{"id":541,"date":"2009-09-17T20:30:21","date_gmt":"2009-09-17T19:30:21","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=541"},"modified":"2009-09-17T20:30:21","modified_gmt":"2009-09-17T19:30:21","slug":"die-auserwahlten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=541","title":{"rendered":"Die Auserw\u00e4hlten"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>\u201eDarum nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat! Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im \u00dcberfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die \u00e4u\u00dferste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Z\u00e4hnen knirschen.\u201c \u2013 Mt 25,14-30<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich habe mich letzte Woche riskiert; einen ganzen Tag &#8211; von 08:30 bis 18:00 Uhr &#8211; in einem Seminarraum im Juridiucm. Dort fand ein Assessment Center statt. Es wurde durch verschiedenste Aufgaben abgefragt, ob man f\u00e4hig ist, F\u00fchrungspositionen zu \u00fcbernehmen und im Team zusammenzuarbeiten &#8211; oder: ob man ein Talent ist und ein halbes Jahr das Pers\u00f6nlichkeitsentwicklungsprogramm des <a href=\"http:\/\/www.uniport.at\/talentcircle\">Talent Circle<\/a> absolvieren darf. Da nur 12 Leute mitmachen durften, musste nach gewissen Kriterien ausgew\u00e4hlt werden &#8211; und das geschah an diesem Tag. Wert wurde dabei vor allem auf die Selbstdarstellung, \u00dcberzeugungskraft und Strukturierungsf\u00e4higkeit gelegt &#8211; und das in zeitkritischen Situationen. Anbei ein paar Einblicke dar\u00fcber, was ich dort erlebt habe und warum ich dort war.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich habe mich f\u00fcr den TalentCircle beworben, weil mich u.A. interessiert, welche Schwerpunkte Unternehmen bei der Auswahl von Nachwuchs-Leitungspositionen setzen und weil ich finde, dass man weder als Philosoph noch als Informatiker davor zur\u00fcckschrecken darf, sich \u00f6konomischen Kontexten auszusetzen; nicht um alles zu bejahen, sondern um seine Ideen einzubringen.<\/p>\n<p>Es war ein spannender Tag. Diese Art von direktem Feedback bekommt man im universit\u00e4ren Kontext viel zu selten. Nach jeder Aufgabe wurde von mindestens zwei Assessoren Feedback gegeben &#8211; in Sandwich-Manier: Ein bisschen etwas Positives, dann etwas Negatives (als &#8220;Lernfeld&#8221; umschrieben) und dann wieder etwas Positives. Damit man trotzdem mit einem guten Gef\u00fchl in die n\u00e4chste Aufgabe geht.<\/p>\n<p>Von den teilnehmenden Personen war ich beeindruckt. Manche gl\u00e4nzten durch perfekte Rhetorik und Eloquenz (vornehmlich waren das Juristen), andere durch einen extrem reichhaltigen Lebenslauf (diverse Auslandsaufenthalte, Praktika, Stipendien, soziales Engagement, fast jede Person studierte 2 Studieng\u00e4nge) oder Durchsetzungsverm\u00f6gen in der Gruppe. Man hat eigentlich das Vorurteil, dass dort nur glatte Egomanen sitzen, doch das m\u00f6chte ich &#8211; soweit man die Leute nach einem Tag kennen lernen kann &#8211; nicht unterschreiben. Die Teilnehmerinnen (Frauen waren mit 7 von 25 leider in der Minderheit) waren engagiert, hochmotiviert, zielstrebig, intelligent und wussten sich durchzusetzen. Das sind in vielen Situationen w\u00fcnschenswerte Eigenschaften, die au\u00dferdem in keinem notwendigen Zusammenhang mit den Eigenschaften selbstverliebt, unreflektiert oder machthungrig stehen. Das sind Dinge, die man fairerweise trennen sollte (Zugegeben: Ein bisschen be\u00e4ngstigend ist es schon, da man von der Uni oder im Alltag nicht gew\u00f6hnt ist, dass so viele motivierte Leute an einem Ort zu finden sind. Wenn man in \u00fcblichen Kontexten sich als motiviert versteht, dann ist das hier bestenfalls Standard).<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.personaler-online.de\/typo3\/uploads\/pics\/Assessment_Center_Reinzeichnung_915_02.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-542\" title=\"Assessment_Center_Reinzeichnung_915_02\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Assessment_Center_Reinzeichnung_915_02.png\" alt=\"Assessment_Center_Reinzeichnung_915_02\" width=\"602\" height=\"201\" \/><\/a><\/p>\n<p>Interessant war, dass die zeitliche Reihenfolge der Vorschl\u00e4ge und Beitr\u00e4ge mitdokumentiert wurde. Man bekam dadurch das Gef\u00fchl, als Erster etwas sagen zu m\u00fcssen, m\u00f6glichst penetrant und schnell zu sein. Man brauchte etwas, um sich von der Masse abzuheben. Wenn man dazu noch inhaltlich einen schl\u00fcssigen Beitrag abgibt und nicht einfach nur irgendwas sagt, ist man schon positiv vermerkt und kann mit gutem Feedback rechnen. Das \u00fcberrascht einem nicht weiter, da ja F\u00fchrungsleute gesucht werden, die eine kompetente Erscheinung ausstrahlen sollen und ihre Interessen durchsetzen k\u00f6nnen. Andererseits wurden Selbstdarstellungen, die zu arrogant wirkten, durchaus sanktioniert. Man wolle, wie einer der Assessoren beim Schlussfeedback erkl\u00e4rte, Personen, die gut zum eigenen Team passen w\u00fcrden, keine &#8220;einsamen W\u00f6lfe&#8221;. Dazu muss man erkl\u00e4ren, wie der Talent Circle finanziert wird.<\/p>\n<p>Uniport und Partners4 veranstalten diesen Talent Circle und bewerben ihn an der Universit\u00e4t. Partner-Unternehmen \u00fcbernehmen die Patenschaft der TalentCircle-Teilnehmer. Sie bezahlen Geld daf\u00fcr und veranstalten Workshops. Im Gegenz\u00fcg haben sie Studierende zur Verf\u00fcgung, an denen sie im Laufe des Curriculums (das ca. ein halbes Jahr dauert) in unterschiedlichen \u00dcbungs-Settings pr\u00fcfen k\u00f6nnen, ob sie geeignet sind, sich im Milieu des eigenen Unternehmens zurechtzufinden.<\/p>\n<p>Im Assessment Center erfolgte die Selektion der vielversprechendsten KandidatInnen. Diese 25 TeilnehmerInnen wurden bereits aus der Anzahl der BewerberInnen (ca. 150) ausgew\u00e4hlt. Im Prinzip ist es wie bei &#8220;Deutschland sucht den Superstar&#8221;, wo Dieter Bohlen in der Jury sitzt und \u00fcber die &#8220;Performance&#8221; der einzelnen Pers\u00f6nlichkeiten spricht. Ich empfand es aber fairer als bei Bohlen (das w\u00e4re ja noch sch\u00f6ner). Eine bis jetzt einmalige Erfahrung, die ich nicht missen m\u00f6chte. Ich werde Gelegenheit haben, mir einen intensiveren Eindruck davon zu verschaffen, da ich in die Menge der 12 &#8220;Talente&#8221; selektiert wurde. Was ich mir unter &#8220;Pers\u00f6nlichkeitsentwicklungsprogramm&#8221; vorstellen kann, wird sich zeigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDarum nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat! Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im \u00dcberfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die \u00e4u\u00dferste Finsternis! 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