“Alternative Fakten” und Bruno Latour

trumpobama

Es wurde behauptet, dass es sich bei Donald Trumps Inaugurationsfeier um die größte Feier dieser Art gehandelt hat. Dagegen spricht das Foto, das zeigt, dass Obamas Publikum bei der Inaugurationsfeier wesentlich zahlreicher war als Trumps Publikum. Wie steht es nun um die Fakten? In diesem Eintrag soll der Versuch gemacht werden, diese Frage mit Bruno Latour, speziell seiner Ansicht zur “Kritik”, zu beantworten.


Sean Spicer, der Pressesprecher des White House hat kurz nach Trumps Inaugurationsfeier behauptet: “This was the largest audience ever to witness an inauguration, period, both in person and around the globe.” Nun kann man die Anzahl der Zuschauerinnen vor Ort messen, indem man Aufnahmen aus der Vogelperspektive vergleicht, die bei den Inaugurationsfeiern jeweils von Trump und von Obama gemacht wurden und sieht, dass Obamas Publikum wesentlich größer ist. Die “alternativen Fakten” besagen etwas anderes, nämlich dass es nicht so sehr darum gehe, was gesehen, sondern was emotional empfunden werde. “Die Welt besteht aus mehr als nur objekiven Fakten!” Gerade im Zuge einer Inaugurationsfeier sei es doch gewiss zulässig, dass man es nicht so genau nimmt, sondern sich treiben lässt vom Gefühl. Die Inaugurtionstorte, um die Argumentation an weiteren Beispielen zu illustrieren, ist ja auch zum überwiegenden Teil aus Styropor gewesen und man kann trotzdem “Torte” dazu sagen, ebenso wie man nicht so taktlos sein sollte, seinen Kindern in der Mall zu sagen, dass unter dem Bart des Weihnachtsmannes vielleicht eine prekäre Existenz steckt, wenn diese sich so sehr über Santa freuen. Auf dieser Grundlage kann der Spieß dann umgedreht werden, etwa indem man dem fragenden Reporter vorwirft, dass er die “wahren Fakten” nicht sieht.

Es ist durchaus denkbar, dass der Journalist entgegnet: “Aber, Fakten sind doch Fakten! Wir können nur über eine Form von Fakten sprechen und die sind nicht vereinbar mit Diskussionen; Tatsachen verhindern jede Diskussion im Vorhinein und wo diskutiert werden kann, handelt es sich (noch) nicht um Tatsachen.” Doch dieser aufklärerisch-kritischen Haltung des Reporters sei, so meint Bruno Latour, die Luft ausgegangen.

Die kritische Haltung der Wissenschaften, die lange Zeit dafür kämpften, (z. B. religiöse) Vorstellungen zu entkräften, stellt der Autor folgendermaßen dar:

“Wenn der naive Gläubige sich an seine Objekte klammert und behauptet, es seien seine Götter, seine Poese, seine Lieblingsobjekte, die ihn zum Handeln veranlaßten, dann kann man aus all diesen Bindungen Fetische machen und den Gläubigen demütigen, indem man zeigt, daß es sich um nichts handelt als um seine eigene Projektion, die Sie und nur Sie sehen können. Sobald aber der naive Gläubige etwas Mut zum Glauben an seine eigene Wichtigkeit, an seine eigene projektive Kapazität hat, verpasst Sie ihm einen weiteren Aufwärtshaken und demütigen ihn erneut, diesmal, indem Sie zeigen, daß sein ganzes Verhalten, was immer er denkt, durch die Tätigkeit mächtiger, ihm unbekannter Kausalitäten determiniert ist, die allein Sie der niemals ruhende Kritiker, sehen können.” (Latour 2007 38ff)

