{"id":408,"date":"2008-12-08T16:40:07","date_gmt":"2008-12-08T14:40:07","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=408"},"modified":"2008-12-08T16:40:07","modified_gmt":"2008-12-08T14:40:07","slug":"mission-und-dialog-in-europa-andersrum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=408","title":{"rendered":"Mission und Dialog in Europa, andersrum"},"content":{"rendered":"<div class=\"zemanta-img\" style=\"margin: 1em; float: right; display: block;\">\n<div>\n<dl class=\"wp-caption\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/22131897@N02\/3092270082\/\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3052\/3092270082_128e47ca69_m.jpg\" alt=\"Resurrection\" title=\"Resurrection\"\/><\/a><\/dt>\n<dd class=\"wp-caption-dd zemanta-img-attribution\" style=\"font-size: 0.8em;\">Image by <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/22131897@N02\/3092270082\/\">AmahRa58<\/a> via Flickr<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><a href=\"http:\/\/www.egs.edu\/faculty\/badiou.html\">Alain Badiou<\/a> ist im Moment einer der prominentesten franz\u00f6sischen Philosophen. Eben erschienen ist sein <a href=\"http:\/\/www.diaphanes.de\/scripts\/buch.php?ID=135\">Worf\u00fcr steht der Name Sarkozy?<\/a>. Wenn man sich ansieht, wie er gegen die Konventionen der Mainstream Demokratie argumentiert, findet man eine ausgesprochen erl\u00f6sungstypische Rhetorik. Er ist missionarisch unterwegs.<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Die Illusionen ablegen&#8221; hei\u00dft kategorisch zu leugnen, da\u00df die Wahl eine echte Entscheidung ist. Es hei\u00dft, sie als organisierte Desorientierung zu erkennen, die dem Perso\u00adnal des Staats freie Hand gibt. Das ganze Problem ist dann, diese Illusion affirmativ zu verwerfen, das hei\u00dft: das Prin\u00adzip einer Orientierung des Denkens und der Existenz woanders zu finden. Zu diesem Zweck, um die Illusion als Illusion zu erkennen und sie zu verwerfen.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Es gibt eine in den Grunds\u00e4tzen falsche Welt, der wir durch einen Erkenntnisschub entkommen k\u00f6nnen. Er f\u00fchrt zu einer qualitativen Umwertung, durch die die &#8220;Arbeiter ohne Papiere&#8221; &#8211; die Ausgesto\u00dfenen dieses &#8220;saeculums&#8221; &#8211; ins Zentrum geraten.<\/p>\n<blockquote><p>Die Orientierung. Sie erfolgt auf Distanz zum Staat, also insbesondere au\u00dferhalb der Wahl. Ihre Sache ist es, noch nicht da Gewesenes im Realen zu konstruieren. Sie besteht in der Inkorporation in einen Wahrheitsproze\u00df, besonders bei der direkten politischen Organisation de\u00adrer, die hier aus der (falschen) einzigen Welt herausge\u00adhalten und in die \u00bbandere\u00ab Welt abgeschoben werden. Im Kern dieses aus der Welt exilierten Proletariats: die Arbei\u00adter ausl\u00e4ndischer Herkunft. Und im Kern dieses Kerns: die Arbeiter ohne Papiere.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Effekt ist eine Extase, eine \u00dcberschreitung und eine neue Wahrheit:<\/p>\n<blockquote><p>Das Subjekt-Werden ist das Ergebnis der als Orien\u00adtierung gedachten Inkorporation. Das menschliche Indi\u00adviduum, das Lebewesen, das darauf abgerichtet ist, an\u00adgesichts der Ware blo\u00df seine unmittelbaren Interessen zu kennen, macht sich zu einer Komponente des Wahrheits\u00adk\u00f6rpers neben anderen, und damit \u00fcberschreitet es sich als Subjekt.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Woran erkennt man denjenigen, der seine angebliche .,freie Individualit\u00e4t\u00ab, will sagen das Stereotyp, in dem er aufgel\u00f6st ist (denn was ist monotoner, was einf\u00f6rmiger als die \u00bbfreien\u00ab Individuen der Marktgesellschaft, die zi\u00advilisierten Kleinb\u00fcrger, die wie die Papageien ihre l\u00e4cher\u00adlichen \u00c4ngste wiederholen?), in der lokalen Festigkeit einer transindividuellen Wahrheit \u00fcberwindet?<\/p><\/blockquote>\n<p>Das in Aussicht genommene Ergebnis ist sicher attraktiv. Eine  <\/p>\n<blockquote><p>&#8230; \u00dcberzeugung, da\u00df es unendlich wichtiger ist, zusammen mit vier afrikanischen Arbeitern aus einem Heim, einem Studenten, einem chinesischen Handlanger aus der Textilbranche, einem Postler, zwei Vorstadt-Hausfrauen und ein paar Nachz\u00fcglern, ein Treffen zu organisieren, das die Verst\u00e4ndigung \u00fcber einen Punkt und, von den Pressionen des Staates unbeeindruckt, eine Dauer herstellen kann &#8211; um ein ihm selbst inkommensurables Unendliches wichtiger, als den Namen eines ununterscheidbaren Politikers in die staatliche Wahlurne zu werfen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dennoch ist das eine eigenartige Mischung aus Erweckungs-Mentalit\u00e4t und einer Sprache, die sicher kein Postler versteht. Also braucht Badiou einen Hochschullehrgang f\u00fcr Mission und Dialog in Europa?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Image by AmahRa58 via Flickr Alain Badiou ist im Moment einer der prominentesten franz\u00f6sischen Philosophen. 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