{"id":665,"date":"2010-03-25T09:05:59","date_gmt":"2010-03-25T08:05:59","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=665"},"modified":"2010-03-25T09:05:59","modified_gmt":"2010-03-25T08:05:59","slug":"665","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=665","title":{"rendered":"Der Handschuh"},"content":{"rendered":"<div align=\"right\">\n<a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Fingerzeig.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-664\" title=\"Fingerzeig\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Fingerzeig.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"309\" \/><\/a>\n<\/div>\n<p>Raphael E. Bexten beginnt seine <a href=\"http:\/\/sammelpunkt.philo.at:8080\/1928\/\">Rezension einer Heidegger-Dissertation<\/a> mit einem am\u00fcsanten Zitat:<\/p>\n<blockquote><p>\u00bb\u203aIch kenne Deinen muffigen mittelalterlichen Satz vom Widerspruch. <em>Esse et non-esse non possunt identificari.<\/em> [\u2026] Aber der gilt nur jetzt. [\u2026] Nur im Augenblick. Es kann auch anders sein. Eines Tages wird Dein <em>esse<\/em> und Dein <em>non-esse<\/em> zusammengehen wie [\u2026] die Hand in einen Handschuh.\u2039\u00ab<\/p><\/blockquote>\n<p>Und er stellt diese Behauptung einem Zitat aus Heideggers &#8220;Wegmarken&#8221; gegen\u00fcber:<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbVon der Metaphysik her begriffen (d. h. von der Seinsfrage aus in der Gestalt: Was ist das Seiende?) enth\u00fcllt sich zun\u00e4chst das verborgene Wesen des Seins, die Verweigerung, als das schlechthin Nicht-Seiende, als das Nichts. Aber das Nichts ist als das Nichthafte des Seienden der sch\u00e4rfste Widerpart des blo\u00df Nichtigen. Das Nichts ist niemals nichts, es ist ebensowenig ein Etwas im Sinne eines Gegenstandes; es ist das Sein selbst, dessen Wahrheit der Mensch dann \u00fcbereignet wird, wenn er sich als Subjekt \u00fcberwunden hat, und d. h., wenn er das Seiende nicht mehr als Objekt vorstellt.\u00ab (HEIDEGGER 2003, S.112f.)<\/p><\/blockquote>\n<p>Das Handschuh-Zitat beleuchtet, wenn man den Blickwinkel leicht korrigiert, die logischen Zusammenh\u00e4nge pr\u00e4zise. Der Satz vom Widerspruch schlie\u00dft aus, dass &#8220;sein&#8221; und &#8220;nicht sein&#8221; zusammen bestehen. Sie passen nicht zusammen. Wo ein Handschuh ist, kann nicht zugleich <em>kein<\/em> Handschuh sein. <strong>Und dennoch gilt auch:<\/strong> Sie passen <em>sehr wohl<\/em> zusammen, n\u00e4mlich wie Handschuh und Hand. Das eine ist das Komplement des anderen.<\/p>\n<p>Das ist die logischen Grundlage, die Heidegger mit sprachlichen Zaubereien ausman\u00f6vrieren will. Aus &#8220;nicht sein&#8221; wird Nichts und wo die Logik (nach Heidegger) nur Nichtiges ausmacht, wirkt das Nichts als Camouflage des Seins.<\/p>\n<p>Daran ist verst\u00e4ndlich, wohin schon der Handschuh weist. Im Rahmen der zweiwertigen Logik ist das Komplement einer Behauptung niemals unerheblich. Es ist im Gegenteil f\u00fcr ihr Funktionieren konstitutiv. Dar\u00fcber kann man weiter phantasieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Raphael E. Bexten beginnt seine Rezension einer Heidegger-Dissertation mit einem am\u00fcsanten Zitat: \u00bb\u203aIch kenne Deinen muffigen mittelalterlichen Satz vom Widerspruch. Esse et non-esse non possunt identificari. [\u2026] Aber der gilt nur jetzt. [\u2026] Nur im Augenblick. Es kann auch anders sein. Eines Tages wird Dein esse und Dein non-esse zusammengehen wie [\u2026] die Hand in<a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=665\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[186],"class_list":["post-665","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-philosophie-klassisch","tag-umstritten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/665","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=665"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/665\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=665"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=665"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/quatsch.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=665"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}