{"id":219,"date":"2006-10-11T20:09:30","date_gmt":"2006-10-11T18:09:30","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/wordpress\/?p=219"},"modified":"2006-10-11T20:09:30","modified_gmt":"2006-10-11T18:09:30","slug":"pferdefuxdf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=219","title":{"rendered":"Pferdefuss"},"content":{"rendered":"<p>Lieber Herr Kollege:<\/p>\n<p>ich danke f\u00fcr Ihre sachbezogene Kritik an der Bologna-Umstellung der Universit\u00e4t Wien  und nehme sie zum Anlass, einige Eckpunkte (und Probleme) festzuhalten.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nVorweg nenne ich den organisatorischen Pferdefuss, an dem die Bologna-Umstellung an der Universit\u00e4t Wien hinkt und aus dem sich die von Ihnen genannten Einzelpunkte mehr oder weniger ableiten lassen. Er besteht in der Parallelf\u00fchrung der Institutionen SPL und curriculare Arbeitsgruppen. Diese sind vom Dekan (m\/w) vorgeschlagen und vom Rektorat bestimmt. Sie sind am &#8220;exekutiven&#8221; Fl\u00fcgel platziert, w\u00e4hrend andererseits die curricularen Arbeitsgruppen vom Senat eingesetzt sind und quasi legislative Aufgaben erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Was das konkret f\u00fcr Schwierigkeiten bringt, kann man aus Ihrem Votum gut ablesen. Seit Mai 2006 informiere ich Senat und die SPLs \u00fcber eine Verabredung zwischen Vizerektor Mettinger und mir, der entsprechend es einen zweistufigen Einreichprozess geben wird (Beilage). Offenbar ist das nicht bis zu den Mitgliedern des Lehrk\u00f6rpers gedrungen, aus denen sich die CK-AGs rekrutieren. Bei der Einsetzung der curricularen Arbeitsgruppe h\u00e4tten die entsprechenden Papiere eigentlich mitgeschickt werden sollen, aber da kann nat\u00fcrlich etwas verlorengegangen sein.<\/p>\n<p>Noch einige Bemerkungen zu von Ihnen angesprochenen Punkten:<\/p>\n<p>> Lassen Sie mich das an einem Beispiel erl\u00e4utern. Vor ungef\u00e4hr vier<br \/>\n> Wochen erhielt ich vom Bolognab\u00fcro zwei Texte: einen &#8220;akkordierten&#8221;<br \/>\n> Zeitplan (&#8220;roadmap&#8221; genannt) und ein laut Mail &#8220;vertraulich&#8221; zu<br \/>\n> behandelndes  Kompendium.<\/p>\n<p>Sie haben also von der Zweistufigkeit gewusst. Auf derselben Seite wird auch erl\u00e4utert, was das f\u00fcr einen Sinn hat und was von Ihnen erwartet wird:<\/p>\n<p>&#8220;In einem ersten Schritt wird der Rohentwurf eines Curriculums verfasst. Er enth\u00e4lt die gem\u00e4\u00df Mustercurriculum erforderlichen Eckdaten und die beabsichtigte Modulstruktur. Dabei k\u00f6nnen sich xDCberschneidungen und Koordinationsm\u00f6glichkeiten mit benachbarten Curricula ergeben.<br \/>\nDesiderata des Lehrimports und -exports werden sichtbar.&#8221;<\/p>\n<p>>  Aber  einseitig ver\u00e4nderte Zeitpl\u00e4ne und<br \/>\n> &#8220;vertrauliche&#8221; Papiere ohne jede Begr\u00fcndung des Woher und Wohin zur<br \/>\n> Richtschnur des eigenen Planungsverhaltens zu machen, erinnert mich eher<br \/>\n> an untergegangene B\u00fcrokratien als an offene Universit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Es wird in der Bologna-Planung  tats\u00e4chlich zu viel w\u00e4hrend des Prozesses ver\u00e4ndert und schlecht kommuniziert. Ich habe dazu am 2. Forum zur europ\u00e4ischen Studienarchitektur kritisch Stellung genommen. &#8220;Einseitig ver\u00e4nderte Zeitpl\u00e4ne&#8221; impliziert jedoch, dass es <em>eine<\/em> Seite g\u00e4be, die ver\u00e4ndert. Das ist in diesem Fall unzutreffend.