{"id":1938,"date":"2018-01-15T16:39:38","date_gmt":"2018-01-15T16:39:38","guid":{"rendered":"http:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1938"},"modified":"2018-11-15T07:24:37","modified_gmt":"2018-11-15T07:24:37","slug":"drei-konige-im-stimmbruch-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1938","title":{"rendered":"Drei K\u00f6nige im Stimmbruch (3)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1941 size-full\" src=\"https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/mpv-shot0002.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/mpv-shot0002.jpg 640w, https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/mpv-shot0002-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\">Ein Beitrag in drei Abschnitten:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #3366ff;\"><a href=\"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1836\">Der Stilwechsel<\/a><\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #3366ff;\"><a href=\"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1898\">Die Zwischenstufen<\/a><\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #3366ff;\">Das Stimmennetz<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Rap ist extrovertiert, das macht einen Hauptunterschied zwischen der \u00c4sthetik der Krippenspiele und der pointierten Inszenierung des Neuen aus. So gesehen ist es Geschmackssache, ob jemand auf (oftmals verlegene) Besinnlichkeit oder kecke Aufm\u00fcpfigkeit anspricht. Eine Bereicherung des Formeninventars sind die Rapversionen allemal. Es kommt &#8220;Schwung in die Sache&#8221;. Das f\u00fchrt zur\u00fcck zum Thema Modernisierung. Wer zahlt drauf beim Schwung? Ein Bedenken gegen die neuen T\u00f6ne verweist auf die Beschaffenheit religi\u00f6ser Erfahrung.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Im Sternsingerrap trifft ein Musikstil auf die biblische \u00dcberlieferung, man erinnert sich an &#8220;Jesus Christ Superstar&#8221;. Nur geht es aggressiver zu. Zum Rap geh\u00f6rt die distanzlose Anrede. Ein insistenter Wortschwall traktiert das Publikum. Anders als im openhaften Musical wird die Spannung nicht in melodischen B\u00f6gen ausgeformt. Sie h\u00e4mmert auf die H\u00f6rerinnen ein. Das hat, in Anwendung auf das Neue Testament, zwei fragw\u00fcrdige Folgen. Erstens sind es religi\u00f6se Motive, mit denen dem Publikum ein Loch in den Bauch geboxt wird, und zweitens erzielen derartige \u00dcberrumpelungen zwar hohe Aufmerksamkeitswerte, aber eine vergleichsweise kurze Halbwertszeit.<\/p>\n<blockquote><p>Wir kommen daher aus dem Morgenland<br \/>\nWir kommen gef\u00fchrt von Gottes Hand<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8220;Von Gottes Hand gef\u00fchrt&#8221; &#8211; wer traut sich das zu singen? Es ist eines, den Spruch im musikalischen Medium erinnernd zu zelebrieren und etwas anderes, ihn per Medienpaket auf den Monitor zu knallen. Zweifellos hat diese Performance ihre eigene Kraft. Sie geht aber auf Kosten von Freir\u00e4umen, die in eingespielten Ged\u00e4chtnisritualen der Kirche ge\u00f6ffnet werden. Die Unverbl\u00fcmtheit der Rapinszenierung, so ist in Diskussionen \u00fcber ihre nicht selten gewaltverherrlichenden und sexistischen Inhalte hervorgehoben worden, geh\u00f6rt zum Spiel. Die Umkehrung dieses Arguments zeigt eine Schwierigkeit f\u00fcr den Glaubensrap. Wer soll denn auf diese &#8220;Sendung aus dem Morgenland&#8221; ohne Bedenkzeit einsteigen? Rap produziert Wegwerfworte.<\/p>\n<p>Christlichen Liturgien eignet eine retardierende und eine progrediente Geste. Jesus ist dagewesen und wird uns beistehen. Wer die dazwischenliegende Aktualit\u00e4t \u00fcberspannt, riskiert Selbst-Herrlichkeit. Der Rap lebt von ihr, die Kirche muss sie integrieren. Ein Fachausdruck f\u00fcr das Ph\u00e4nomen ist &#8220;Charisma&#8221;, nennen wir es &#8220;z\u00fcndendes Auftreten&#8221;. Es geh\u00f6rt zu Popstars und schwingt in der suggestiven Rhythmik des Hip-Hop mit. Im Katholizismus ist Charisma nicht unbekannt, im Augenblick allerdings weniger exhibitionistisch. Eher so, wie der neugew\u00e4hlte Papst Franziskus auf den Balkon am Petersplatz tritt und die Menge mit &#8220;Guten