{"id":1794,"date":"2018-01-04T21:50:34","date_gmt":"2018-01-04T21:50:34","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=1794"},"modified":"2018-11-15T07:24:47","modified_gmt":"2018-11-15T07:24:47","slug":"es-wird-schon-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1794","title":{"rendered":"es wird schon werden"},"content":{"rendered":"<div align=\"center\">\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1821 size-medium\" src=\"https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_0730-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_0730-300x225.jpg 300w, https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_0730-768x576.jpg 768w, https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_0730.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Maria Kakogianni spricht Alain Badiou auf eine Besonderheit von Dialogen an[1. <a href=\"http:\/\/www.editions-lignes.com\/ENTRETIEN-PLATONICIEN.html\">Alain Badiou, Maria Kakogianni ENTRETIEN PLATONICIEN<\/a>]. Ihr Gelingen merkt man erst nach einem Zeitabstand &#8211; insofern unterscheiden sie sich von spontaner \u00dcbereinstimmung.<\/p>\n<p>A. Badiou stimmt zu und bezieht es auf Platons Dialoge. Sie zielen auf universale G\u00fcltigkeit und k\u00f6nnen nicht im Voraus angeben, auf welchen Wegen sie das Ziel erreichen.<\/p>\n<blockquote><p>Le dialogue est une op\u00e9ration temporelle, et c&#8217;est en ce sens que Platon, via Socrate, parle des &#8216;longs d\u00e9tours&#8217;. Car le mouvement de construction d&#8217;un point \u00e0 valeur universelle ne peut savoir d&#8217;avance par quels chemins particuliers il faudra passer. [2. Alle Zitate a.a.O., S. 60ff]<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Badiou spricht plastisch von den Umwegen, die n\u00f6tig sind, um von einem &#8220;frappanten&#8221; Ausgangspunkt (&#8220;une frappe \u00e9v\u00e9nementielle&#8221;) zu einem wertvollen Ergebnis zu kommen. Jeder Dialog organisiere sich im Anschluss an ein Ereignis, das die Teilnehmerinnen gemeinsam trifft. Am Anfang steht eine &#8220;axiomatische&#8221; Evidenz, von der zu einer zweiten, konstruierten Evidenz fortgeschritten wird.<\/p>\n<blockquote><p>En fait, le dialogue va toujours d&#8217;une \u00e9vidence \u00e0 une autre,<br \/>\nla premi\u00e8re axiomatique, la seconde construite. Toute<br \/>\nuniversalit\u00e9 est l&#8217;union construite d&#8217;une soudainet\u00e9 et<br \/>\nd&#8217;une patience.<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier also ein Merksatz: &#8220;<strong>Jede Allgemeing\u00fcltgkeit ist die konstruierte Einheit einer Pl\u00f6tzlichkeit und einer Langmut.<\/strong>&#8221; Klingt gut. Zur Inspiration geh\u00f6rt der Flei\u00df, sonst handelt es sich um eine Eintagsfliege. Aber Badious Bonmot erhebt einen gr\u00f6\u00dferen Anspruch. M. Kakogianni verweist auf die spektakul\u00e4ren Folgen, die ein &#8220;Ereignis&#8221; nach Badiou kennzeichnen, z.B. eine Revolution oder eine gro\u00dfe Liebe. In solchen F\u00e4llen w\u00e4re es interessant zu wissen, was zwischen Ersch\u00fctterung und langfristiger Perspektive liegt. Wie genau kommen sie zusammen? <\/p>\n<p>Politisch gesprochen denkt man an das Verh\u00e4ltnis vom Ausbruch einer revolution\u00e4ren Idee und ihrer Verstetigung. Mehrmals in meiner universit\u00e4ren T\u00e4tigkeit habe ich die Emphase einer AudiMax-Besetzung und das anschlie\u00dfende Versanden des Ansto\u00dfes erlebt. Die Theoretikerinnen der Revolution, gibt M. Kakogianni zu bedenken, haben sich von strategischen Fragen zur\u00fcckgezogen und widmen sich der <em>Idee<\/em> des Umbruchs. Wo findet sich ein Mittel, den anf\u00e4nglichen Impuls zusammen mit den Umwegen festzuhalten?  <\/p>\n<p>Badiou bezieht sich in seiner Antwort auf drei unterschiedliche Referenzsysteme:<\/p>\n<ul>\n<li>die platonischen Dialoge: pers\u00f6nliche Anstrengungen um verbindliche Einsicht<\/li>\n<li>die mathematische Axiomatik: geregelte Konsequenzen aus S\u00e4tzen, die ausser Streit gestellt sind<\/li>\n<li>den politischen Kampf benachteiligter und entrechteter gesellschaftlichen Gruppen: gesellschaftliche Umgestaltung nach Vorgabe einer z\u00fcndenden Idee<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die drei Bereiche folgen, das ist auf den ersten Blick zu sehen, inkommensurablen Regeln. Badiou gibt eine Metastruktur an, die f\u00fcr alle F\u00e4lle gelten soll. Sie ist bemerkenswert erbaulich. Ich paraphrasiere die Auskunft in schlichten Worten.<\/p>\n<ul>\n<li>Nur wenn die M\u00fche, aus Wahrheiten Konsequenzen zu ziehen, vergessen wird, kann das Resultat gef\u00e4hrlich werden.[3. &#8220;La logique du r\u00e9sultat n&#8217;est p\u00e9rilleuse que si elle perd de vue le travail des cons\u00e9quences qui conduit \u00e0 ce r\u00e9sultat.&#8221;]<\/li>\n<li>Wahrheiten sind nach strikten Regeln zu entwickeln und sind, weil damit etwas Allgemeines entsteht, ein Schl\u00fcssel zu jeder wahrhaften Freiheit.[4. &#8220;En fait, le processus d&#8217;une v\u00e9rit\u00e9 est \u00e0 la fois tout \u00e0 fait contraignant, n\u00e9cessairement disciplin\u00e9, et, parce qu&#8217;il produit de l&#8217;universel, la clef de toute libert\u00e9 v\u00e9ritable.&#8221;]<\/li>\n<li>Die Strategie ist schon im Resultat angelegt, die Taktik in der einzelnen Anstrengung vorgeformt.[5. &#8220;En ce sens, on peut dire que la strat\u00e9gie est figur\u00e9e par le r\u00e9sultat, cependant que la tactique est figur\u00e9e par le labeur partiel.&#8221;]<\/li>\n<li>Im wirklichen Leben ist ein Ergebnis eine aktive Folge aus der Wahrheit, von der ausgegangen wird. Es ist deren Synthese, seien es Wahrheiten der Liebe, der Politik oder aus anderen Bereichen.[6. &#8220;Dans le r\u00e9el, un &#8216;r\u00e9sultat&#8217; n&#8217;est jamais que la synth\u00e8se d&#8217;une s\u00e9quence active dela v\u00e9rit\u00e9 concern\u00e9e, qu&#8217;elle soit amoureuse, politique, ou autre.&#8221;] <\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Offenbarung validiert die Folgen, die uns die Offenbarung zug\u00e4nglich machen. Die Aufgeschlossenheit f\u00fcr die Offenbarung schafft die Bedingungen daf\u00fcr, dass die Offenbarung ankommt. Es wird versichert, dass das kirchliche Lehramt getreulich die Wahrheit der Menschwerdung Gottes aufbewahrt und weiterentwickelt. Badiou ein Pastoralapologet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Maria Kakogianni spricht Alain Badiou auf eine Besonderheit von Dialogen an[1. Alain Badiou, Maria Kakogianni ENTRETIEN PLATONICIEN]. 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