Category: Hochschulpolitik

Philosophy graduates will be in great demand by 2030? And then?

… this is the headline of a post shared by the Facebook page “Philosophy matters”. The post has likes and comments of people who sympathize with philosophy, or have an education in philosophy. I read the linked article, and posted a comment expressing my concerns about the mismatch between the headline and the content of the article. The latter is mostly about the usage of technology in education, while the first focuses only on philosophy graduates. Later I realized that the word “expert” in the headline is crucial for both. Philosophers would learn how to play the role of an expert in a corporate environment, delivering assessments on demand. That’s what the headline suggests. At the same time, I would add, philosophers would be aware and make aware that expertise is not the whole story on the journey called education.

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Socrates’ elenctic method: an addition to “Paideia, progress, puzzlement”.

photo by: www.teachphilosophyonline.com

Herbert Hrachovec has recently published a paper (Hrachovec 2018) about the notion of Paideia – with special regard to the allegory of the cave – in Plato’s republic, which is argued to be a quite hegemonic endeavor. Hrachovec, in the last section of his paper, contrasts Plato’s views with a „paideia-free story of self-fulfillment“ by introducing thoughts of Wittgenstein. The thread at hand tries to add something to this discussion by pointing to the difference between a maieutic and an elenctic kind of Paideia, which can be associated with the earlier and the later Platonic dialogues.

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Athen und Bologna

2010-08-22_13-26-28

 

Jean-Claude Juncker spielt seit dem Scheitern der Verhandlungen vorletzte Woche keine öffentliche Rolle in der Griechenlandkrise. Antonis Samaras, der frühere Premierminister, hat den Parteivorsitz zurückgelegt. Die überwältigende Ablehnung der Vorschläge aus Brüssel lässt für Vermittlungsversuche keinen Platz. Beide haben versucht, zwischen der Herrschaftslogik der Geldgeber und den Lebensansprüchen der griechischen Bevölkerung zu lavieren und sich dabei schließlich eine Abfuhr geholt.

Die Abfuhr ist verständlich und: ich stehe auf der Seite der beiden Verlierer. Diese in sich gebrochene Position soll ein Rückblick auf Erfahrungen in der Universitätspolitik erläutern.

 

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“Ich bitte Sie alle: sind Sie aufmerksam!”

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Gerd Bachmann macht auf einen ORF-Bericht aufmerksam1. Es geht um das “Fest der Freude” zum Gedenken an das Ende des 2. Weltkriegs.

Die Zeitzeugin Helga Emperger, die erzählte, wie sie 1944 von der
Gestapo inhaftiert wurde, appellierte an die Besucherinnen und Besucher:
„Seien Sie aufmerksam, seien Sie wachsam, und sollte es irgendwo
Tendenzen geben, die unsere österreichische Demokratie gefährden, stehen
Sie auf!

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  1. Ich beziehe mich auf seinen Beitrag in der mailing list epoche. Zugänglich für Subskribentinnen

Beratungsmuster

2010-08-26_13-02-12

Vor langer Zeit, als es an österreichischen Universitäten Personal- und Berufungskommissionen gab, die aus Professorinnen, Mittelbau und Studentinnen kollegial zusammengesetzt waren, beobachtete man eine bedenkliche Entwicklung. Es kam oft auf den Durchschnitt an, den Kandidatinnen aus den ziemlich divergenten Interessen zu ziehen vermochten. Die Tendenz ging in Richtung “nirgends anstreifen” und wer die Umstände gut kannte, hatte die besten Chancen. Wo sind die Zeiten hin?

Ein “Doktoratsbeirat” wacht mittlerweile darüber, dass nur solche Studierende im Doktoratsstudium betreut werden, die in einer “fakultätsöffentlichen Präsentation” bestehen. (Ich war Vorsitzender der Curricularkommission der Universität, als das beschlossen wurde.) Dabei ergibt sich ein anderes Bild.