<\/p>\n<p>> 1. Die Arbeitsplanung der CAG am Institut<br \/>\n> orientiert sich an der in der Zielvereinbarung mit dem Rektorat<br \/>\n> festgehaltenen Leitlinie, einen Planentwurf bis 20. Januar vorlegen zu<br \/>\n> k\u00f6nnen. Nun pl\u00f6tzlich wird im Widerspruch zu dieser verbindlichen<br \/>\n> Absprache verlangt, einen &#8220;Rohentwurf&#8221; schon im November vorlegen zu<br \/>\n> k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sie beziehen sich auf Gespr\u00e4che zwischen Rektorat und Dekanen (m\/w), die f\u00fcr die Senatsplanung nicht verbindlich sind (und die ich auch nicht kenne). Eine freundliche Deutung w\u00fcrde sagen: das Ziel ist der Umstieg 2007\/08, die Modalit\u00e4ten werden entwickelt &#8220;as we go along&#8221; und in Abh\u00e4ngigkeit von der anfangs genannten Parallelf\u00fchrung, die im Moment niemand \u00e4ndern kann.<\/p>\n<p>> 2. Das mir als noch &#8220;vertraulich&#8221; vorgestellte Kompendium reiht sich ein<br \/>\n> in die lange Reihe von Arbeitspapieren, die mehr oder weniger<br \/>\n> verbindliche Angaben zu den zu erstellenden Pl\u00e4nen beinhalten. Ist es<br \/>\n> inzwischen vom Senat best\u00e4tigt? Und wenn ja: in welcher Form? Ganz<br \/>\n> grunds\u00e4tzlich problematisch erscheint mir dabei die Grenzziehung<br \/>\n> zwischen formaler Synchronisierung und fachlicher Verantwortung.<\/p>\n<p>Sie steigen damit in eine Diskussion ein, die seit \u00fcber einem Jahr gef\u00fchrt wird. Die verschiedenen Arbeitspapiere und auch das &#8220;Kompendium&#8221; sind Versuche, allgemeine Richtlinien zu finden, die bei der Curriculargestaltung helfen, ohne sie fachlich zu pr\u00e4judizieren. Die xDCberg\u00e4nge sind flie\u00dfend und unterliegen kontroversen Einsch\u00e4tzungen. Ich illustriere am &#8220;Kompendium&#8221; die F\u00e4hrnisse dieses Unternehmens.<\/p>\n<p>Das Bolognab\u00fcro versucht, die in unterschiedlichen Diskussions- und Entscheidungsgruppen erzielten xDCbereink\u00fcnfte zu sammeln und in konsistente Form zu bringen. Das Kompendium ist das j\u00fcngste Beispiel dieser Arbeit. Ich wollte es bereits im Juli vom Senat beschlie\u00dfen lassen, das scheiterte daran, dass nicht alle Kontrollinstanzen rechtzeitig das gr\u00fcne Licht gaben. Dann legte ich das Papier vergangenen Donnerstag im Senat vor. Es wurde aus Zeitmangel nicht behandelt. N\u00e4chster Schritt: ich werde es in der Curricularkommission n\u00e4chsten Montag behandeln, nachdem ich diese Woche f\u00fcr Einspr\u00fcche von Seiten des Senats einger\u00e4umt habe. Mit etwas Gl\u00fcck nimmt der Senat am 23.11. das Ding dann positiv zur Kenntnis. Jedenfalls werde ich in einer Woche Bestimmteres sagen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Meine Aufgabe sehe ich nicht darin, die Unzuk\u00f6mmlichkeiten, die auch in meiner Antwort sichtbar werden, sch\u00f6nzureden. Allerdings denke ich, dass es Spielraum f\u00fcr Fehlerbeseitigung und produktive Curricularentwicklung gibt.<\/p>\n<p>In der Hoffnung, Sie daf\u00fcr gewinnen zu k\u00f6nnen,<\/p>\n<p>h.h.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lieber Herr Kollege: ich danke f\u00fcr Ihre sachbezogene Kritik an der Bologna-Umstellung der Universit\u00e4t Wien und nehme sie zum Anlass, einige Eckpunkte (und Probleme) festzuhalten.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[46],"class_list":["post-219","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hochschulpolitik","tag-bolo"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/219","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=219"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/219\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=219"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=219"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=219"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}