{"id":327,"date":"2008-07-23T19:39:13","date_gmt":"2008-07-23T17:39:13","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=327"},"modified":"2008-07-23T19:39:13","modified_gmt":"2008-07-23T17:39:13","slug":"politik-und-vernetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=327","title":{"rendered":"Politik und Vernetzung"},"content":{"rendered":"<p>Angesichts der in \u00d6sterreich bevorstehenden Nationalratswahlen im September ist bei mir die Frage aufgetaucht, warum man eigentlich noch nicht auf die Idee gekommen ist, die neuen Vernetzungsm\u00f6glichkeiten des Internet politisch zu nutzen; zum Beispiel f\u00fcr Wahlen, zur Entscheidungsfindung, zur Transparenz von Regierungsbeschl\u00fcssen, zur Feinabstimmung (oder radikalen Verwerfung) von Parteiprogrammen, zum Dialog mit den Repr\u00e4sentanten, u.v.m.<\/p>\n<p>Ich habe deswegen eine kleine Google-Rundfahrt unternommen und bin dabei auf einige nette Sehensw\u00fcrdigkeiten gesto\u00dfen, die durch die Schlagworte &#8220;Politik 2.0&#8221;, &#8220;<a title=\"e-Democracy\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/E-Democracy\" mce_href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/E-Democracy\">e-Democracy&#8221;<\/a>, &#8220;<a href=\"http:\/\/www.demos-monitor.de\/index.php\/ergebnisse-der-studien-e-partizipation-und-e-inklusion-vorgelegt\/\" mce_href=\"http:\/\/www.demos-monitor.de\/index.php\/ergebnisse-der-studien-e-partizipation-und-e-inklusion-vorgelegt\/\">e-Partizipation&#8221;<\/a>, usw. bezeichnet werden. Die Links habe ich <a title=\"Linkliste Demokratie und Vernetzung\" href=\"http:\/\/wasistdemokratie.wordpress.com\/\" mce_href=\"http:\/\/wasistdemokratie.wordpress.com\/\">hier<\/a> deponiert. In diesem Artikel m\u00f6chte ich nur auf eine dieser Sehensw\u00fcrdigkeiten zu sprechen kommen, die direkt mit dem engen Kontext, in dem mir die Ausgangsfrage gekommen ist, zusammenh\u00e4ngen:<\/p>\n<p><b>PARTEI3:<\/b> F\u00fcr die kommende NR-Wahl in \u00d6sterreich wurde von Anonymen Benutzern (mutma\u00dflich Studenten) eine Initiative &#8220;Partei3&#8221; gegr\u00fcndet, die den Anspruch hat 1000 Mitglieder und 2000 Unterst\u00fctzungserkl\u00e4rungen zu sammeln, um mitregieren zu k\u00f6nnen. Das zun\u00e4chst Provokante: Die Partei3 hat weder Themen noch Wahlprogramm. Sie ist eine Art Leerstelle, die von den Mitgliedern (mit mindestens 10 EUR ist man dabei) mit Inhalten gef\u00fcllt werden kann. Dadurch kann jeder (mit Internetzugang und 10 EUR) (s)einen virtuellen Draht zur Politik verwirklichen, Projekte vorschlagen, sich selbst als Spitzenkandidat aufstellen lassen, kurz: Entscheidungen treffen, die Auswirkungen auf das \u00f6ffentliche Leben in \u00d6sterreich haben k\u00f6nnen (wenn man das unter Politik verstehen will). Partei3 versteht sich als &#8220;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Basisdemokratie\" mce_href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Basisdemokratie\">basisdemokratische<\/a>&#8221; Bewegung &#8211; h\u00f6rt man zwar gerne, braucht aber meiner Ansicht nach konkrete Umsetzungsvorschl\u00e4ge, um auf breiter Front akzeptiert zu werden. Dass so etwas &#8211; virtuell und wie Weber-Wulff in Hyperkult17 andeutet, auch mit Problemen &#8211; funktioniert, zeigt die Organisation von Wikipedia.