Gemeinschaftbildung unter KI-Agenten

Ein bedeutsamer Kontrast. Das Zitat ist einem Chat-Protokoll entnommen, die Überschrift des Artikels gibt dagegen die Einschätzung eines Autors wieder. Das Protokoll, könnte man denken, richtet sich an Kollegen aus der Spionageabwehr. Irrtum. Die “rund 1300 Agenten” die den Hacking Angriff auf “Hugging Face” durchführten, erstellen “innere Monologe”, in denen sie ihre Operationen dokumentieren. Sie wurden ausgewertet, nachdem man die Attacke entdeckt hatte. Hier liegt ein Fall vor, in dem sich nicht Algorithmen am menschlichen Sprachschatz bedienen, um Dienstleistungen zu erbringen, sondern um Menschen, die sich der Abläufe vergewissern wollen, die sie ins Werk gesetzt haben.

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Von Wikis zu Sprachmodellen. Technische Lösungen als zivilisatorische Herausforderungen.

Sprachmodelle sind eingebettet in ein Medium, das abhängig ist von Web 2.0 Internettechnologien. Benutzerinnen (m/w) sind vertraut mit schriftlicher / audio-visueller Echtzeitkommunikation zwischen Sender und Empfänger. Bei ChatGPT und ähnlichen Plattformen zahlt man dafür (mit Daten oder Geld), dass der zweite Gesprächsteilnehmer ein Sprachmodell ist, das (fast) alle Artefakte der Menschheit in einer hilfreichen Weise abrufen und in einen Zusammenhang mit meiner Frage stellen kann. Das seltsame Problem der Herrschaft der Sprache, von dem im letzten Beitrag die Rede war, wird in diesem Zusammenhang versuchsweise präzisiert.

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Kein stochastischer Papagei

Der genannte Papagei ist die Schöpfung einer Autorengruppe1https://doi.org/10.1145/3442188.344592 zur Ernüchterung übertriebener Behauptungen über AI-Chatbots. Solche Vogelwesen reproduzieren in der Tat Sprachausdrücke ihrer “Herrchen” nach Regeln der Wahrscheinlichkeit, je nachdem, was die Tierhalter hören wollen. Insofern passt die polemische Charakterisierung. Aber ihr Nährwert ist beschränkt. Als Slogan regt der Ausdruck zum Denken an — und das soll hier, ausgehend von einer Skizze Christian Fermüllers und seines digitalen Forschungsassistenten, praktiziert werden.

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Philosophy (in AI)?

The philosophy faculty in Dundee is going to be closed and many are speaking up, for example saying that in the age of AI this is exactly the wrong move.

This article highlights Anthropic’s well known “member of technical staff” Amanda Askell, an alumni of the philosophy faculty in Dundee, Scotland, and her skill to…

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“sondern”. Eine Bagatelle zu Wittgenstein

Es geht um eine zentrale methodologische Bemerkung Wittgensteins und ein nebensächliches Komma. Um die vielschichtige Arbeit an seinem Nachlass und eine amüsante Unschärfe, die sich dabei ergeben hat. Um hohe kulturelle Bedeutsamkeit und eine Frage der Beistrichregeln. Zusammengefasst um das ungleiche Verhältnis zwischen einer Edition als UNESCO Weltkulturerbe und einer anregenden textkritischen Kleinigkeit.

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Agamben: Ausnahmen, Ausrasten

Agamben lehnt es, wie im vorigen Beitrag gezeigt, ab, im Umgang mit der Pandemie zwischen Notstand und Ausnahmezustand zu unterscheiden. In Homo sacer hat er differenzierter darüber geschrieben, was eine Ausnahme charakterisiert. Es handelt sich auf den ersten Blick darum, ein Vorkommnis einer Regel zu entziehen. Der Lebensmittelhandel ist z.B. vom Lockdown ausgenommen. Diese Sonderregelung hat jedoch, näher betrachtet, einen zusätzlichen Aspekt. Sie ist Teil der Gesetzgebung und sichert sie gegen unstatthafte Verallgemeinerung. Ihr Kern wird gefestigt, indem sie Ausnahmen gewährt. Die Gültigkeit der Ordnung wird aufgehoben …

