{"id":82,"date":"2004-09-21T19:28:15","date_gmt":"2004-09-21T17:28:15","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/wordpress\/?p=82"},"modified":"2004-09-21T19:28:15","modified_gmt":"2004-09-21T17:28:15","slug":"finno-ugristik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=82","title":{"rendered":"Finno-Ugristik"},"content":{"rendered":"<p>Die Universit\u00e4t Hamburg plant, nach dem Gutachten einer externen Kommission, bis zum Jahre 2012 die H\u00e4lfte ihrer geisteswissenschaftlichen Professorinnen-Stellen zu streichen. Der \u00d6sterreichische Gewerbveverein findet das eine gute Idee und schreibt nach einem Bericht der &#8220;Presse&#8221;:<\/p>\n<blockquote>\n<p font=\"-1\">\n&#8220;Der \u00d6sterreichische Gewerbeverein fordert \u00e4hnliche Richtlinien auch f\u00fcr \u00d6sterreichs Universit\u00e4ten. &#8220;Auch \u00d6sterreich w\u00e4re gut beraten, seine Uni-Landschaft auf arbeitsmarktkompatible Absolventen oder vermarktungsf\u00e4hige Erkenntnisse hin zu evaluieren&#8221;, erkl\u00e4rt der Gewerbeverein in einer Stellungnahme zum Hamburger Uni-Konzept.<\/p>\n<p>Als Beispiel f\u00fchrt der Gewerbeverein die Studienrichtung Finno-Ugristik an der Uni Wien an. Diese k\u00f6nnte man &#8220;mit Sicherheit&#8221; an einer Budapester Universit\u00e4t effektiver studieren als in Wien.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>a.o Univ.-Prof. Dr. PxE1l DerxE9ky schreibt dazu unter anderem:<\/p>\n<blockquote>\n<p font=\"-1\">\nKolleginnen und Kollegen: recherchieren Sie, bevor Sie Schmarren schreiben.  Schaun Sie wenigstens f\u00fcnf Minuten nach, bevor Sie &#8220;mit Sicherheit dies und das&#8221; schreiben. Ein Anruf h\u00e4tte gen\u00fcgt, um zu erfahren, dass Finno-Ugristik nicht nur ein (Magister)Studium bezeichnet, sondern ein Institut. An diesem Institut wird mehr angeboten, als ein Fach Finno-Ugristik (Info: www.univie.ac.at\/Finno-Ugristik) Bspweise Ungarisch Lehramt. Hier werden MittelschullehrerInnen f\u00fcr die Schulen der ungarischen Volksgruppe im Burgenland und \u00fcberhaupt, f\u00fcr Mittelschulen in Ost-\u00d6sterreich ausgebildet.  Und, stellen Sie sich vor, auch keinE AbsolventIn des Magister-Studiums Ungarische Literaturwissenschaft ist bis jetzt arbeitslos gemeldet.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Frau Univ.-Prof. Dr. Johanna Laakso merkt dazu an:<\/p>\n<blockquote>\n<p font=\"-1\">\nAuch der Gewerbeverein w\u00e4re gut beraten, sich &#8211; bevor er solche Statements abgibt &#8211; \u00fcber die T\u00e4tigkeit des Institutes f\u00fcr Finno-Ugristik und den Wissenschaftszweig als solchen informieren zu lassen. Unser Institut, das einzige seiner Art in ganz \u00d6sterreich, ist nicht nur f\u00fcr &#8220;Ungarisches&#8221; da, das man ja bequemer im Land der Pu\u00dfta und Paprika studieren kann (sollten demgem\u00e4\u00df alle unsere TurkologInnen in die T\u00fcrkei und alle unsere AnglistInnen nach Gro\u00dfbritannien und Amerika geschickt werden?). Auch nicht nur f\u00fcr zwei weitere EU-Sprachen, Finnisch und Estnisch, sowie das Kenntnis dieser L\u00e4nder und Kulturen, die ebenso in ganz \u00d6sterreich auf Universit\u00e4tsebene nur bei uns vertreten sind. Auch sind wir nicht nur f\u00fcr die Ausbildung von UngarischlehrerInnen da &#8211; diese Ausbildung geh\u00f6rt zu den sprachlichen Menschenrechten einer anerkannten alteingesessenen Minderheitsgruppe in \u00d6sterreich (sowie vieler Zugewanderten) und ist an unserem Institut in Form<br \/>\nder Studienzweig Lehramt Ungarisch etabliert. Dabei geht es um die Ausbildung f\u00fcr das Unterrichtsfach &#8220;Ungarisch als lebende Fremdsprache&#8221; an h\u00f6heren Bildungseinrichtungen, im Rahmen des \u00f6sterreichischen Bildungssystems &#8211; das keineswegs mit dem ungarischen kompatibel ist, so dass es von gro\u00dfer Ignoranz zeugt, zu meinen, man k\u00f6nne einfach Absolventen aus Ungarn einzuladen, die an Zahl zunehmen den Ungarischlernenden AHS, BHS etc.-Sch\u00fcler in \u00d6sterreich zu unterrichten.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Auf diese Entgegnung hat ein Herr Kainz vom Gewerbeverein die Chuzpe, seine                                                         Position so zu erl\u00e4utern:<\/p>\n<blockquote>\n<p font=\"-1\">\nErlauben Sie mir &#8211; sehr geehrte Frau Prof. Laasko, dass in der \u00d6GV-Aussendung der Begriff Finno-Ugristik mit jenem der xC4gyptologie durchaus austauschbar ist. Wobei ich verstehe, dass dies f\u00fcr Sie nicht einerlei ist!<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich steht der \u00d6GV zur Aussage, dass Unis &#8220;arbeitsmarktkompatible Absolventen ausbilden oder vermarktungsf\u00e4hige Erkenntnisse produzieren,&#8221; m\u00fcssen. Wo kein Markt ist, wird auch nichts abgenommen.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Nun gut, der Gewerbeverein versteht es nicht besser. F\u00fcr ihn ist zwischen Finno-Ugristik und xC4gyptologie kein Unterschied. Aber die Universit\u00e4tsleitung!? Schweigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Universit\u00e4t Hamburg plant, nach dem Gutachten einer externen Kommission, bis zum Jahre 2012 die H\u00e4lfte ihrer geisteswissenschaftlichen Professorinnen-Stellen zu streichen. 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