{"id":3195,"date":"2021-11-23T09:39:48","date_gmt":"2021-11-23T09:39:48","guid":{"rendered":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=3195"},"modified":"2021-11-23T09:54:12","modified_gmt":"2021-11-23T09:54:12","slug":"demokratisch-praktisch-gut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=3195","title":{"rendered":"demokratisch, praktisch, gut"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/dem-1024x740.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3186\" width=\"399\" height=\"288\" srcset=\"https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/dem-1024x740.jpg 1024w, https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/dem-300x217.jpg 300w, https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/dem-768x555.jpg 768w, https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/dem-1536x1110.jpg 1536w, https:\/\/quatsch.philo.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/dem-2048x1480.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 399px) 100vw, 399px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">wortgewaltig<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der &#8220;Mitbegr\u00fcnder, Herausgeber und Chefredakteur der Wiener Wochenzeitung Falter&#8221; schreibt w\u00f6chentlich drastisch formulierte Kommentare. In der Nummer 46\/12 S.5 gelten sie der Medienpolitik der Regierung. Das Vorhaben des Kanzlers &#8220;versinkt in der Kissenlandschaft seiner sonoren Artikulation&#8221; und sollte besser &#8220;nehammerisch gebellt oder sobotkinesisch gekl\u00e4fft&#8221; werden. Der Adressat der Botschaft ist ein &#8221; Volk von autorit\u00e4ren Charakteren, die es gewohnt sind, gsunde Watschn auszuteilen und einzustecken&#8221;. &#8220;Vertrottelung und Korrumpierung durch Digitalisierung&#8221; breitet sich aus; es reicht nicht, dagegen &#8220;autorit\u00e4r zu blaffen, jeder w\u00fcrde bald einen Seuchentoten kennen&#8221;. Soweit der dunkle Hintergrund, vor dem sich die helle Aussicht abzeichnen k\u00f6nnte. Nur leider: &#8220;Egal, wie die Akteure hei\u00dfen: sie verstehen es nicht, das Informationsspiel demokratisch zu spielen.&#8221; <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">wortkarg<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verglichen mit der blumigen Abwertung der Politiker f\u00e4llt die Charakterisierung demokratischer Politik knapp und volkst\u00fcmlich aus. Die Regierung Kurz h\u00e4tte &#8220;die Souver\u00e4nit\u00e4t ihrer Bev\u00f6lkerung&#8221; st\u00e4rken sollen, indem sie sich \u00fcberlegt &#8220;wie und wo sie Meinungsf\u00fchrerschaft antrifft&#8221;. Als Beispiel werden angef\u00fchrt: Sportvereine, Freiwillige Feuerwehren, Kirchen, Glaubensgemeinschaften, Schulen und so weiter.&#8221; &#8220;Zivilgesellschaft&#8221; sei der \u00dcberbegriff. Oder, noch eine Stufe allgemeiner, &#8220;was man ann\u00e4hernd mit \u00d6ffentlichkeit bezeichnet&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie st\u00e4rkt man die Souver\u00e4nit\u00e4t der \u00d6ffentlichkeit? Also des Agglomerats von Aufmerksamkeit erheischender Fakten, p.r Kampagnen, Falschmeldungen, Meinungen und Unterhaltungen denen die B\u00fcrgerinnen t\u00e4glich ausgesetzt sind. Das Insgesamt von Daten, das sich zum Beispiel auf den Mobiltelefonen in einer U-Bahngarnitur ausbreitet. Von &#8220;demokratisch&#8221; ist das weit entfernt. Es empfiehlt sich, dieser Bezeichnung sch\u00e4rfere Konturen zu geben. Zumindest w\u00e4re zu unterscheiden:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>&#8220;demokratisch&#8221; ist ein Verfahren, um Entscheidungen zu treffen. Die Summe der abgegebenen Stimmen z\u00e4hlt. Die Papstwahl des Kardinalsgremiums oder die Gewinnermittlung des europ\u00e4ischen Songkontests sind in diesem Sinn demokratisch.