{"id":2551,"date":"2015-07-28T11:58:51","date_gmt":"2015-07-28T11:58:51","guid":{"rendered":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=2551"},"modified":"2019-04-11T12:04:53","modified_gmt":"2019-04-11T12:04:53","slug":"um-gottes-willen-was-ist-geschehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=2551","title":{"rendered":"Um Gottes Willen, was ist geschehen?"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/sbw.png\"><\/p>\n<p>Ein Film macht die Runde. Der deutsche Titel bezieht sich nicht auf Gott.<\/p>\n<blockquote><p>Freiluftkino im Weingut<br \/>\n=======================<\/p>\n<p>Freitag, 10. Juli 2015, bei Einbruch der Dunkelheit<\/p>\n<p>wir zeigen den Film &#8220;Monsieur Claude und seine T\u00f6chter&#8221;<\/p>\n<p>ab 19.30 Uhr gibts Kaiserspritzer und belegte Br\u00f6tchen<br \/>\nder Film startet mit Einbruch der Dunkelheit um ca. 20.45 Uhr<\/p>\n<p>Grosskrut &#8211; am Kellerberg<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Sehr verehrtes Kinopublikum!<\/p>\n<p>Mit einer franz\u00f6sischen &#8230; Kom\u00f6die startet der Filmclub in den Kinosommer.<\/p>\n<p>Monsieur Claude und seine T\u00f6chter<br \/>\nSamstag, 18. Juli 2015 &#8211; 21.00 Uhr im Hof des Kulturgasthauses Failler<\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p>Einen sch\u00f6nen Sommer w\u00fcnscht<br \/>\nder Filmclub Drosendorf<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Kino am Dach: Das Sommer Open-Air-Kino auf dem Dach der Hauptb\u00fcchereiMONSIEUR CLAUDE UND SEINE T\u00d6CHTER<\/p>\n<p>MONSIEUR CLAUDE UND SEINE T\u00d6CHTER<\/p>\n<p>FR 2014, 97 Min.<\/p>\n<p>Regie: Phillippe de Chauveron, mit Christian Clavier, Chantal Lauby, Fr\u00e9d\u00e9ric Chau, Fr\u00e9d\u00e9rique Bel, Julia Piaton, Medi Sadoun, u.a.<\/p>\n<p>Das Ehepaar Claude und Marie Verneuil lebt zufrieden in der Provinz und ist stolz auf seine vier sch\u00f6nen T\u00f6chter. Die lieben und verheiraten sich allerdings mit Vorliebe schr\u00e4g durch die Kulturen \u2013 zum Leidwesen des arg gebeutelten Papas. &#8230; Fazit: Vier Hochzeiten und viele Kulturschocks: Der Nummer-1-Hit in den franz\u00f6sischen Kinos begeistert mit radikalem Witz.<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eine entschiedene Gegenstimme zum Tenor dieses Films findet sich auf der franz\u00f6sischen Webseite <a href=\"http:\/\/www.lecinemaestpolitique.fr\/quest-ce-quon-a-fait-au-bon-dieu-2014-le-racisme-cest-rigolo\/\"><strong>Le cin\u00e9ma est politique<\/strong><\/a>. Der Rassismus des Mittelstands, so der Kommentar, werde Stichwortgeber f\u00fcr eine schier unersch\u00f6pfliche Abfolge oberfl\u00e4chlicher Witze. Die Botschaft sei im Endeffekt, dass sich die in den betroffenen Kulturen angelegten Rassismen gegenseitig neutralisieren um ein v\u00f6lkerverbindenes Wohlgef\u00fchl zur\u00fcckzulassen.<\/p>\n<p><strong>\u00ab Qu\u2019est-ce qu\u2019on a fait au bon Dieu ? \u00bb se limite \u00e0 d\u00e9crire le racisme dans sa forme la plus pu\u00e9rile comme socle tout \u00e0 fait acceptable d\u2019identification commune. \u00ab Tout le monde est un peu raciste \u00bb, comme le dit David, le gendre juif ; et tout le film s\u2019applique \u00e0 d\u00e9montrer que ce n\u2019est pas si grave, tant que cela reste dans des proportions acceptables. L\u2019Arabe ne tol\u00e8re pas le Juif (et vice-versa), les S\u00e9mites se m\u00e9fient des Chinois, qui leur rendent bien, et la haine du Blanc pour le Noir n\u2019a d\u2019\u00e9gale que celle du Noir pour le Blanc. Au final, tous les racismes s\u2019annulent et cr\u00e9ent la paix commune<\/strong>.