{"id":496,"date":"2009-06-02T17:24:49","date_gmt":"2009-06-02T16:24:49","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=496"},"modified":"2009-06-02T17:24:49","modified_gmt":"2009-06-02T16:24:49","slug":"die-projektbuhne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=496","title":{"rendered":"Die Projektb\u00fchne"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>&#8220;Ich bin also der Meinung, die Probleme im Wesentlichen endg\u00fcltig gel\u00f6st zu haben. Und wenn ich mich hierin nicht irre, so besteht nun der Wert dieser Arbeit zweitens darin, dass sie zeigt, wie wenig damit getan ist, dass die Probleme gel\u00f6st sind.&#8221; <\/em>(Wittgenstein)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/controlling.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-497\" title=\"controlling\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/controlling.jpg\" alt=\"controlling\" width=\"310\" height=\"176\" \/><\/a><\/p><\/blockquote>\n<h3>Phase 1<\/h3>\n<p>Gestern habe ich mich mit einem Foliensatz von Projektmanagement gequ\u00e4lt, in der sehr detailiert das Vorgehen beschrieben wird, mit welchen Methoden und einzelnen Schritten man ein Projekt erfolgreich vom Anfang bis zum Ende bringen soll. Da gibt es den Projaktantrag, den Projektauftrag, die Vorbereitung der Planung, die Planung (mit Projekthandbuch), die Durchf\u00fchrung, das Controlling, das Projektmarketing, die Projektkoordination, usw. Gehen wir genauer ins Controlling; man kann es weiter unterteilen in: die Vorbereitung eines Workshops zum Controlling, die Durchf\u00fchrung des Workshops zum Controlling, die Besprechung des Workshops mit dem Auftraggeber, die Nachbereitung des Controllings und der Besprechung usw. Jeder dieser Schritte kann nochmals untergliedert werden in T\u00e4tigkeiten, die zu tun sind,\u00a0 Dokumente, die anfallen und Personenrollen, die daran beteiligt sind.<\/p>\n<h3>Irritation 1<\/h3>\n<p>Man k\u00f6nnte behaupten, die Probleme w\u00e4ren damit endg\u00fcltig und definitiv gel\u00f6st. Und nehmen wir an, es ist tats\u00e4chlich so. F\u00fcr alles, was in einem Projekt schiefgeht, gibt es ein Kapitel in einem Regelbuch das sagt, wie man es h\u00e4tte machen sollen. Doch das, was Projekte auszeichnet, ist ihre Einmaligkeit und die sich \u00e4ndernden Umst\u00e4nde. Es klingt ein bisschen paradox, Regeln anzugeben, wie man &#8211; f\u00fcr alle Projekte &#8211; bei einmaligen Bedingungen vorgehen soll. (Fairerweise muss man sagen, dass in den Regelb\u00fcchern angegeben ist, dass Planungsdokumente nur so detailliert angefertigt werden sollen wie man sie im Projektverlauf ben\u00f6tigt, um den Fortschritt zu &#8216;messen&#8217;. Wenn man das nicht tut, dann wird empfohlen, die Planung gar nicht so detailliert zu machen.) Eine Regel anzugeben ist etwas anderes als einer Regel folgen und einer Regel folgen hei\u00dft nicht, dass (a) jeder dieselbe Handlung daraus ableitet und (b) auch nicht, dass, unter allen Umst\u00e4nden dasselbe dabei herauskommt, selbst wenn alle dieselbe Handlung aus der Regel ableiten.<\/p>\n<h3>Phase 2<\/h3>\n<p>Dann lese ich heute den Foliensatz \u00fcber &#8220;Agiles Projektmanagement&#8221;, der meine Irritation kurz beruhigt: Hier wird von Flexibilit\u00e4t im Handeln, Reaktion auf sich stetig \u00e4ndernde Bedingungen gesprochen. Es geht nicht mehr um das sture Abarbeiten von Regelwerken, Methoden und Pl\u00e4nen, sondern: Holismus statt Reduktionismus; Kommunikation und Zusammenarbeit VOR Vertragsverpflichtung und Methodenzwang. Anstelle der Fernsteuerung der Untergebenen durch die Projektleiterin, tritt Vertrauen und Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen. Sie denkt sich in ihre Mitarbeiter hinein und versucht an ihren aktuellen Herausforderungen und Problemen teilzuhaben, trotzdem aber darauf zu achten, dass die Arbeit getan wird.