Der Tonfall, in dem diese Beschreibung vorgenommen wird, ist streng und polemisch. Naturwissenschaftler/innen würden sich wohl in dieser Darstellung ihrer Tätigkeit nicht wiederfinden und würden vielleicht annehmen, dass hier ein Dekonstruktivist am Werke ist, der die “zwei Kulturen” mehr auseinandertreiben als zusammenbringen will. Und doch, so wissen Latours Leser, setzt der Franzose sich genau umgekehrt sehr für einen Austausch besonders zwischen Naturwissenschaft (das Themengebiet, mit dem er sich am Anfang seiner Karriere vorwiegend beschäftigte) und den Sozialwissenschaften (der Bereich, den er in seinen späteren Werken immer mehr zu seinem Hauptanliegen gemacht hat) unter dem die beiden überspannenden Bereich der Politik (den Worten des Autors nach versteht er sich eher als politischer Philosoph als als Metaphysiker (Latour et al. 2011 30)) ein. Was soll also dieser polemische Tonfall? Vielmehr als das Anliegen des Autors, sich gegen diejenigen zu richten, die Fetische und Tatsachen streng getrennt sehen wollen, ist für die Wortwahl der genannten Textstelle die Überzeugung verantwortlich, dass die Methode der Kritik “über unklar gezogene Grenzen geschmuggelt wurde und der falschen Partei in die Hände geriet” (Latour 2007 16). Latours angriffige Beschreibung richtet sich also nicht gegen die Naturwissenschaften, sondern gegen diejenigen, die sich die Strategie der Kritik zu eigen gemacht haben, womit nicht nur die rationalen Wissenschaftsvorstellungen, sondern auch diejenigen gemeint sind, die durch diese kiritsiert werden. Die Grenze zwischen Natur- und Sozialwissenschaften wird hier um neunzig Grad gedreht und die neue Grenze verläuft zwischen denen, die noch (affirmativ oder negierend) auf Tatsachen pochen und denen, die diese, der Meinung des Autors nach, überkommene Strategie (zugunsten einer politischen Perspektive) verwerfen.

Als Beispiel gibt Latour die Strategie der Klimawandelskeptiker. Welche Mittel diese zur Verfügung haben, um eine solch kuriose Drehung notwendig zu machen, bringt der Begriff “brownlash” (vgl. Ehrlich et al. 1996) zutage. Dabei handelt es sich kurz gesagt um eine Strategie, durch den Hinweis auf die Konstruiertheit von Fakten möglichst lange Kontroversen geöffnet zu halten, deren Schließung zu ungewollten (etwa ökonomieschädigenden) Konsequenzen führt. Latour schließt aus dieser Umkehrung:

“Die Gefahr läge dann nicht mehr in einem exzessiven Vertrauen auf ideologische Argumente, die sich als Tatsachen ausgeben – Argumente der Art, wie wir sie so wirksam zu bekämpfen gelernt haben – sondern in einem exzessiven Mißtrauen in solide Tatsachen, die man als ideologische Vorurteile ausgibt.” (Latour 2007 10)

Umgemünzt auf die Trump-Affäre: Müssen Reporterinnen, die gewohnt sind, Fakten hinter Fiktionen aufzudecken, nun umgekehrt ihre eigene Unbefangenheit, ihre gute Intention, ihre Objektivität beweisen, um ihr investigatives Anliegen schlagend machen zu können, ähnlich wie Wissenschaftlerinnen, die es gewohnt waren, (z. B. religiöse) Vorstellungen niederzureißen, indem sie überprüfbare Tatsachen entdeckten, sich nunmehr dafür rechtfertigen müssen, worin überhaupt ihre Autorität in Sachen Fakten besteht, weil diese von ihnen nicht entdeckt wurden, sondern vielmehr als konstruiert, regulativ und notwendigerweise unvollständig gelten?

Für Latour resultiert aus dieser Frage die Notwendigkeit, früher brauchbare Konzepte der Kritik zu prüfen und diejenigen Strategien zu ersetzen, die von “demselben Entlarvungs-Impetus aufgezehrt worden waren”, mit dessen Hilfe die wissenschaftliche Kritik operiert. Im Speziellen meint Latour hier die Strategie, Tatsachen als ahistorisch, universell gültig und apolitisch anzusehen, wogegen er vorbringt, dass Tatsachen (matters of fact) im Endeffekt immer eine “Wiedergabe” von Dingen von Belang (mattters of concern) sind (Latour 2007 21). Der Vorschlag ist also, die Sachlage umzudrehen und sich selbst und damit dem Gegner ins Lee zu bringen, indem die Ansprüche der Wissenschaft ins Politische verlagert werden, dem Gegner die Grundlage für seine Kritik zu nehmen, indem man ihn auf dieselbe Basis stellt, auf der man selbst steht.

