Tag: chutzpe

petites mesquineries

drachen

 

Alain Badiou operiert, das ist im vorigen Beitrag angesprochen worden, mit der Kategorie Rechtschaffenheit. Ein Beispiel ist Jeannne d’Arc, “une héroïne sublimement chrétienne”, die er gegen Voltaires frivole Satire in Schutz nimmt. Das geschieht in einem Beitrag in “Le Monde”, in dem er die folgende Parallele zieht: “Voyez les obscénités de Voltaire à propos de Jeanne d’Arc : son La Pucelle d’Orléans est tout à fait digne de Charlie Hebdo.”

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IJCSE

cham

“IJCSE” is a funny acronym, a chameleon term, changing its meaning like the color of the animal. How do I know? It starts with my hitting on an article titled Massive Open Online Courses : A New Dawn for Higher Education? I have sketched the ackwardness of this piece, culminating in the inclusion of editorial advices into the published text. This glitch occurs in a journal which boasts an highly elaborate review process and claims to be

a leading international journals for publication of new ideas, the state of the art research results and fundamental advances in all aspects of computer science and engineering. IJCSE is a scholarly open access, peer reviewed(refereed) international journal

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Falschmeldung

 

Deborah Weber-Wulff hat ein Buch über Plagiate geschrieben: False Feathers. Ich habe nicht mehr vorgehabt, mich über die Dissertation Johannes Hahns zu äußern. Dann lese ich auf Seite 156 das Folgende:

His dissertation, from the University of Zürich in Switzerland, was then examined there and the accusations were declared to be unfounded. A Vienna professor, Herbert Hrachovec, later presented a very detailed documentation of the dissertation and its sources. Hrachovec published his material online, including a precise analysis of the first 100 pages, but the accusations were dismissed as being “politically motivated”. Aigner 2011.

Das ist gründlich in die Hose gegangen.

Die Arbeit wurde am Institut für Philosophie der Universität Wien geschrieben und von Stefan Weber als Plagiat kritisiert. In einem ersten Abwehrversuch der Universität Wien wurde ein Züricher Gutachter um eine Stellungnahme gebeten. Hier ist seine Expertise:

Stellungnahme_UniversitaetZuerich_Hahn

Wie es dazu gekommen sei, dass eine vorgeblich in Zürich verfasste Dissertation zuerst in Zürich akzeptiert, dann problematisiert, und schließlich dort für unbedenklich erklärt wurde, erklärt Frau Weber-Wulff nicht. Es bleibt auch unverständlich, wieso das Ganze überhaupt etwas mit der Wiener Universität zu tun hat.

Weiters entsteht der Eindruck, meine Dokumentation wäre als “politisch motiviert” zurückgewiesen worden, während aus dem zitierten Standard-Artikel von Lisa Aigner von dieser Zusammenstellung gar nicht die Rede ist. Die Verteidigung Hahns richtet sich gegen Stefan Weber.

Hahn hat die Plagiats-Vorwürfe als haltlos zurückgewiesen. Das Gutachten von Weber über seine Dissertation sei “politisch motiviert, wenig überraschend und nicht maßgeblich”, so Hahn in einer Stellungnahme.

Die Schrift unseres EU-Kommissars ist unter aller Kritik. Was soll man aber andererseits zu solchen Falschmeldungen von Professorinnen in wissenschaftlichen Arbeiten (Springer Verlag!) sagen? Ich würde Schadenfreude seitens des Missetäters verstehen.

 

versichern

lec2

 

Am 26.2.2014 erhalte ich von meiner Bank die folgende Mitteilung:

Betreff: s Kreditkarten Information
Liebe netbanking Kundin, lieber netbanking Kunde,
Sie haben sich vor einiger Zeit über Ihr netbanking für „Sicher online bezahlen mit s Kreditkarten“ angemeldet und profitieren dadurch von einem weltweit gültigen Zusatzservice für sicheres Bezahlen im Internet.
Jetzt bietet Ihnen dieses Service noch mehr Sicherheit.
Wie? Durch die Bestätigung Ihrer Zahlung mit einem 6-stelligen SecureCode, den wir Ihnen auf Ihr Handy zusenden. Der SecureCode via SMS ersetzt das bisherige Passwort.
„Sicher online bezahlen mit s Kreditkarten“ ist ab 26.2.2014 nur mehr mit dem SecureCode möglich!
Damit Ihnen das Service „Sicher online bezahlen“ weiterhin zur Verfügung steht, ist es daher notwendig, dass Sie sich neu registrieren. 
Wie das geht, erfahren Sie auf unserer Homepage.
Registrieren Sie sich jetzt und Sie nutzen schon ab Ihrer nächsten Online-Zahlung noch mehr Sicherheit.

