Hunde, Hausherren, Heimat

Hunden kann man Kenntnis über ein Haus, einen Garten und eine Familie zuschreiben, aber nicht über Heimat.

Sie würden auch niemals Warnschilder auf Haustüren anbringen.

Hundebesitzer lassen Hunde in Vertretung sprechen. Warum tun sie das?

Sie stellen einen Wächter vor die Tür und legen ihm Eigentumsansprüche in die Schnauze.

Das Schild sagt nicht “Das ist mein Hund”, sondern der Hund “sagt” “Das ist mein Haus”.

Eine seltsame Übertragung der Sprechrolle. Der Hund spricht für seinen Herren.

Er ist “ein treuer Hund”, er ist “his masters voice”. Treu sein heißt, einem Anspruch wortgenau zu folgen.

Der Hund am Schild hält Wache für seinen Besitzer. Das Grundstück und seine Bewohner stehen unter seinem Schutz.

Wer spricht hier eigentlich? Die Frage sollte man anders formulieren: Was spricht hier eigentlich?

Antwort: Eine Kombination von Häuslichkeit, Besitzanspruch, Defensivdenken und Symbolpolitik.


Was Menschen Tiere sagen lassen, sagt etwas über ihre Denkweise.

Wenn sie von ihrer Heimat sprechen, meinen sie (unter anderem) ein vertrautes, schützenswertes Gut, auf das jemand aufpassen soll.

Sie lassen sich symbolische Darstellungen dafür einfallen, ab wann Betreten nur auf eigene Gefahr erlaubt ist.

Und bei “Gefahr im Verzug” errichten sie Grenzkontrollen.

Es ist vergleichsweise leicht, sich über die Heimatschützer zu echauffieren, vor allem, wenn das eigene Heim nicht gefährdet ist.


Nicht alle Hundebilder sprechen dieselbe Sprache. Ein Blick ersetzt tausend Worte.

Was macht der verknautschte Melancholiker auf der rechten Abbildung?

Er würde dem Hausherrn betrübt die ganz unmöglichen Verhaltensweisen von Eindringlingen melden.

Der Hausherr dürfte sich nicht wundern. Er hat sich mit dem Schild über die Profession der Wachhunde lustig gemacht.

Dafür gibt es gute Gründe. Das ganze Konzept ist veraltet. “smart homes” haben Videoüberwachung.

Die wissen nichts von Haus, Herr und Treue. Ihnen fehlt die Anhänglichkeit. Sie lassen sich beliebig auf- und abmontieren.

Die “Kombination von Häuslichkeit, Besitzanspruch, Defensivdenken und Symbolpolitik” ist damit nicht verschwunden. “Videoüberwacht”.

Die Zusammenhänge sind technisch distanziert. Das Hundeschild wirkt wie ein Italowestern. Es folgt einem Genre, das es auch persifliert.

Ein Wachhund ist ein Wachhund, auch wenn er traurig schaut? Mag sein, in einer Hinsicht. “Meine Heimat” verlautbart einen Besitzanspruch.

Doch über einen Anspruch zu schmunzeln, ist schon einmal ein Anfang.

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