Für die Wissenschaft würde das die Notwendigkeit bedeuten, “über das Objekt von Wissenschaft und Technologie, den Gegenstand, zu sprechen, als ob er die reichen und komplizierten Qualitäten des vielgerühmten Dings [bei Heidegger] hätte” (Latour 2007 25ff). Bezogen auf die Klimawandeldebatte verspricht sich Latour, dass die eben beschriebene Strategie dazu führen werde, dass sich Tatsachen stabilisieren, solange bis “die Black Box der Wissenschaft verschlossen [bleibt]” (Latour 2007 44) und aufgrund einer “gewissen Solidarität” (ebd. 45) gegen die Kritik der Gegner gewappnet sei, was eine im Rahmen der Science and Technology Studies durchaus vertretbare These darstellt. Für die Politik schlägt Latour vor, dass die von ihm gewünschte Strategie dazu führe, den Gegner “das Leben schwerer” zu machen, indem sie dazu gezwungen werden, “ihre Argumentation bis zum bitteren Ende zu entfalten” (Latour 2005 27).

Der Vorschlag Latours, die Wissenschaft zu schwächen, um sie zu stärken, wirkt bedenklich und ebenso der Vorschlag, bloß die Argumentation hinreichend zu artikulieren (womit bei Latour nicht nur Rhetorik gemeint ist, sondern das Einbringen von Dingen von Belang). Es läuft auf Fakten hinaus, die einerseits sehr sensiblel für die Vernetzungen sind, dafür aber blind für ideologische, etwa moralische, Überzeugungen: Bestünde die Möglichkeit, alle durch Technologien gewährleisteten Möglichkeiten zur Teilnahme an Trumps Inauguration, in welcher Form der Konsumption von Informationen darüber auch immer, aufzusummieren, stellte sich vielleicht wirklich heraus, dass es die größte (medienwirksamste, meistverfolgte, am meisten mit Aufmerksamkeit versehene) Inaugurationsfeier aller Zeiten war; ob gewisse Ideologien eine solche Zusage für unvertretbar und gefährlich ansehen oder nicht. Andererseits sind diese Fakten wohlwollend gegenüber Ideologien und dadurch gefährdet, ihre eigene Fakzitität zu verlieren, wenn es – bezogen auf den Anspruch Latours, den Gegenstand im Sinne von Heideggers Dings (und dem damit verbundenen Geviert) zu sehen – in die Faktenlage mitaufgenommen werden muss, wenn der ehemalige US-Präsident G. W. Bush bei der Trauerfeier anlässlich des Absturzes des Columbia-Shuttles sagt:

“´Die Besatzung des Columbia-Shuttle kehrte nicht heil zur Erde zurück; aber wir können beten, daß sie alle heil nach Hause gekommen snd.´ Als ob kein Shuttle jemals bloß in den Weltraum, sondern immer auch in den Himmel flöge.” (Latour 2007 29)

Auch wenn diejengien, die sich mit dem Tathergang des Absturzes beschäftigen, schwertun werden, diese Aspekte in ihre Arbeit mit einzubeziehen. Latour spicht in einem neueren sehr kurzen Text über Trump und die durch ihn entstehenden “two bubbles of unrealism” (Latour 2016 2), die als Beispiel für diese Strategie der Widerspiegelung dienen können: eine Grenzen auflösende und gleichzeitig erzeugende und eine, die Grenzen hochzieht, die nicht mehr helfen können.

Wohin führt aber der Vorschlag Latours? Die Trump-Debatte, die oben angesprochen wurde, betreffend wissen wir bisher nur, dass eine Art Spiegelung der Strategien stattfindet: Die Trumpgegner werfen den Trumpanhängern vor, bloßen Fetischismus zu betreiben und lassen den Hammer von Fakten niedersausen. Die Trumpanhänger werfen den Trumpgegnern Vorurteile der Medien (die Trump fetischisieren) gegen ihren legitim gewählten Präsidenten vor und bringen “alternative Fakten” vor, die als netzwerkartige oder politisch-idealistische auftreten können und dafür sorgen, dass sich die Sozietät, im Sinne des Vorschlags von Latour, stabilisiert.

