{"id":2927,"date":"2020-08-21T12:06:54","date_gmt":"2020-08-21T12:06:54","guid":{"rendered":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=2927"},"modified":"2020-08-21T12:06:54","modified_gmt":"2020-08-21T12:06:54","slug":"eine-erleuchtung-uber-erlosung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=2927","title":{"rendered":"Eine Erleuchtung \u00fcber Erl\u00f6sung"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/erleuchtung-1024x575.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2929\" width=\"468\" height=\"262\" srcset=\"https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/erleuchtung-1024x575.jpg 1024w, https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/erleuchtung-300x169.jpg 300w, https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/erleuchtung-768x431.jpg 768w, https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/erleuchtung-1536x863.jpg 1536w, https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/erleuchtung-2048x1150.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 468px) 100vw, 468px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Momente, in denen philosophische Gedanken mich \u00fcberraschend treffen, sind selten. Unl\u00e4ngst, in einer Recherche \u00fcber <em>Wiederholung<\/em>, ist es passiert. Es ging um eine Spannung zwischen Alain Badiou und Michel de Certeau, die Andreas Kirchner in seiner Masterarbeit herausarbeitet. Das epochale &#8220;Ereignis&#8221; des ersteren tritt ohne Reminiszenzen auf, der Jesuit de Certeau greift in prek\u00e4rer Solidarit\u00e4t mit dem heilsgeschichtlichen Erl\u00f6sungsgeschehen auf all seine Etappen zur\u00fcck. Ein Beitrag von Louis Reimer von 1960 [1. &#8220;Die Wiederholung als Problem der Erl\u00f6sung bei Kierkegaard&#8221; https:\/\/tidsskrift.dk\/kierkegaardiana\/article\/download\/31465\/28926 ] wirkte wie ein Paukenschlag. Befreiung bedeutet f\u00fcr ihn unausweichlich: dem unterdr\u00fcckten Zustand ist einer vorhergegangen, in dem Freiheit <em>verlorenging<\/em>. Nur so konnte sein Zwang erfahren und \u00fcberwunden werden.    <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Der Begriff der Erl\u00f6sung beschreibt nach seinem Wortsinn den Vorgang der Befreiung von einer Bindung. Die Bindung, von der die Erl\u00f6sung befreit, ist in der M\u00f6glichkeit der Erl\u00f6sung als letztlich nicht notwendig erkannt: sie kann r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden. Damit ist zugleich ein Stadium vor der Gebundenheit vorausgesetzt, das Bedingung der m\u00f6glichen Erl\u00f6sung ist.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gedanke ist, m\u00f6chte man sagen, <em>gem\u00e4chlich<\/em> vorgetragen. Klassische Philosophie; es geht um Begriff, M\u00f6glichkeit, Voraussetzung, Bedingung der M\u00f6glichkeit. Aber er wirft ein Schlaglicht auf die Dynamik jeder Befreiungsbewegung. Sie kann sich nur auf Hoffnung berufen, wenn sie auf  (entt\u00e4uschte) Hoffnungen zur\u00fcckgreift. Ein Leben, das ausschlie\u00dflich Zwang kennt, ist aussichtslos. Das klingt wie eine begriffliche Spitzfindigkeit, doch es ist unbestreitbar. Selbst &#8220;pures Elend&#8221;  gibt es nur im Vergleich. Die Auflehnung dagegen ben\u00f6tigt fundierte Antizipationen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Die Erl\u00f6sung kn\u00fcpft r\u00fcckgreifend an eine vergangene Freiheit an, die in der Bindung verloren ging. Jedoch thematisiert der Begriff der Erl\u00f6sung nicht eigens dieses Zur\u00fcckholen der verlorenen Freiheit: die Erl\u00f6sung erl\u00f6st aus einer Bindung. Darauf liegt der Bedeutungsakzent. Es bedarf erst einer weite\u00adren Reflexion, die auf den Anfang der Bindung und damit auf deren Vorher rekurriert. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Befreiung ben\u00f6tigt, kurz gesagt, eine Vorvergangenheit. Es kann nicht gelingen, sie angesichts eines als verkommen qualifizierten Zustands  einfach aus dem Hut zu zaubern. Badiou, der die Bedingungen radikaler Neuheit ohne Transzendenz skizziert, ersetzt die Berufung auf eine Vorvergangenheit durch die Vorzukunft. Befreiung ist nicht zur\u00fcckbezogen, sie wird einmal gewesen sein, aus Treue zum Ereignis. Aber man kann einer Nullstelle nicht Treue halten. Badious Ereignisse setzen gelungene Ereignisse voraus. Andreas Kirchner wei\u00df mehr dar\u00fcber &#8230;   <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Momente, in denen philosophische Gedanken mich \u00fcberraschend treffen, sind selten. Unl\u00e4ngst, in einer Recherche \u00fcber Wiederholung, ist es passiert. 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