<\/p>\n<h3>Irritation 2<\/h3>\n<p>Dann muss ich folgenden Satz lesen \u201eErlaubt ist alles, was den Erfolg des Projektes f\u00f6rdert und Risikopotenziale senkt!&#8221; Wow, so viel gleich? Wenn das kein Freiraum ist&#8230; Bei diesem Satz wird man vor die Tatsache gesto\u00dfen, in welchem Milieu sich ein Projekt (sagen wir im IT-Bereich) zu behaupten hat und dass am Ende etwas rausschauen muss; man hat einfach einen gewissen Druck.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund wird ein bisschen verst\u00e4ndlich, warum sich eine Sympathie f\u00fcr den kybernetischen Kreislauf von Planung-Kontrolle-Steuerung entwickelte: um sich abzusichern. Das hat in weiterer Folge aber zu sehr umfangreichen und unflexiblen Regelwerken gef\u00fchrt, die kaum mehr \u00fcberblickbar sind (Phase 1). Beim &#8220;Agilen Projektmanagement&#8221; m\u00f6chte man sich wieder &#8220;auf das Wesentliche&#8221; besinnen: Die beste Planung hilft nichts, wenn sich die Bedingungen ver\u00e4ndern; und das tun sie laufend. Irgend etwas Unvorhergesehenes passiert, das ist ja das Charakteristische (und auch Spannende) von Projekten. Es kann Teile geben, die eine gewisse Routine erfordern und wo Regelb\u00fccher helfen k\u00f6nnen. Doch dann gibt es Phasen im Verlauf eines Projekts, die zu Beginn nicht vorhergesehen werden k\u00f6nnen. Wenn diese Phasen eintreten, muss man sich Gedanken dar\u00fcber machen, wie man darauf reagiert. Man plant also on-demand, iterativ und f\u00fcr bestimmte F\u00e4lle; und setzt prim\u00e4r auf Kommunikation und Kooperation im Team.<\/p>\n<h3>Fragezeichen<\/h3>\n<p>Trotzdem bleibt, dass Projekte im Kontext einer bestimmten \u00d6konomie arbeiten, in der tlw. sehr hohe Erwartungen an das Projekt herangetragen werden. Leistungs- und Erfolgsdruck. Die Frameworks von &#8220;Agilem Projektmanagement&#8221; geben (mit R\u00fcckbezug auf Verhaltenspsychologie und Gruppendynamik) Hinweise f\u00fcr den Aufbau eines B\u00fchnenbilds, das die \u00e4ngstigenden Aspekte dieser Tatsache kaschiert (und das ist nicht unbedingt negativ). Das arbeitende Projektteam hat dadurch die M\u00f6glichkeit, sich auf die sachlichen Anforderungen und deren Umsetzung zu konzentrieren und nicht darauf, mit welchen Konsequenzen zu rechnen ist, wenn die Umsetzung l\u00e4nger dauert als geplant. Der Erfolg dieses B\u00fchnenbildes h\u00e4ngt einerseits von der F\u00e4higkeit der B\u00fchnenbildner ab. Andererseits von den Schauspielerinnen\/K\u00fcnstlern\/Software-Ingeneurinnen, die zweigespalten sind. Sie wissen einerseits, dass das ganze ein Schauspiel ist (letztlich geht es um gute Kritiken, wenn man der Metapher folgen will), genie\u00dfen es aber andererseits, zu spielen und sich v\u00f6llig auf ihre Rolle einzulassen.<\/p>\n<h3>Hintergrundinformationen<\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Projektmanagement\">Projektmanagement<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stakeholder\">Stakeholder <\/a><br \/>\nProjektcontrolling<br \/>\n<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Scrum_(development)\">Scrum<\/a> (Beispiel eines Vorgehensmodells f\u00fcr Agiles Projektmanagement)<br \/>\n<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/B%C3%BChne_(Psychodrama)\">B\u00fchne (Psychodrama)<\/a> &#8211; Eine weitere Bedeutung von B\u00fchne, die ich beim Schreiben des Artikels noch nicht gekannt habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Ich bin also der Meinung, die Probleme im Wesentlichen endg\u00fcltig gel\u00f6st zu haben. 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