{"id":415,"date":"2009-01-07T16:00:28","date_gmt":"2009-01-07T14:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=415"},"modified":"2009-01-07T16:00:28","modified_gmt":"2009-01-07T14:00:28","slug":"vortrag-wie-man-wissenschaftliche-qualitat-beurteilen-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=415","title":{"rendered":"Vortrag: Wie man wissenschaftliche Qualit\u00e4t beurteilen kann"},"content":{"rendered":"<p>Heute, 07. J\u00e4nner 2009, 19:00 Uhr, HS 3D im NIG findet ein Vortrag von Falk Reckling, dem Leiter der Sozial-&amp;Geisteswissenschaftlichen Abteilung des FWF (Fonds zur F\u00f6rderung wissenschaftlicher Forschung) statt, in der er &#8211; so k\u00fcndigt der <a href=\"http:\/\/philo.at\/pipermail\/minerva\/attachments\/20081222\/aee28115\/attachment-0001.pdf\">Titel des Vortrags<\/a> zumindest an &#8211; \u00fcber Qualit\u00e4tsma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr wissenschaftliche Arbeiten spricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.phdcomics.com\/comics\/archive.php?comicid=538\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Paper-Piraterie\" src=\"http:\/\/www.phdcomics.com\/comics\/archive\/phd011005s.gif\" alt=\"\" width=\"263\" height=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p>Google sagt mir, dass Dr. Reckling etwas f\u00fcr die <a href=\"http:\/\/oa.mpg.de\/openaccess-berlin\/Berliner_Erklaerung_dt_Version_07-2006.pdf\">Open Access-Initiative<\/a> \u00fcbrig hat (<a href=\"http:\/\/science.orf.at\/science\/news\/136840\">ORF-Beitrag<\/a>), in einfachen Worten: Forschung, die von \u00f6ffentlicher Hand bezahlt wird, soll auch der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich sein.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.doaj.org\/\">Liste von Open Access Zeitschriften<\/a> (geordnet nach Fachbereichen)<\/li>\n<li>OAI-Suchmaschine (OAI: Open Archive Initiative) <a href=\"http:\/\/www.oaister.org\/\">OAIster<\/a> (Diese Art von Suchmaschinen vernetzen die verschiedenen OAI-Repositories basierend auf dem OAI-PMH-Standard, der daf\u00fcr sorgt, dass die Metadaten der einzelnen Artikel bei allen OAI-Repositories maschinenverarbeitbar sind)<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.scirus.com\/\">SCIRUS<\/a> (sucht auf &#8220;480 million science-specific Web pages&#8221;, also nicht nur auf OpenArchive-Repositories)<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/open-access.net\/de\/\">Open Access-Informationsplattform<\/a> (viele Links, gute Erkl\u00e4rungen)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Mal sehen, vielleicht initiiere ich einen Live-Blog oder berichte nachher \u00fcber interessante Punkte &#8211; sofern erkennbar.<\/p>\n<p><strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>UPDATE<\/strong>:<\/p>\n<p>Das Publikum war relativ schmal, wahrscheinlich wegen dem neuen Jahr ( ca. 20 Leute inklusive Vortragender,Universit\u00e4tsmitarbeiterInnen und OrganisateurInnen); ich habe ca. 5 studierende erkennen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der wichtigste Satz kam eigentlich schon am Anfang: Die Qualit\u00e4t der Wissenschaftlichen Arbeit muss nach Verfahren erfolgen, die nachvollziehbar, transparent und schwer manipulierbar sind. (Ich vermute, dass die Nachvollziehbarkeit &amp; Transparenz mit Manipulierbarkeit kontrahiert -&gt; hohe Transparenz \u00fcber das Auswahlverfahren -&gt; steigende M\u00f6glichkeit, das Verfahren zu manipulieren).<\/p>\n<p>Warum man \u00fcberhaupt Leistung in der Forschung messen will, wurde folgenderma\u00dfen begr\u00fcndet:<\/p>\n<ul>\n<li> Man kann etwas zur Rechtfertigung angeben, wie man \u00f6ffentliche Mittel verwendet (Ich denke, wenn die Publikationsstrukturen einfacher w\u00e4ren, k\u00f6nnten sich Geldgeber als auch Steuerzahler als auch die Forschercommunity selbst ein Bild von den Publikationen machen; viele Augen sehen manchmal besser als eine Zahl)<\/li>\n<li> Selektion, um Lobbyismus und nicht-wissenschaftliche Kriterien auszuschlie\u00dfen<\/li>\n<li> Orientierungsm\u00f6glichkeit f\u00fcr Studenten, Forscherinnen und Geldgeber (man kann nicht alle Publikationen lesen)<\/li>\n<li> Wettbewerb (Leistungsmotivierendes Umfeld)<\/li>\n<li> Reputation und Mittelvergabe f\u00fcr kompetente Forscher<\/li>\n<\/ul>\n<p>Danach kam eine Vorstellung der \u00fcblichen Verfahren, die man im Wissenschaftsbetrieb zur Beurteilung