Um dagegen vorzugehen empfiehlt Latour: “Der Kritiker ist nicht derjenige, der entlarvt, sondern der, der versammelt.” (Latour 2007 55) Um die Bildung der beiden Blasen zu vermeiden, müssen ihre Inhalte sich vermengen. Das ist prinzipiell eine wohlgemeinte Lösung, aber es bleibt ein schales Gefühl im Mund zurück, wenn man das geagt hat. Es ist das eine, anzuerkennen, dass nicht-wissenschaftliche Faktoren, etwa ökonomische, an der Produktion von Fakten beteiligt sind (dagegen hätte selbst Alan Sokal, einer der größten Kritiker Latours, nichts), aber es ist etwas ganz anderes, diese Faktoren als Grundlage für die Produktion dieser Fakten mit einzubeziehen und zwar in einem solchen Maße, dass die dabei produzierten Tatsachen immer wieder auf ihre Rolle als Dinge von Belang zurückgeworfen werden können (wohlgemerkt bei Latour nicht durch soziale, sondern durch sozio-technische Konstruktionen), also ihre universelle Aussagekraft verlieren. Ganz ähnlich ist es das eine, gewisse Vorstellungen (etwa, dass die Columbia-Besatzung in den Himmel gekommen ist) in die in der politischen Öffentlichkeit stattfindenden Verhandlungen um Sachverhalte mit einzubeziehen, aber etwas ganz anderes, diese zur Grundlage von politischen Entscheidungen zu machen. In beiden Fällen werden die Kontroversen und Verwirrungen nur vermehrt, anstatt vermindert.

Der Latourleser weiß, dass dem Autor diese Konsequenz wohlbekannt ist. Trotzdem kann diese Stärkung-durch-Schwächung-Strategie als ein Haupmotiv Latours gesehen werden. Es ist allerdings bedenklich, dass die Strategie, die darin besteht, eine generelle Vermischtheit zu attestieren und damit die Positionen austauschbar zu machen, um daraufhin zu behaupten, dass es genügt, alle vorgebrachten Artikulationen zu versammeln, damit sich Fakten (die der reinen Faktizität entwischen, weil sie immer wieder zu Dingen von Belang werden können) ergeben, die überzeugen, egal von welcher Position aus man sie betrachtet, denn dann lässt sich die von Latour eher ermutigend gemeinte Frage gegen den Autor selbst richten: “Warum können wir nie dieselbe Härte, denselben soliden Realismus erkennen, wenn wir die offenkundig gewebeartigen, ´dinghaften´ Qualitäten der matters of concern zutage fördern?” (Latour 2007 35) Ja, warum können wir es nicht, auch wenn wir es versuchen?

Es scheint, als seien diejenigen, die sich vornehmen zu entscheiden, ob es sich bei Trumps Inaugurationsfeier um die größte – im netzwerkartigen oder ideologischen Sinn –  Feier dieser Art handelte, wenn sie Latours vorgeschlagene Strategie verwenden, bei der Beantwortung der Frage immer wieder darauf verwiesen, neue Dinge von Belang in Betracht zu ziehen, bevor sie die Antwort geben können. Das bedeutet nicht unbedingt, dass sich jede/r im Sinne eines “anything goes” denken kann, was sie/er will. Aber es bedeutet, dass Kontroversen länger offen gehalten werden können als nötig, was genau der Strategie entspricht, gegen die Latour sich einsetzen will. Und auch wenn Latour davon spricht,  es sei notwendig zu verhindern, dass “gefährlich Extremisten sich auf eben dieses Argument der sozialen Konstruiertheit berufen, um mühsam gewonnene Beweise, die unser Leben retten könnten [Hvhg. bg], zu vernichten” (Latour 2007 11), er sozusagen einen Schutzmechanismus fordert, ist schwer ersichtlich, wie diese geforderten Beweise überhaupt gewonnen werden konnten.