 

Der Tag der Verständigung ist zugleich der Tag des Inkrafttretens der neuen Regelung. Die zusätzliche Sicherungsfunktion steht nurmehr bei einer Neuregistrierung zur Verfügung. Nach einer Lesart heißt das: ohne Registrierung steht die Funktion nicht mehr zur Verfügung, also tritt der vorhergehende Zustand ein. Die Zahlungen werden somit nicht mehr extra gesichert.

 

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Tonträgerin

tontraeger

Pál Maléter war ein ungarischer Oberst, der während des Aufstands 1956 Verteidigungsminister wurde. Die russischen Interventionstruppen haben ihn verhaftet und 1958 hingerichtet. Ich erwähnte ihn in einem Gespräch mit einer ungarischen Bekannten und dabei unterlief mir eine sprachliche Peinlichkeit.

Zwei Umgangsweisen mit diesem Namen sind unproblematisch. Einerseits kann man ihn unreflektiert so aussprechen, als wäre es ein deutscher Name. Man sagt “Budapest”, obwohl die Ungarn “Budapescht” sagen, also “Pal Maleter”. Oder man richtet sich nach der Originalsprache: “Moleter Pal”. In meinem “politisch korrekten” Fehlversuch waren die beiden Vokale vertauscht “Maleter Pol”. Ein missglückter Ansatz, dem Fremden entgegenzukommen.

An diesen Fehlversuch war ich erinnert, als ich soeben in einem Text den folgenden Satz las:

Denn erstens befinden sich die kulturellen Artefakte auf dem Weg von der feststofflichen Form, die über die Jahrhunderte hinweg ihre Existenz- und Erscheinungsweise war (als Buch, als Tonträgerin oder als bildkünstlerisches Werk), in die digitale Abstraktion (als Datenformat).

Das ist, als würde ich in einem Geschäft für Haushaltswaren eine Konservenöffnerin oder eine Mixerin kaufen wollen. Der Versuch, gendergerecht zu formulieren, ist gründlich fehlgeschlagen. Ein amüsanter, oder auch ärgerlicher, Fall der Überanpassung.

Man kann ihn am Beispiel “Hosenträgerin” gut analysieren. Frauen in Hosen sind Hosenträgerinnen. Aber sie tragen, wenn sie ihre Beinkleider über die Schultern fixieren, keine Hosenträgerinnen.

Wie fair ist unsere Sprache eingerichtet! Der Löffel, die Gabel und das Messer.

Zur Freiheit

Eine Notiz in der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” präsentierte ein interessantes Resultat der neuronalen Kognitionsforschung. Das bekannte Libet-Experiment wird in der Regel so interpretiert, dass ein “Bereitschaftspotential” vor der bewusst gewollten “Entscheidung” zu einer Handbewegung diesen Vorgang im Gehirn anstößt. Ergo: Menschen glauben nur, aus eigenem Antrieb zu “handeln”. (Hier ein Überblick.)

Ein französisches Forscherteam hat auf der von Libet ausgearbeiteten Grundlage eine andere Interpretation vorgelegt. Es fügte zum Experiment die Aufgabe hinzu, motorisch auf unvorhersehbare Reize zu antworten und kam zum Ergebnis, dass

  • durch die Experimentalsituation eine allgemein erhöhte Handlungsbereitschaft hervorgerufen wird,
  • die nicht direkt mit zielorientiertem Handeln in Verbindung zu bringen ist,
  • sondern an stochastischen Fluktuationen des Nervenapparates hängt

Sowohl Flußkrebse, als auch Menschen, zeigen solche Potenziale. Die Untersuchung ist im Detail für Laien kaum verständlich. Ich erwähne sie wegen einer “open access” Beobachtung.

In den “Proceedings of the National Academiy of Sciences of the United States of America” ist der Artikel seit 6. August erhältlich. Zwei Tage Zugang kosten US$10.00.

Sollte jemand das Dokument jedoch von Pubget.Find papers fast beziehen wollen, zahlt sie US$20.50.

Und hier ist er gratis zu beziehen. Die Absurdität der Wissenschaft als Kleinhandel.

peer review global

Vor 35 Jahren kannte man als aufstrebender Philosoph im deutschen Sprachraum zumindest einen Professor, der eine Zeitschrift herausgab und jungen Wissenschaftlern eine Publikationsmöglichkeit bot. Auf diese Weise habe ich im Salzburger Jahrbuch für Philosophie, im Wiener Jahrbuch für Philosophie und im Philosophischen Jahrbuch der Görres-Gesellschaft publiziert, bis ich Mut fasste und zur Zeitschrift für philosophische Forschung aufstieg. Der Kreis der Nachwuchstalente war überschaubar. Mentoren, die man damals noch nicht so nannte, kümmerten sich um den akademischen Nachwuchs.