der Qualit\u00e4t von Publikationen normalerweise anwendet:<\/p>\n<ul>\n<li> Peer Review<\/li>\n<li>Metriken, speziell Bibliometrie (citation index)<\/li>\n<li>informed Peer Review (Die quantiativen Merkmale werden von Experten gewichtet)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Vortragende stellt fest (und folgt damit der Empfehlung des deutschen Wissenschaftsrates 2007), dass so etwas wie der citation index zur Zeit in den Sozial-&amp;Geisteswissenschaften nicht machbar ist, dass er aber den Angeh\u00f6rigen dieser Diziplin empfehlen w\u00fcrde, \u00fcber eine Adaptierung selbst\u00e4ndig nachzudenken. &#8220;Wenn die Geisteswissenschaftten das nicht selbst tun, dann wird es f\u00fcr sie gemacht&#8221; &#8211; und das k\u00f6nne negativ f\u00fcr alle Beteiligten sein.<\/p>\n<p>Auch die Gefahren von Leistungsfeststellungen wurden erw\u00e4hnt:<\/p>\n<ul>\n<li>zu viele Evaluationen -&gt; zu hoher Aufwand in Relation zum Nutzen<\/li>\n<li> Verabsolutierung  von quantitativen Faktoren (manche medizinische Zeitschriften geben den impact factors bis auf die vierte Kommastelle genau an)<\/li>\n<li>&#8220;dirigistische Eingriffe in den Forschungsalltag&#8221;, was die Forschungsfreir\u00e4ume einengt<\/li>\n<li>Strategiefallen: extensive Ausrichtung der Wissenschaftlerinnen an den Evaluationskriterien<\/li>\n<\/ul>\n<p>In der Diskussion wurde das Argument vorgebraccht, dass die quantitativen Ma\u00dfst\u00e4be nur f\u00fcr den Mittelma\u00df gelten w\u00fcrden. F\u00fcr Genies und die, die ganz unten sind, w\u00fcrden sie keinen Nutzen haben, was der Vortragende auch best\u00e4tigte.<\/p>\n<p>Also an sich ein solider Vortrag &#8211; nur leider ohne neuer Vorschlage und mit &#8211; sogar f\u00fcr mich &#8211; altbekannten Diskussionen \u00fcber die Sinnhaftigkeit von citation Index und impact factors in den Sozial- und Geisteswissenschaften oder in den Wissenschaften generell. Wie in sehr vielen Bereichen w\u00e4chst die Komplexit\u00e4t der Probleme, die wir zu bew\u00e4ltigen haben; man sucht Kriterien, und manchmal Algorithmen, mit denen man einerseits alle wichtigen Faktoren ber\u00fccksichtigen kann und andererseits f\u00fcr die \u00dcberpr\u00fcfung nicht das ganze Leben lang braucht. Das ist verst\u00e4ndlich. Die Frage ist, wenn die Algorithmen zu exakt definiert sind, werden viele Forscher nicht z\u00f6gern, ihre Publikationen auf diese Kritierien auszurichten und dann kommt es wohl sehr schnell zu der Situation, in der zwar die Kriterien eine gute Leistung indizieren w\u00fcrden, man beim Lesen aber einen anderen Eindruck bekommt &#8211; wenn man nicht bereits von den Kennzahlen hypnotisiert ist. Die Frage ist, ob es bei dieser Masse an Publikationen ohne Kennzahlen geht und wenn ja, wie sieht die Alternative aus? &#8220;Back to the roots&#8221; &#8211; das wird ohne Zusatz\u00fcberlegungen nicht gehen.<\/p>\n<p>Was mir gefehlt hat war die Frage, wie sich die Bewertungsmodelle und auch die Publikationssituation als Ganzes ver\u00e4ndern kann und wird angesichts des Open-Access-Ansatzes und der elektronischen Erschlie\u00dfung der Inhalte (Metadaten, Tags, &#8230;).<\/p>\n<p>F\u00fcr mich zeigt die Sokal-Aff\u00e4re einerseits, und der Vorfall bei der CSSE08 andererseits (es gibt ja noch mehrere \u00e4hnliche Beispiele), dass nicht allein die Geisteswissenschaften \u00fcber ihre Qualit\u00e4tsma\u00dfst\u00e4be nachdenken m\u00fcssen. Mein Pl\u00e4doyier f\u00fcr einen einfacheren Zugang zu den Publikationen (durch Internettechnologien) ist auch keine Garantie f\u00fcr h\u00f6here Qualit\u00e4t, jedoch kann ich mir schon vorstellen, dass der l\u00e4nder\u00fcbergreifende Community-Effekt positive Auswirkungen hat. Er k\u00f6nnte zumindest dazu f\u00fchren, dass die Arbeiten so geschrieben werden, dass sie nicht nur Expertinnen verstehen (manchmal l\u00e4sst sich das nicht vermeiden, aber tendenziell k\u00f6nnten \u00fcberm\u00e4\u00dfige Spezialisierungen &#8211; wo man gar nicht mehr wei\u00df, wie man das verstehen soll &#8211; vermieden werden). Die themenbezogene Gespr\u00e4chskultur in den Wissenschaften (und der Dialog mit der \u00d6ffentlichkeit) k\u00f6nnte zunehmen und die Bem\u00fchungen um die kleinste publizierbare Einheit unwichtiger werden lassen. Soweit zur Vision.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute, 07. 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