen indessen ein Licht auf diese Konstruktion. <\/p>\n<p>Die erste Illustration ist ein Text von Konrad Bayer, &#8220;karl ein karl&#8221;. Die spektakul\u00e4ren drei Seiten [6. &#8220;Bayer formt endlose Wortschleifen deren Sinn man(n), wenn sie einen haben, bei der Schnelle und dem Rhythmus nicht wirklich erfassen kann. Beispielhaft, herrlich sinnentleert steht daf\u00fcr \u201eder Karl im Karl\u201c. Darin geht es ungef\u00e4hr etwa 20 Minuten darum, dass: der Karl, der erscheint mit Karl auf dem Karl, der vor dem Karl sich auf den Karl wirft, in den Karl hineingeht und neben dem Karl steht\u2026 (oder so \u00e4hnlich, mitschreiben hoffnungslos). http:\/\/kulturphorie.com\/?p=281. https:\/\/www.klett-cotta.de\/buch\/Gegenwartsliteratur\/Saemtliche_Werke\/4593] enden folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<blockquote><p>da tritt karl einfach aus karl raus und mit karl \u00fcber dem karl treten sie dann einfach gegen den eigenen karl.&nbsp;<br \/>\nentsetzt f\u00e4llt karl auseinander. &nbsp;<br \/>\nund im karl erscheint karl.<\/p><\/blockquote>\n<p>Was f\u00fcr eine gro\u00dfartige Retourkutsche [7. &#8220;Auf diesem Weg lie\u00df ich mich tragen, denn auf diesem trugen mich die vielverst\u00e4ndigen Stuten, den Wagen ziehend mit gewaltiger Kraft.&#8221; http:\/\/www.helmut-hille.de\/parmeni.html] auf die philosophischen H\u00f6henfl\u00fcge! Und in den &#8220;Niederungen&#8221; der Politik entspricht das dem Beitrag &#8220;donald ein donald&#8221;[8. https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=FVFdsl29s_Q]:<\/p>\n<div align=\"center\">\n[podlovevideo src=&#8221;https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/trump-trump.webm&#8221; type=&#8221;video\/webm&#8221; poster=&#8221;https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/trump-trump.png&#8221;]<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ontologische Themenstellungen, siehe etwa am Beginn von Alain Badious &#8220;Sein und Ereignis&#8221;[1. http:\/\/diaphanes.net\/buch\/detail\/3382], h\u00e4ngen an der Struktur von Aussages\u00e4tzen. Das liegt einfach daran, dass von &#8220;Seiendem&#8221; und &#8220;Sein&#8221; deshalb gesprochen wird, weil das Hilfszeitwort &#8220;sein&#8221; (idealtypisch) alle S\u00e4tze zusammenh\u00e4lt, in denen etwas von etwas gesagt wird. Wie stehen diese beiden &#8220;etwas&#8221; zueinander? 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