{"id":666,"date":"2010-04-14T11:32:54","date_gmt":"2010-04-14T10:32:54","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/?p=666"},"modified":"2010-04-14T11:32:54","modified_gmt":"2010-04-14T10:32:54","slug":"licht-ins-dunkel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=666","title":{"rendered":"Licht ins Dunkel"},"content":{"rendered":"<p>Parmenides ist <a href=\"in seinem Lehrgedicht\">in seinem Lehrgedicht<\/a> an eine Grenze gew\u00f6hnlicher Satzbildung gesto\u00dfen. In S\u00e4tzen wird einem Subjekt etwas zugesprochen. Irgendetwas <em>ist<\/em> blau, entfernt, in Entwicklung. Kann man denken (oder sagen), dass es etwas gibt, dem <em>keinerlei<\/em> Zuschreibung zukommt? Etwas, dem es eigen ist, dass ihm nichts zukommt? Sehr abgek\u00fcrzt und transformiert ausgedr\u00fcckt: Kann man vom Nicht-Seienden sagen, dass es ist?<\/p>\n<p>Die Konsequenzen w\u00e4ren tiefgehend. Es w\u00e4re unm\u00f6glich, &#8220;aus dem Sein zu fallen&#8221;. Die Gestalt unserer S\u00e4tze sieht keine prinzipielle Kehrtwendung vor. &#8220;So bleibt noch die Kunde des einzigen Weges: Das Sein ist.&#8221; Widerspruch zwecklos.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/gr451.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/phaidon.philo.at\/qu\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/gr451.jpg\" alt=\"\" title=\"gr45\" width=\"400\" height=\"326\" class=\"alignleft size-full wp-image-668\" \/><\/a><\/p>\n<p>Platon hat das Thema im &#8220;Sophistes&#8221; aufgenommen und Parmenides kritisiert. Bewegung ist eine Mixtur zwischen sein und nicht sein.<\/p>\n<blockquote><p>\nAlso ist ja notwendig das Nichtseiende (\u03c4\u1f78 \u03bc\u1f74 \u1f42\u03bd), sowohl an der Bewegung als in Beziehung auf alle andere Begriffe (\u03ba\u03b1\u03c4\u1f70 \u03c0\u03ac\u03bd\u03c4\u03b1 \u03c4\u1f70 \u03b3\u03ad\u03bd\u03b7).\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Platon schwindelt allerdings ein wenig. Zwischen &#8220;Sein&#8221; und &#8220;Nichtsein&#8221; besteht ein glatter, dualer Gegensatz, der sich sprachlich in der ja\/nein-Kontradiktion ausdr\u00fcckt. (Das ist der Ein-Aus-Schalter). So l\u00e4\u00dft sich niemals die Bestimmtheit einzelner Dinge beschreiben. Sie ist <em>differenziert<\/em>. Um die Verschiedenheit zu beschreiben, ben\u00f6tigt man einen anderen Gebrauch der Negation.<\/p>\n<blockquote><p>\n    GAST: Wenn wir Nichtseiendes sagen, so meinen wir nicht, wie es scheint, ein entgegengesetztes des Seienden, sondern nur ein verschiedenes. <\/p>\n<p>    \u1f41\u03c0\u03cc\u03c4\u03b1\u03bd \u03c4\u1f78 \u03bc\u1f74 \u1f42\u03bd \u03bb\u03ad\u03b3\u03c9\u03bc\u03b5\u03bd, \u1f61\u03c2 \u1f14\u03bf\u03b9\u03ba\u03b5\u03bd, \u03bf\u1f50\u03ba \u1f10\u03bd\u03b1\u03bd\u03c4\u03af\u03bf\u03bd \u03c4\u03b9 \u03bb\u03ad\u03b3\u03bf\u03bc\u03b5\u03bd \u03c4\u03bf\u1fe6 \u1f44\u03bd\u03c4\u03bf\u03c2 \u1f00\u03bb\u03bb\u1fbd \u1f15\u03c4\u03b5\u03c1\u03bf\u03bd \u03bc\u03cc\u03bd\u03bf\u03bd.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8220;enantion&#8221; ist der Gegensatz, &#8220;heteron&#8221; das Unterschiedliche. Am Gleitregler (im vorigen Beitrag) verdeutlicht hei\u00dft das: Auf einer Skala gibt es voneinander definit unterschiedliche Zust\u00e4nde, die alle im Bereich der Lichtst\u00e4rke angesiedelt sind. Noch so dunkel, noch so hell &#8211; alles ist Licht. Zweitens gibt es Strom oder nicht Strom, hell oder dunkel. S\u00e4tze sind eine Doppelkonstruktion. Sie unterliegen der Logik der Affirmation und Negation, und sie bestehen aus Satzformen, die auf diverse Inhalte verweisen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Parmenides ist in seinem Lehrgedicht an eine Grenze gew\u00f6hnlicher Satzbildung gesto\u00dfen. In S\u00e4tzen wird einem Subjekt etwas zugesprochen. Irgendetwas ist blau, entfernt, in Entwicklung. Kann man denken (oder sagen), dass es etwas gibt, dem keinerlei Zuschreibung zukommt? Etwas, dem es eigen ist, dass ihm nichts zukommt? 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