{"id":418,"date":"2009-01-11T18:57:05","date_gmt":"2009-01-11T16:57:05","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=418"},"modified":"2009-01-11T18:57:05","modified_gmt":"2009-01-11T16:57:05","slug":"faustisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=418","title":{"rendered":"faustisch"},"content":{"rendered":"<p>Das Unternehmen, ab dem Wintersemester 2009\/10 ein 3-j\u00e4hriges PhD-Studium einzurichten, ist Ende des vergangenen Jahres auf ein unerwartetes Hindernis gesto\u00dfen. Eine (im Entwicklungsplan der Universit\u00e4t Wien festgeschriebene) Neuerung hat den Unwillen der Fakult\u00e4ten f\u00fcr Chemie und Physik erregt. Dissertationsprojekte sollen in Zukunft einer Fakult\u00e4ts\u00f6ffentlichkeit vorgestellt werden, bevor die Studierenden eine Betreuung zugewiesen bekommen. Dagegen wurden patentrechtliche Bedenken vorgebracht.<\/p>\n<blockquote><p>Im Bereich der Physik und Chemie sind Doktorarbeiten, welche sich auf Projekte st\u00fctzen, bzw. durch diese finanziert werden, der Normalfall. Weiters werden diese Projekte bereits im Vorfeld von internationalen Fachgutachtern begutachtet und bewertet. &#8230; Weder ein DPSL (sic!) noch ein noch so klug zusammengesetzter Doktoratsbeirat k\u00f6nnen daher eine projektgest\u00fctzte bzw. projektfinanzierte Doktorarbeit kompetenter beurteilen als internationale Fachgutachter. &#8230; Auf diese Weise w\u00fcrden sich auch m\u00f6gliche patentrechtliche Probleme &#8230; vermeiden lassen.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist eine bemerkenswerte Passage. Sie schl\u00e4gt einen Bogen von Projekten, wie sie in den Naturwissenschaften \u00fcblich sind, zu deren internationaler Begutachtung und der damit mitgelieferten Qualit\u00e4t, die an der Universit\u00e4t Wien gar nicht mehr zum Thema werden sollte. Es wird so getan, als ob es nur Vorschl\u00e4ge g\u00e4be, die innerhalb der &#8220;scientific community&#8221; nach allgemeinen Standards gepr\u00fcft und finanziert w\u00fcrden. Verschwiegen wird dabei, dass es auch Dissertationsvorhaben gibt, die pragmatischer angelegt sind und gemischt akademisch-kommerziellen Interessen dienen.<\/p>\n<p>Wissenschaftler der genannten Fakult\u00e4ten haben Beziehungen zu Firmen, die Forschungsergebnisse zu Patenten machen (und damit der popul\u00e4ren Aufforderung nachkommen, Forschung und Wirtschaft zu verbinden). Paul A. David hat dazu in zwei Beitr\u00e4gen <a href=\"http:\/\/www-econ.stanford.edu\/faculty\/workp\/swp03011.pdf\">Can &#8216;Open Science&#8217; be Protected from the Evolving Regime of IPR Protections?<\/a> und <a href=\"http:\/\/philo.at\/wiki_stuff\/bw\/David-universities.pdf\">Innovation and Universities&#8217; Role in Commercializing Research Results<\/a> wichtige \u00dcberlegungen vorgelegt. Die Funktion der \u00d6ffentlichkeit, von der Andreas Kirchner im vorigen Beitrag schreibt, und das Interesse der Geheimhaltung sind nicht leicht vereinbar.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/philo.at\/wiki\/index.php\/Eigentum_(OSP)\">Etwas mehr dazu<\/a> in meiner Vorlesung. Inklusive eine <a href=\"http:\/\/philo.at\/wiki\/index.php\/Diskussion:Eigentum_(OSP)\">Recherche<\/a>, die eine sch\u00f6ne Pointe hervorhebt: <strong>Auch im kommerziellen Umfeld, wird eine literarische Einbettung nicht verschm\u00e4ht.<\/strong><\/p>\n<div align=\"center\">\n<img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-419\" title=\"faustuslogo\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/faustuslogo.jpg\" alt=\"faustuslogo\" \/>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Unternehmen, ab dem Wintersemester 2009\/10 ein 3-j\u00e4hriges PhD-Studium einzurichten, ist Ende des vergangenen Jahres auf ein unerwartetes Hindernis gesto\u00dfen. 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