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Falschmeldung

 

Deborah Weber-Wulff hat ein Buch über Plagiate geschrieben: False Feathers. Ich habe nicht mehr vorgehabt, mich über die Dissertation Johannes Hahns zu äußern. Dann lese ich auf Seite 156 das Folgende:

His dissertation, from the University of Zürich in Switzerland, was then examined there and the accusations were declared to be unfounded. A Vienna professor, Herbert Hrachovec, later presented a very detailed documentation of the dissertation and its sources. Hrachovec published his material online, including a precise analysis of the first 100 pages, but the accusations were dismissed as being “politically motivated”. Aigner 2011.

Das ist gründlich in die Hose gegangen.

Die Arbeit wurde am Institut für Philosophie der Universität Wien geschrieben und von Stefan Weber als Plagiat kritisiert. In einem ersten Abwehrversuch der Universität Wien wurde ein Züricher Gutachter um eine Stellungnahme gebeten. Hier ist seine Expertise:

Stellungnahme_UniversitaetZuerich_Hahn

Wie es dazu gekommen sei, dass eine vorgeblich in Zürich verfasste Dissertation zuerst in Zürich akzeptiert, dann problematisiert, und schließlich dort für unbedenklich erklärt wurde, erklärt Frau Weber-Wulff nicht. Es bleibt auch unverständlich, wieso das Ganze überhaupt etwas mit der Wiener Universität zu tun hat.

Weiters entsteht der Eindruck, meine Dokumentation wäre als “politisch motiviert” zurückgewiesen worden, während aus dem zitierten Standard-Artikel von Lisa Aigner von dieser Zusammenstellung gar nicht die Rede ist. Die Verteidigung Hahns richtet sich gegen Stefan Weber.

Hahn hat die Plagiats-Vorwürfe als haltlos zurückgewiesen. Das Gutachten von Weber über seine Dissertation sei “politisch motiviert, wenig überraschend und nicht maßgeblich”, so Hahn in einer Stellungnahme.

Die Schrift unseres EU-Kommissars ist unter aller Kritik. Was soll man aber andererseits zu solchen Falschmeldungen von Professorinnen in wissenschaftlichen Arbeiten (Springer Verlag!) sagen? Ich würde Schadenfreude seitens des Missetäters verstehen.

 

Wissen macht

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Ein Effekt des Ruhestandes: an einem Tag, den ich eigentlich bräuchte, um den seit langem versprochenen Artikel fertigzuschreiben, muss ich vormittags an die Universität. Zu einer Beiratssitzung, welche der Vorbereitung des 650-jährigen Gründungsjubiläums der Universität Wien dient. Im Arbeitsalltag habe ich das umstandslos verkraftet, jetzt ist es eine (leichte) Ärgerlichkeit.

Aber der Ausflug hat sich gelohnt. Im Stiegenhaus der Universität treffe ich den Kollegen, mit dem zusammen ich in meiner ersten Senatsperiode den Mittelbau vertreten habe. Er ist gut aufgelegt und begrüßt mich freundlich. Er hätte in letzter Zeit öfters an mich gedacht, weil seine Studienrichtung (ein Ausnahmefall), jetzt vom Diplomstudium zum Bachelor/Master Format umgestellt wird. Ich bekomme nachträglich Anerkennung und Komplimente für eine Arbeit (als Vorsitzender der Curricularkommission), die er erst jetzt richtig einzuschätzen weiß. Aufgeheitert nehme ich Platz im Senatssitzungssaal. Das Programm des Jubeljahres wird vorgestellt.

Abgelenkt blättere ich in den Unterlagen, als ich meinen Namen höre. Der Rektor geht die Programmpunkte durch und ist gerade bei den Medienprojekten. Er erinnert an die Diskussion über ein Motto der ganzen Veranstaltung. “Kollege Hrachovec hatte einen Vorschlag gemacht: Wissen macht.” Das war für diesen Anlass wohl etwas zu kühn, aber es hat Nachwirkungen. Das erste Medienprojekt trägt den Titel Forschung bewegt!.