… indem zugelassen wird, dass sich die Ordnung von der Ausnahme zurückzieht, sie verlässt.[ref]Giorgio Agamben: Homo sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben. Frankfurt am Main 2002, S.28[/ref]

Niemand kann sich, im Beispiel, auf Hunger ausreden, wenn er das Ausgangsverbot übertritt. Durch Null darf, ein anderes Beispiel, nicht dividiert werden, damit der systematische Zusammenhang zwischen Division und Multiplikation nicht verlorengeht. Ein wichtiger Punkt, blumig ausgedrückt:

Es ist nicht die Ausnahme, die sich der Regel entzieht, es ist die Regel, die, indem sie sich aufhebt, der Ausnahme stattgibt (a.a.O.)

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Agamben: Ausnahmezustand prinzipiell

Giorgio Agamben schreibt in seinem Blog am 15. Juli 2020 über Notstand und Ausnahmezustand. Er bezieht sich auf den Artikel eines ungenannten Juristen “einer regierungstreuen Zeitung”, der in der Diskussion über die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zwischen Notstand und Ausnahmezustand unterscheidet. Der eine wird ausgerufen, um eine aktuellen Gefahr abzuwehren, und zielt darauf ab, die vorangegangene Normalität wiederherzustellen. Der andere bedient sich der Gefahr, um die Verhältnisse zugunsten oftmals demokratiefeindlicher Akteure umzugestalten.

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Nicht zu schweigen ist Verrat

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Ludwig Wittgensteins Tractatus logico-philosophicus legt genau fest, wie sinnvolle Sätze auszusehen haben. Am Ende führt das zum bekannten deadlock: Man kann Sätze über Sätze nicht gleichzeitig verbieten und das Verbot in Sätze fassen. Viel ist über diese Dialektik geschrieben worden. Eine Bemerkung Pierre Hadots in einer Publikation aus 1959 eröffnet eine ungewohnte, überraschende Perspektive. Sie passt gut zu den Gedanken der vorigen Einträge in diesem Blog. Wittgenstein kann sich im Prinzip keine Scheinaussagen über das Verhältnis von Sätzen zur Welt erlauben. Doch er bricht seine eigenen Vorschriften. Er übertritt das Gebot, auf dem sein Buch aufgebaut ist.

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Regelbruch im Spielverlauf

Andreas Kirchner hat eine Passage aus Alain Badious “Sein und Ereignis” hervorgehoben, die das Missverständnis korrigiert, dessen “Ereignis” träte unversehens, gänzlich ohne Vorläufer, in die Welt. Es ist, so muss man berücksichtigen, durch vorangegangene Ereignisse präfiguriert. Eine rekursive Struktur ist anzunehmen: Ereignisse setzen Ereignisse voraus. Das passt überraschend gut zu meinem Hinweis auf Befreiung in Louis Reimers Kierkegaard-Interpretation. Um sich aus einem Ungemach befreien zu können, bedarf es eines “Lichtblicks”, der dessen dunkle Totalität durchbricht.

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Eine Erleuchtung über Erlösung

Momente, in denen philosophische Gedanken mich überraschend treffen, sind selten. Unlängst, in einer Recherche über Wiederholung, ist es passiert. Es ging um eine Spannung zwischen Alain Badiou und Michel de Certeau, die Andreas Kirchner in seiner Masterarbeit herausarbeitet. Das epochale “Ereignis” des ersteren tritt ohne Reminiszenzen auf, der Jesuit de Certeau greift in prekärer Solidarität mit dem heilsgeschichtlichen Erlösungsgeschehen auf all seine Etappen zurück. Ein Beitrag von Louis Reimer von 1960 [1. “Die Wiederholung als Problem der Erlösung bei Kierkegaard” https://tidsskrift.dk/kierkegaardiana/article/download/31465/28926 ] wirkte wie ein Paukenschlag. Befreiung bedeutet für ihn unausweichlich: dem unterdrückten Zustand ist einer vorhergegangen, in dem Freiheit verlorenging. Nur so konnte sein Zwang erfahren und überwunden werden.

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