<\/p>\n<p>Der Film ist schmerzhaft anzusehen, auch und gerade weil viele Pointen gleichzeitig zum Lachen und zum Weinen sind. Zudem finden sich schwer ertr\u00e4gliche Geschmacklosigkeiten. F\u00fcr einen Verriss ist er jedoch, bei aller Derbheit, zu schade. Er bietet ein Sittenbild der Heiterkeit des anvisierten Kinopublikums. Ich m\u00f6chte ausgehend von zwei Szenen darauf hinweisen, dass die kom\u00f6diantische Subversion des Rassismus, welche der Film anbietet, nicht unbedenklich ist.<\/p>\n<p>Ein L\u00e4nderspiel beginnt, das Stadion ist in Hochspannung; Nationalhymnen werden gespielt. Eine solche Zeremonie ist ein hervorgehobener Moment, der mit dem Gef\u00fchl patriotischer Verbundenheit einhergeht. Er verdient nicht, <strong>von vornherein<\/strong> zerlegt zu werden. Auch die Irritation, dass unten auf dem Feld einige Spieler stehen, die stumm bleiben, weil sie den Text nicht kennen, oder ihn nicht singen wollen, ist nicht ohne weiteres Bigotterie. Die emotionalen \u00d6konomie einer Bev\u00f6lkerungsgruppe hinkt dem letzten Stand der internationalen Entwicklung bisweilen hinterher.<\/p>\n<p>Bekannt ist nat\u00fcrlich auch, dass solche Irritationen schnell zu Aggressionen werden. Der Rassismus im Fussballstadium schl\u00e4gt immer wieder durch. Der Film de Chauverons spie\u00dft diese Fehlentwicklung auf. Er stellt dem Patriotismus Monsieur Claudes eine Groteske entgegen. <em>Der<\/em> Araber, erhebt sich, Hand aufs Herz, und stimmt die Hymne an. <em>Die<\/em> Frauen in der K\u00fcche trifft der Ruf zu den Waffen. Inzwischen haben <em>der<\/em> Jude und <em>der<\/em> Chinese eingestimmt, zu dritt schmettern sie mit demonstrativer Begeisterung die Marseillaise.<\/p>\n<p>\u200b<\/p>\n<pre><code>[videojs_video url=\"https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/\/2015\/07\/claude-mars.webm\"]<\/code><\/pre>\n<p>\u200bDie Szene setzt die sentimentale R\u00fchrung des Gaullisten dem Lachen aus. Sie schl\u00e4gt seine Voreingenommenheit mit der Waffe humorvoller \u00dcbertreibung. Das Besserwissen der aufgekl\u00e4rten Intelligenz leistet sich einen Spa\u00df und blamiert den Provinzler. Seine Empfindlichkeit ist l\u00e4cherlich, darum macht man sich \u00fcber sie lustig. Ein einseitiger Schwank.<\/p>\n<p>Ist das ein harmloses Vergn\u00fcgen f\u00fcr Sommerabende? Mag sein, doch mit einem geh\u00f6rigen Anteil ungenierter Destruktivit\u00e4t. Zwei Frauen, die Notarsgattin und ihre k\u00fcnftige schwarzafrikanische Schwiegermutter, besuchen den Kaplan, der die Trauung vornehmen soll. Unterwegs finden sie heraus, dass beide dieselbe Bibelstelle f\u00fcr die Zeremonie vorschlagen wollen. Hier spielt der Katholizismus die Rolle des unmittelbaren Einvernehmens. Und die Groteske zeigt den Priester, der seine Vorurteile nicht im Zaum halten kann. Ein billiger Schm\u00e4h auf Kosten des Klerus &#8211; und untergr\u00fcndig eine Schm\u00e4hung des religi\u00f6sen Volksempfindens.<\/p>\n<p>\u200b<code>[videojs_video url=\"https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/\/2015\/07\/claude-church.webm\"]<\/code><\/p>\n<p>Weder die Begeisterung f\u00fcr das Nationalteam, noch die Lekt\u00fcre von Bibelstellen, sollten gegen Persiflage gesch\u00fctzt werden. Sie ist ein wirksames Mittel im politischen Kampf. Mit Begeisterung verfolge ich Jon Stewarts &#8220;The Daily Show&#8221;((Jon Stewart verl\u00e4sst diesen Sommer das Programm. Er ist ein Held des Medienzeitalters.)), z.B. seine m\u00f6rderischen Attacken auf Donald Trump. Nach einer Folge solcher Sketches beschrieb er unl\u00e4ngst ihre Wirkung. Sie seien &#8220;incessant masturbation&#8221;, unabl\u00e4ssige Selbstbefriedigung, die Traurigkeit zur\u00fcckl\u00e4sst. Darum ist &#8220;Qu\u2019est-ce qu\u2019on a fait au bon Dieu ?&#8221; ein Film zum Weinen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Film macht die Runde. Der deutsche Titel bezieht sich nicht auf Gott. Freiluftkino im Weingut ======================= Freitag, 10. 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