Abend&#8221; begr\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p>Die Absicht dieser Einw\u00e4nde ist nicht, das Spiel zu verderben. Sie skizzieren ein Panorama der Sternsingeraktionen und pl\u00e4dieren daf\u00fcr,  die Lautst\u00e4rke der Gesangbeitr\u00e4ge gegeneinander abzuw\u00e4gen. Dazu geh\u00f6rt, dass an Stellen der Pegel \u00fcberschritten wird <em>und<\/em> dass sich das Fortissimo nicht verselbst\u00e4ndigt. Sternsingen bildet, das ist an den Videobeispielen h\u00f6rbar, ein Stimmennetz unterschiedlicher Tonarten. Der &#8220;Sitz im Leben&#8221; der Rapifizierung der Dreik\u00f6nigsgeschichte ist die langj\u00e4hrige Praxis der Gl\u00e4ubigen. Sie entscheiden; f\u00fcr die Zuseher im Internet bleibt die touristische Perspektive.<\/p>\n<p>Der Text f\u00fcr &#8220;Listen to the Kings&#8221; von  Nikodemus Wagner &#038; Philipp Grammel nimmt die Zuseherperspektive in die &#8220;message&#8221; hinein.<\/p>\n<blockquote><p>Du findest das peinlich? Mann, ich will was ver\u00e4ndern.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mir macht es Spa\u00df, Du gibst mir Geld, uns tun die F\u00fcsse f\u00fcr die gute Sache weh. <\/p>\n<blockquote><p>Trotz der Temperatur hab ich Spa\u00df da!<br \/>\nIch sing meine Lieder und du gibst mir Geld<br \/>\nMit schmerzenden Gliedern retten wir die Welt!<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Reaktionen auf die Aktion sind alle schon vorgesehen. \u00dcberzeugender formuliert es in <a href=\"https:\/\/youtu.be\/yeF0Zil9kdQ\">Sternsingen &#8211; Hilfe unter gutem Stern<\/a> der kleine Bub, der den Umzug seinem Gameboy vorzieht. <\/p>\n<p>[podlovevideo src=&#8221;https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/SternsingengutemStern.mp4&#8243; type=&#8221;video\/mp4&#8243; width=&#8221;560&#8243; height=&#8221;315&#8243; poster=&#8221;https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/\/gameboy.jpg&#8221;]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber der Erw\u00e4hnung der Peinlichkeit trifft einen wichtigen Punkt. Zum Sternsingen geh\u00f6ren zwei: die Gesangsgruppe und die Angesungenen an der Wohnungst\u00fcr. <em>Beide<\/em> sind Akteure. Verlegen in der T\u00fcr zu stehen ist auch eine Rolle in diesem Spiel. Der Sternsingerrap nimmt der Spendensammlung das flaue Gef\u00fchl, aber auch die Luft zum atmen. Das zwiesp\u00e4ltige Fazit lautet: <a href=\"https:\/\/youtu.be\/G64Aq6ooT5Y\">dder abschlie\u00dfende Clip<\/a> verdient mindestens ebensoviel Aufmerksamkeit, wie der Sternsingerrap, auch wenn er ohne ihn nicht ins Blickfeld geraten w\u00e4re. <\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[podlovevideo src=&#8221;https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/gesegnet.mp4&#8243; type=&#8221;video\/mp4&#8243; width=&#8221;560&#8243; height=&#8221;315&#8243; poster=&#8221;https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/mpv-shot0003.jpg&#8221;]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ein Beitrag in drei Abschnitten: Der Stilwechsel Die Zwischenstufen Das Stimmennetz &nbsp; Rap ist extrovertiert, das macht einen Hauptunterschied zwischen der \u00c4sthetik der Krippenspiele und der pointierten Inszenierung des Neuen aus. So gesehen ist es Geschmackssache, ob jemand auf (oftmals verlegene) Besinnlichkeit oder kecke Aufm\u00fcpfigkeit anspricht. Eine Bereicherung des Formeninventars sind die Rapversionen allemal.<a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=1938\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,8,15],"tags":[],"class_list":["post-1938","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienphilosophie","category-musik","category-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1938","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1938"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1938\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1964,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1938\/revisions\/1964"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1938"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1938"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1938"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}