{"id":99,"date":"2004-11-12T09:15:33","date_gmt":"2004-11-12T07:15:33","guid":{"rendered":"http:\/\/phaidon.philo.at\/wordpress\/?p=99"},"modified":"2004-11-12T09:15:33","modified_gmt":"2004-11-12T07:15:33","slug":"anschauungsbeispiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quatsch.philo.at\/?p=99","title":{"rendered":"Anschauungsbeispiel"},"content":{"rendered":"<p>Ein sch\u00f6nes Anschauungsbeispiel f\u00fcr die neuen Rahmenbedingungen der Universit\u00e4tsentwicklung ergab sich gestern abends in einer Besprechung zwischen Angeh\u00f6rigen der Fakult\u00e4t f\u00fcr Philosophie und Bildungswissenschaft und Vizerektor Jurenitsch.<\/p>\n<p>In einer umstrittenen Aktion hatte Justizminister B\u00f6hmdorfer das Handelsgericht aus der Riemergasse im 1. Bezirk abgesiedelt und dem Finanzminister einen hohen Erl\u00f6s durch Verkauf des Geb\u00e4udes versprochen. Der war nicht zu realisieren. Die Bundesimmobiliengesellschaft blieb auf dem Objekt sitzen und bietet es der Universit\u00e4t zu g\u00fcnstigen Bedingungen zur Nutzung an.<\/p>\n<p>Es handelt sich um 15.000 Quadratmeter Nutzfl\u00e4che und Vizerektor Jurenitsch ist verst\u00e4ndlicherweise daran interessiert, die Gelegenheit zu ergreifen, um die Raumsituation der Universit\u00e4t zu konsolidieren. Das Problem ist allerdings, dass die Riemergasse &#8211; gemessen am Hauptgeb\u00e4ude und Campus &#8211; am anderen Ende der Innenstadt liegt, deutlich entfernt vom Zentralbereich der Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die Planspiele des Rektorats zur Besiedelung der Immobilie ergaben, dass dort die theologischen Fakult\u00e4ten, die Informatik und die Fakult\u00e4t f\u00fcr Philosophie und Bildungswissenschaften untergebracht werden k\u00f6nnten. Die P\u00e4dagogik hat akute Probleme mit ihrem Standort in der Garnisonsgasse, die evangelische Theologie solche mit ihrer Bibliothek und die Informatik w\u00fcnscht sich eine Konsolidierung ihrer verstreuten Lage. Der Plan des Vizerektors nimmt diese Schwierigkeiten zum Anlass, vier Fakult\u00e4ten in das g\u00fcnstig angebotene Haus umzusiedeln.<\/p>\n<p>\u00d6konomisch wird das wohl sinnvoll sein. Die theologischen Fakult\u00e4ten und die Philosophie und Bildungswissenschaft sind einm\u00fctig dagegen. In einer mehrst\u00fcndigen Besprechung machten sie Jurenitsch klar, was sie davon halten, als Dispositionsposten im Budget behandelt zu werden. Die Umsiedlung zwingt tausende Studierende zum Pendeln und zerreisst die Einbettung der betroffenen Wissenschaften in den Kontext der anderen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen. Er setzt ein Signal daf\u00fcr, dass Grundlagenforschung isoliert und externalisiert werden kann. W\u00e4hrend im Entwicklungsplan explizit die Unterst\u00fctzung von Grundlagenwissenschaften angef\u00fchrt wird, erschwert er ihre Integration mit anderen Teilen der Universit\u00e4t und beeintr\u00e4chtigt ihre Attraktivit\u00e4t f\u00fcr Studierende.<\/p>\n<p>Die Abl\u00e4ufe an der Universit\u00e4t werden derzeit nach einem neuen Management-Modell umgestellt. Nach &#8220;Eckpunkten&#8221; folgen &#8220;Richtlinien&#8221; und &#8220;Fragenkataloge&#8221;, dann werden &#8220;Leistungsvereinbarungen&#8221; abgeschlossen. Man kann \u00fcber dieses Verfahren geteilter Meinung sein, bemerkenswert am vorliegenden Fall ist die Tatsache, dass nichts davon zu sehen ist. Es wird \u00fcber die K\u00f6pfe der Belegschaft hinweg geplant, gerechnet und verf\u00fcgt.<\/p>\n<p>Wenn es darum geht, das Globalbudget optimal auszun\u00fctzen, sind Nettigkeiten wie die Erhebung real existierender Kooperationen, struktureller Nebenwirkungen oder die zeitgerechte R\u00fcckfrage bei Mitarbeiterinnen nicht vorgesehen. In den Aussendungen des Rektorates findet sich h\u00e4ufig die Aufforderung, aktiv an der Gestaltung der Universit\u00e4t mitzuwirken. Gemessen an der Veranstaltung gestern abends hat das folgenden Sinn: die Universit\u00e4tsangeh\u00f6rigen sollen akzeptieren, dass sie in Zukunft je nach der H\u00f6he des Mietpreises zwischen Geb\u00e4uden verschoben werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein sch\u00f6nes Anschauungsbeispiel f\u00fcr die neuen Rahmenbedingungen der Universit\u00e4tsentwicklung ergab sich gestern abends in einer Besprechung zwischen Angeh\u00f6rigen der Fakult\u00e4t f\u00fcr Philosophie und Bildungswissenschaft und Vizerektor Jurenitsch. In einer umstrittenen Aktion hatte Justizminister B\u00f6hmdorfer das Handelsgericht aus der Riemergasse im 1. Bezirk abgesiedelt und dem Finanzminister einen hohen Erl\u00f6s durch Verkauf des Geb\u00e4udes versprochen. 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