Vielleicht gelingt es mir noch, das Rufzeichen wegzubekommen. Es versieht die Formulierung mit einer extra Emphase, welche der ursprüngliche Vorschlag nicht nötig hätte. Kurz ist der Anflug von Enttäuschung und Verärgerung über die lauwarme Lösung. Doch dann überwiegt ein Gefühl der Versöhnung. Eben das ist der Verlauf des exponierten Engagements. Man hat eine gute Idee, die Aufmerksamkeit erregt; sie zieht eine Spur und verläuft sich nach und nach im Sand.

 

Qualitätshüter

Die Universität Wien hat im Rahmen des neuen, dreijährigen Doktoratsstudiums, eine “fakultätsöffentliche Anhörung” und die Befürwortung der Präsentation durch einen “Doktoratsbeirat” eingeführt. Manche Fakultäten nehmen das nicht ernst. “Öffentlich” ist z.B. für Juristinnen, dass ein Expose auf eine Webseite hochgeladen wird. Am Institut für Philosophie ist die Sache sehr gründlich gemacht worde – allzu ernsthaft, wie mehrere Kritikerinnen fanden.

Es folgt mein Rückblick als Mitglied dieses Gremiums.

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Der Harte, der Smarte und das Auditorium

Noch eine Beobachtung zur Feuertaufe des philosophischen Diplomprüfungszeugnisses, von der hier schon die Rede war.

Die zwei Hauptakteure, David der Harte und Konrad der Smarte, haben geboten, was zu erwarten war: eine nicht besonders inspirierte Showeinlage, eine kluge Replik. Was wehtut, ist die Reaktion des Publikums. Sind Studierende der Philosophie wirklich so unbedacht und nachgerade pöbelhaft? Man sollte, bevor man nach dem Augenschein urteilt, drei Dimensionen unterscheiden.

  • Die Anwesenden sind zu einem bestimmten Zweck versammelt, welchen der Eindringling temporär durchkreuzt. Wer in den Urlaub fliegen will, darf sich über den Streik des Bodenpersonals beschweren. Es gibt eine erlaubte Reziprozität zwischen dem Risiko der Störung und dem Unmut der Gestörten.
  • David der Harte bietet etwas an, nämlich Agitation gegen die Philosophieausbildung, wie er sie sieht. Er tut das lautstark und provokant. Das Publikum, das dieser Agitation ausgesetzt ist, provoziert zurück. Es würde anders reagieren, wenn Jürgen Habermas in der Vorlesung vorbeikommt. Es hat ein Recht, mit dem Gebotenen unzufrieden zu sein.
  • Erst wenn die ersten beiden Umstände berücksichtigt sind, kann man den wunden Punkt der Publikumsreaktion isolieren. Es ist zu vermuten, dass Zweifel über den Sinn des Philosophiestudiums auch im Auditorium zu finden sind, und dass die Gepflogenheiten des Studienbetriebs dazu beitragen, diese Zweifel zu überspielen. Dann stößt die Brandrede die Zuhörer auf einen internen Konflikt und sie reagieren verärgert, weil der Harte sich das erlaubt.

Brennende Fragen

Ein Auftritt des Künstlers und Absolventen des Philosophiestudiums David Wendefilm alias David Tynnauer in der Vorlesung “Antiakademisches Philosophieren” und die daran anschließende Diskussion im Philosophieforum hat mich dazu motiviert, einen unfertigen Blogpost über die Tätigkeit des Studierens umzuschreiben.

Alexander Van der Bellen hat in seiner letzten Rede im Parlament darauf hingewiesen, dass man an der Uni nicht lernt, wie man gute, ausgefeilte Reden vor einem großen Publikum hält, sondern “auf der Uni sind wir gewohnt, alles zu überdenken, neu zu prüfen; könnt nicht irgendwo ein Fehler sein, usw.”

Der Auftritt von Herrn Wendefilm wirkt sehr souverän; was angesichts der Rückmeldungen des Publikums und dessen, was man sonst so bei Referaten in Seminaren am Institut kennt, bemerkenswert ist. Ich möchte mir die Sache näher ansehen.

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