Die Internationalisierung der philosophischen Forschung, der Publikationsdruck und die Ranking-Tabellen haben das gründlich verändert. Vor einem Monat erhielt ich die Anfrage eines renommierten skandinavischen Journals, ob ich einen Artikel über interkulturelle Ethik, “a transdisciplinarity-oriented study” beurteilen wolle. Das ist überhaupt nicht mein Fachgebiet. Irgendeine verquere Assoziation bei einer Google-Suche muss für diese Einladung verantwortlich sein. Neugierig war ich aber schon, daher sagte ich zu.

Wiley ist einer der wichtigsten Verlage im Buch- und Zeitschriftengeschäft weltweit, entsprechend professionell ist die Zugänglichkeit des Artikels und die Handhabung des Review-Prozesses. An die Stelle der persönlichen Bekanntschaft mit “älteren Staatsmännern” tritt eine Suchmaschine, eine Datenbankstruktur und ganz am Ende ein Schiedsrichter. Ich will das nicht abwerten, die Bedingungen haben sich geändert. Aber der Artikel hatte es wirklich in sich. Read More

Prüfungsangst

Der Studierende ist locker und guter Laune. Er reagiert auf die erste Prüfungsfrage mit einem Lächeln und der Bemerkung, dass er über dieses Thema selbst schon mehrfach nachgedacht hat. Die Antwort enthält allerdings nichts, was sich auf die Vorlesung bezöge. Ein Verdacht taucht auf: Könnte es sein, dass er blufft? Wie stellt Aristoteles einen bestimmten Sachverhalt dar? Herumreden. Wie heißt das Buch von Adam Smith, dem eine Vorlesung gewidmet war. Weiß nicht.

Der Kandidat ist unvorbereitet zur Prüfung gekommen. Streng genommen ist das ein “nicht genügend”. Es ergibt sich das Problem, ob er “mit Nachsicht aller Taxen” ein genügend bekommen kann. Das hat den Nachteil, dass es sachlich kaum gerechtfertigt ist und den Vorteil, dass sich der Prüfer als menschenfreundlich ausgeben kann.

Das “genügend” war doch ein Fehler, vor allem verbunden mit dem herablassenden Kommentar. Besser eine Härte zu setzen, als Verachtung auszudrücken.

registration profiling

Zunächst, am 22. September, und auch den Tag danach, dachte ich noch nichts dabei, LBrantley24 und JEanes86 als Benutzerinnen in das Philowiki aufzunehmen. Kurz darauf las ich dann den wichtigen Beitrag:

The body building diet has proven to be probably the most evasive secrets of accomplishment for each natural muscle building fan. For sure, everyone knows it’s the most important factor in increasing new muscle but using a body building diet but still having ample money left over for any leopard-skin thong you have had your eye on generally is a challenge for anyone! (Ok I wish that visual to escape my head!).

Eine klare Sperre. Und dann? Die nächsten Namen hatten alle dieselbe Form. Sollte ich meinem Vorurteil (oder ist es die Vorahnung) recht geben und sie von vornherein rauswerfen, oder warten, bis sie ihre Häufchen ablegen? Einmal habe ich die liberale Variante versucht. Das Resultat war zusätzliche Arbeit beim Entfernen der nutzlosen Seite. Also doch dem Muster folgen? Pech für HHrachov01.

Geldverwendung (2)

Zur Verdeutlichung der vorigen Bemerkungen über Transaktionskosten das Beispiel einer Reiseabrechnung. Vom 5.-8.7. fand in Lecce (Apulien) die Arbeitstagung eines EU-Projektes statt, das ich koordiniere. Für Flug, Aufenthalt, Verpflegung ergab das etwa 500.-€ Kosten. Der Universität Wien kommen laut EU-Budget (für drei Jahre) 22.000.- € zu. Ich reichte das erforderliche zweiseitge Formular mit detaillierten Angaben zur Reise, die Kreditkartenabrechnung für das Flugticket und die Abschnitte der Boardingkarten ein, dazu die Hotelrechnung, mit der Bemerkung, dass ich am Wochenende (9.7.-10.7) privat in Lecce geblieben war.

Die Verrechnungsstelle war nicht zufrieden.Read More