<\/li><li>&#8220;Demokratie&#8221; ist eine Verfassungsform. Sie enth\u00e4lt deutlich mehr, als geeignete Abstimmungsregeln, vor allem Vorkehrungen f\u00fcr das Zusammenwirken von Legislative, Exekutive und Judikatur. <\/li><li>&#8220;demokratisch zu spielen&#8221; ist ein handlungsleitendes Interesse. Ein Ensembel von Idealen, das sich der &#8220;Souver\u00e4nit\u00e4t der Bev\u00f6lkerung&#8221; verpflichtet sieht. Ein weites Feld, das sicherlich Korruptionsbek\u00e4mpfung und Transparenzgebote einschlie\u00dft. Das aber auch die souver\u00e4nen Kurz- und Kickl-W\u00e4hlerinnen (m\/w) enth\u00e4lt. <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Journalismus kann dazu beitragen, demokratische Spielregeln zu st\u00e4rken, wenn sein muss auch durch drastische Wortwahl. Doch die Passage am Ende der Meinungskolumne Armin Thurnhers ist ein schwindelerregendes Gemisch eindrucksvoll \u00fcberblendeter und bis zur Karikatur ausgereizter  Metaphern. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"> Wortschwall<\/h4>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Weder dem Weihrauch f\u00fcr Kurz noch den Nebelgranaten zur Verschleierung seiner politischen Verantwortung &#8230; haftet auch nur der Hauch eines Verdachts an, es sei ihm je um Klarheit gegangen. Wer aber noch Druck auf den selbstgeworfenen Nebel aus\u00fcbt, bettelt darum, dass sich irrationale Nebelgeister erheben.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Weihrauch und Nebelgranaten f\u00e4ngt es vielversprechend an. Beide Rauchbildungen passen zu &#8220;Verschleierung&#8221;. Dem Rauch haftet ein Hauch an? Na gut, wenn es die Luftbewegung und die Assonanz so wollen. Der Hauch ist allerdings auch anderw\u00e4rts besch\u00e4ftigt, er bildet mit dem Verdacht seine eigene Metapher. Der Hauch des Verdachts am Weihrauch der Verschleierung ist eine Metapher 3. Grades. Es kommt noch bunter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Person (der Nebelwerfer) \u00fcbt Druck auf den Nebel der Nebelgranaten aus und bettelt. Wie soll man sich das vorstellen? Welche politischen Umst\u00e4nde verdeutlicht dieses schr\u00e4ge Bild? Plausibel ist (vielleicht), dass <em>im Nebel<\/em> zus\u00e4tzlich Druck ausge\u00fcbt wird (&#8220;gebellt&#8221;, &#8220;gekl\u00e4fft&#8221;). Aber <em>auf den selbstgeworfenen Nebel<\/em> Druck auszu\u00fcben? Bitte nicht. Es ist, sagt Thurnher, ein Betteln um irrationale Nebelgeister. Aus sprachkritischer Sicht  werden sie durch eine \u00fcberhitzte Metaphernkompression freigesetzt. Die Polemik gegen den politischen Druck von Regierungsseite endet im \u00dcberdruck der Wortartistik. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Egal, wie die Akteure hei\u00dfen: sie verstehen es nicht, das Informationsspiel demokratisch zu spielen.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>wortgewaltig Der &#8220;Mitbegr\u00fcnder, Herausgeber und Chefredakteur der Wiener Wochenzeitung Falter&#8221; schreibt w\u00f6chentlich drastisch formulierte Kommentare. In der Nummer 46\/12 S.5 gelten sie der Medienpolitik der Regierung. Das Vorhaben des Kanzlers &#8220;versinkt in der Kissenlandschaft seiner sonoren Artikulation&#8221; und sollte besser &#8220;nehammerisch gebellt oder sobotkinesisch gekl\u00e4fft&#8221; werden. 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