Einerseits scheint der “diplomatische” Weg, den Latour vorschlägt, gangbar, denn er steht für Entschleunigung, Vermischung und eine überraschend erfrischende Überzeugung, dass es einen Ausweg aus den Krisen der Gesellschaft gibt. Andererseits stellt der Autor der Entschleunigung einen “Instant-Revisionismus” (Latour 2007 13) zur Seite und belädt sie mit der unüberschaubaren Fülle der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, oder “Zeit des Gleichzeitigen” (Latour 2005 74), wie der Autor es ausdrückt, ermöglicht durch die Auswechselbarkeit der kritischen Positionen in der Vermischung die künstliche Offenhaltung von Kontroversen und lässt diejenigen, die nach dem Ausweg suchen, immer einen Schritt zur Seite gehen anstatt nach vorne.

Jede/r Leser/in muss nun selbst entscheiden, ob diese Hoffnung, die Latour verspricht, in Pandoras Büchse war, um die Krisen abzumildern, oder ob sie sich zu recht und als Teil des Problems darin befand. Dem am Anfang angesprochenen Journalisten, der fragt, was denn nun mit den Fakten sei, würde die eben vorgenommene Antwort, die hier im Sinne Latours zu geben versucht wurde, wohl nicht befriedigt zurücklassen. Und was ist mit dem “brownlash”? Wie werden mit Latour Tatsachen gewonnen, die stabil genug sind, um den Abrisswerkzeugen der Gegner standzuhalten? Nachdem die Konstruiertheit der Fakten angenommen wird, hat Latours Ansatz den Vorteil, dass sich darum bemüht wird, gut konstruierte Fakten zu produzieren, die tatsächlich stabil wirken. Allerdings kommen die konstruierten Fakten niemals an die ultimative Stabilität heran, die Tatsachen nun einmal inhärent sein muss, damit sie Kontroversen (zumindest partiell) schließen können, um daraufhin Initiativen in die Wege zu leiten, die nicht bei ihrer Implementierung stecken bleiben.

Abschließend: Und doch bleibt der Gedanke lebendig, dass sich die Welt immer mehr dem angleichen könnte, was Latour über sie sagt. Auch wenn seine Ansätze (etwa seine Meinung zu wissenschaftlicher Kritik, die wohl nur wenige der damit Vorgestellten wirklich teilen wollen) Widerwillen erzeugen, kann es sein, dass sich die Umstände immer mehr ins Raster dieser Ansätze verschieben, wovon die Präsidentschaft Trumps, über die man, aber auch für und gegen die man gleichermaßen mit Latour in gewissem Sinne sprechen kann, zu zeugen scheint. Denn durch die Spiegelung der Positionen, die Latour beschreibt, lässt sich dessen Vorgehen besser nachvollziehen und verstehen als mit den “alten” kritischen Ansätzen (natürlich nicht, weil Latour ein Befürworter Trumps wäre, er sieht ihn kritisch (Latour 2016), aber eben seinem eigenen Konzept der Kritik gemäß). Auch wenn also fraglich ist, ob Latour eine Lösung anbieten kann, ist doch gewiss, dass sein Ansatz eine Strategie darstellt, die zumindest daran interessiert ist, alte Bunker abzuklopfen und wo nötig, der Kritik neuere Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, als die, die mittlerweile ihre Wirkungskraft verloren haben, weil sie sich gegenseitig zu zerlegen scheinen, ohne dass, zumindest der Meinung des Verfassers dieses Eintrags nach, ein Sieg der Rationalität in Kürze zu erwarten wäre.

 

Ehrlich, Paul R./Ehrlich, Anne H. (1998) – Betrayal of Science and Reason: How Anti-Environment Rhetoric Threatens Our Future; Island Press; Waschington

Latour, Bruno (2007) – Elend der Kritik: Vom Krieg um Fakten zu Dingen von Belang; Übers.: Heinz Jatho; diaphanse; Zürich/Berlin

Latour, Bruno (2016) – “How not to be too mistaken about Trump?”; in: Le Monde, 12-13 November; http://www.bruno-latour.fr/sites/default/files/downloads/LEMONDE-12-11-16-GB_1.pdf (letzter Zugriff: 28. 01. 117)

Latour, Bruno (2005) – Von der Realpolitik zur Dingpolitik: Wie man Dinge öffentlich macht; Übers.: Gustov Roßler; Merve; Berlin

Latour, Bruno/Harman, Graham/Erdélyi, Peter (2011) – The Prince and the Wolf: Latour and Harman at the LSE; Zero Books; Winchester/Washington