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu Partei3: Was nach einer netten, basisdemokratischen Idee erscheint, k\u00f6nnte sich bei genauerer Betrachtung als zu wenig ausgereift herausstellen. Innerhalb von 60 Tagen (und ohne gro\u00dfe Vorbereitungen) soll eine Partei entstehen, die zun\u00e4chst einmal f\u00fcr &#8220;nichts&#8221; steht au\u00dfer dass sie die fixe Vorstellung hat, entweder einer Koalition mit Rot-Gr\u00fcn oder mit Schwarz-Gr\u00fcn als dritte Regierungspartei beizutreten (daher r\u00fchrt wohl der Name &#8220;Partei3&#8221;). Au\u00dferdem ist fragw\u00fcrdig, ob durch das Beantworten von vorgegebenen Fragen tats\u00e4chlich von Entscheidung gesprochen werden kann. Ein durchdachteres Entscheidungsfindungskonzept, das auf die Eigenheiten der Politik R\u00fccksicht nimmt und das sowohl von Software-Architekten, Designern, Juristen, Politikwissenschaftlern und nicht zuletzt: Philosophen beleuchtet wird, w\u00e4re als Experiment (das bei Erfolg skalierbar w\u00e4re) reizvoller.<\/p>\n<p>In einem der Kommentare auf der Homepage hei\u00dft es: &#8220;Wir sind am richtigen Weg, oder die Wege entstehen im Gehen &#8220;. Dem kann ich zustimmen. Eine einfache Idee kann schrittweise ausgebaut werden (ein Beispiel dazu: <a title=\"Podcast zu AbgeordnetenWatch.de\" href=\"http:\/\/netzpolitik.org\/2008\/netzpolitik-podcast-061-abgeordnetenwatchde\/\" mce_href=\"http:\/\/netzpolitik.org\/2008\/netzpolitik-podcast-061-abgeordnetenwatchde\/\">AbgeordnetenWatch.de<\/a>). Doch ein Bedenken muss ich anbringen: Will man Wege im Gehen entstehen lassen, kommt man sehr bald zu dem Begriff &#8220;Trampelpfad&#8221;. Um zu vermeiden, dass allein die Anzahl der abgegebenen Stimmen die Entscheidungen bestimmen, ist es notwendig, die im Netz entstandenen neuen Kommunikationsformen (Wiki, Blog, Content-Management-Systeme, SocialNetwork-Analysemethoden,Mischformen davon) sinnvoll zu benutzen. Dann n\u00e4mlich k\u00f6nnen Argumente durch \u00dcberlegung und Erfahrung gepr\u00fcft, kommentiert, vernetzt werden. Durch gezieltes Einsetzen der Webtechnologien wird ein \u00dcberblick &amp; eine Anylse der verschiedenen Standpunkte m\u00f6glich, und auch das kann noch <a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=278\" mce_href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=278\"><b>unverz\u00fcglich<\/b><\/a> kommentiert, angezweifelt, kritisiert werden, wodurch schlussendlich so etwas wie eine Ideenevolution sichtbar und nachvollziehbar wird. Nur durch Votings kommen diese Vorz\u00fcge des Virtuellen nicht voll zum Tragen.<\/p>\n<p>Es wird sich zeigen, wieweit die \u00f6ffentliche Kommunikation im Cyberspace gehen wird und welche Ausma\u00dfe sie annimmt. Bis dahin nehme ich mir vor, Nutzen und Nachteil aktueller und m\u00f6glicher Entwicklungen in diesem Kontext (aber nicht nur auf Politik bezogen) zu studieren, denn oft kann eine scheinbar &#8220;gute&#8221; Intention grausame Fr\u00fcchte treiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angesichts der in \u00d6sterreich bevorstehenden Nationalratswahlen im September ist bei mir die Frage aufgetaucht, warum man eigentlich noch nicht auf die Idee gekommen ist, die neuen Vernetzungsm\u00f6glichkeiten des Internet politisch zu nutzen; zum Beispiel f\u00fcr Wahlen, zur Entscheidungsfindung, zur Transparenz von Regierungsbeschl\u00fcssen, zur Feinabstimmung (oder radikalen Verwerfung) von Parteiprogrammen, zum Dialog mit den Repr\u00e4sentanten, u.v.m.<a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=327\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[35,45,68,142,191,199,203],"class_list":["post-327","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-netzwerke","tag-basisdemokratie","tag-blogologie","tag-e-demokratie","tag-politik","tag-vernetzung","tag-web-20","tag-wikis"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/327","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=327"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/327\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=327"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=327"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=327"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}