{"id":660,"date":"2010-03-10T00:47:04","date_gmt":"2010-03-09T23:47:04","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=660"},"modified":"2010-03-10T00:47:04","modified_gmt":"2010-03-09T23:47:04","slug":"zur-raum-und-ressourcenfrage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=660","title":{"rendered":"Zur Raum- und Ressourcenfrage"},"content":{"rendered":"<p>Im Kontext der Debatte um Studienplatzfinanzierung und Zugangsbeschr\u00e4nkungen wird oft ein reziproker Zusammenhang zwischen Studierendenzahl und Qualit\u00e4t des Studiums hergestellt, etwa: Bei einem schlechten Betreuungsverh\u00e4ltnis kann man keine gute Lehre machen, darum sind Zugangsbeschr\u00e4nkungen notwendig. Das mag f\u00fcr gewisse Formate von Lehrveranstaltungen (etwa ganz krass bei \u00dcbungen ab dem zweiten Studienjahr des Medizinstudiums, nachdem ein Grundstock des Faktenwissens aufgebaut wurde und wo es um praktische Belange geht, die am Besten mit individueller Anweisung gelernt werden) zutreffen. Doch ein gro\u00dfer Teil von Zeit- und Geld-Ressourcen wird momentan verwendet, jedes Jahr dasselbe Programm durchzuziehen, v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von Studierendenzahl und aktuellen Entwicklungen, oder Wortmeldungen der Studierenden.\u00a0 Das ist gar keine Kritik am Inhalt sondern eine Frage, ob Lehrende einer Universit\u00e4t auf diese Art ihre Zeit und Energie verwenden sollten? (Man k\u00f6nnte b\u00f6se gesagt von Rationalisierungsma\u00dfnahmen sprechen; jedoch verl\u00f6re niemand seinen Job: Man h\u00e4tte mehr Zeit f\u00fcr so dringend ben\u00f6tigte Dinge, n\u00e4mlich individuelle Betreuung und Forschung bzw. forschungsnahe Lehrveranstaltungen)<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es gibt dieses Semester einen Kurs an der TU Wien \u00fcber <a href=\"https:\/\/tuwis.tuwien.ac.at\/zope\/_ZopeId\/68120303A4St.bg7jt0\/tpp\/lv\/lva_html?num=188339&amp;sem=2010S\">Security<\/a>. Der Lehrveranstaltungstyp ist recht gew\u00f6hnlich: Vorlesung mit \u00dcbung (VU). Jedoch wird der Vorlesungsteil ausschlie\u00dflich als Audio-Aufzeichnung bzw. als Foliensatz bzw. als Pflichtlekt\u00fcre zur Verf\u00fcgung gestellt. Studierende k\u00f6nnen sich das anh\u00f6ren bzw. durchlesen und das begleitende Lehrbuch zu Rate ziehen. Dann gibt es drei Modi der Leistungsbeurteilung:<\/p>\n<li>Zu drei Terminen im Semester werden einzelne Kapitel durchgenommen, wobei der Stoff von vorbereiteten Studierenden vorgetragen wird. Vor diesen Terminen tr\u00e4gt man online ein, f\u00fcr welche Kapitel man sich vorbereitet hat. Aufgrund der Studierendenzahl wird zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlt, wer vortr\u00e4gt.<\/li>\n<li>Es gibt zwei Pr\u00fcfungen &#8211; eine in der Mitte und eine am Ende des Semesters &#8211; die diesen Stoff zum Thema haben.<\/li>\n<li>Zus\u00e4tzlich sind etwa 8 \u00dcbungsbeispiele zu l\u00f6sen. (\u00dcbungsteil)<\/li>\n<p>Im Forum stellt jemand fest:<\/p>\n<blockquote><p>There was no lecture today. It looks like this is a lecture with exercises (VU) without any form of lecture.<\/p><\/blockquote>\n<p>Antwort:<\/p>\n<blockquote><p>The lecture-part is offered as recordings from a native speaker.<\/p>\n<p>Instead of the &#8220;classical&#8221; lecture, you might see it as a generalization, meaning you can &#8220;go&#8221; to the lecture when- and wherever you want.<\/p><\/blockquote>\n<p>In Zeiten, wo (Ein- und Mehrweg)-Kommunikation unter Abwesenden zentrale Bereiche unseres Lebens ber\u00fchrt, ist es auch angebracht, Konzepte der &#8220;klassischen&#8221; Vorlesung zu \u00fcberdenken. Einen Film produziert man auch nur einmal. Und wer w\u00fcrde behaupten, dass er &#8211; obwohl Millionen eine Kopie davon besitzen &#8211; an k\u00fcnstlerischer Qualit\u00e4t verlieren w\u00fcrde? Bei Vorlesungen ist der eingangs gestellte Zusammenhang jedenfalls &#8211; wenn man die aktuelle Praxis einiger Basislehrveranstaltungen voraussetzt &#8211; unhaltbar: Studienassistenten werden angestellt, um Lehrb\u00fccher zu exzerpieren und Foliens\u00e4tze zu erstellen. Lehrende lesen die Foliens\u00e4tze und sprechen Studierenden Fragmente von dem vor, was in den Lehrb\u00fcchern steht, w\u00e4hrend jede einzelne Studentin davon Notizen und Zusammenfassunen f\u00fcr sich schreibt, um die Pr\u00fcfung zu bestehen. Im schlimmsten Fall hat man nach diesen 4 Vermittlungen nur noch Bullet Points mit Zeichenketten. Warum also verleugnen, dass die Pr\u00e4senz eines Vortragenden und die Versammlung rund um diesen bei der gerade skizzierten Form von Wissensvermittlung aus Lehrb\u00fcchern nicht notwendig ist? Interesse und Beliebtheit von Vortragenden lie\u00dfen sich gut durch Downloadzahlen und Feedback (oder die ein oder andere R\u00fcckmeldung) in Foren oder Wikis erheben. Vielleicht zu gut? Auch Meinungen zur Qualit\u00e4t der Lehrveranstaltung lie\u00dfen sich leichter treffen, unabh\u00e4ngig von Zeit und Ort. Vielleicht zu leicht?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Kontext der Debatte um Studienplatzfinanzierung und Zugangsbeschr\u00e4nkungen wird oft ein reziproker Zusammenhang zwischen Studierendenzahl und Qualit\u00e4t des Studiums hergestellt, etwa: Bei einem schlechten Betreuungsverh\u00e4ltnis kann man keine gute Lehre machen, darum sind Zugangsbeschr\u00e4nkungen notwendig. 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