Alain Badiou: Die Wiederkehr ist die Stütze des Neuen.

Dijkstra was right — recursion should not be difficult

Ich nehme den Pass von Herbert Hrachovec auf…. Die Dynamik im Buch “Sein und Ereignis” von Alain Badiou wird oft nur oberflächlich vorgestellt, zum Teil von Badiou selbst: Status Quo, Ereignis, Bruch mit dem Status Quo, Treue zum Ereignis, Wahrheit.

Die Lektüre der christlichen Überlegungen von Michel de Certeau gaben mir in der Masterarbeit den Anlass, auch bei Badiou den Bezug zum Bestehenden klarer herauszuarbeiten. Aus taktischen, bzw. wie er es nennt “militanten” Gründen, hebt Badiou den Bruch mit dem Bestehenden stärker hervor als die Abstützung durch Teile des Bestehenden. Es folgt ein erster Vorstoß…

Die Überbetonung des Bruchs bei Badiou ist keine Identifikation mit dem Bruch, kein Manichäismus, in dem alles Alte zu verdammen und nur das Ereignis gut ist: Es gibt nichts absolut Neues. Alles Neue ist relativ zum Bestehenden.

Sie verlangen Nachweise? Die können Sie haben…

Read more

Sternenkranz: Israel, Maria, Kirche, EU?

Warum hat die Europäische Flagge 12 Sterne? Die Anzahl der Mitglieder zu einer bestimmten Zeit spielt hier keine Rolle. Paul Lévi ist in einer Variante zu nennen. Der Belgier jüdischer Abstammung schwor sich, zum Katholizismus zu konvertieren, wenn er den zweiten Weltkrieg überlebte. Es kam so. Später begegnete er bei einem Spaziergang einer Statue Mariens mit dem Sternenkranz. Er war zu diesem Zeitpunkt, 1955, Leiter der Kulturabteilung des Europarates. So kommt also der Sternenkranz auf die Europäische Flagge. (Vgl. hier)

EDIT: Paul Lévi selbst hat bestritten, dass der Sternenkranz Marias eine Rolle gespielt hat (einen Zufall, den er erst später entdeckt hat) und stattdessen nur die Symbolik der 12 als Symbol der Perfektion und Vollständigkeit, die 12 Sternzeichen, die 12 Apostel, die 12 Söhne Jakobs, die 12 Stunden des Tagen, und die 12 Monate des Jahres eine Rolle gespielt haben.

Dieser Beitrag ist nur eine Randnotiz zum letzten Beitrag von Herbert Hrachovec.

Read more

Tunesien: Gehen oder Bleiben?

Die Vision eines Innovationsviertels in Sousse
Bauarbeiten eines Gebäudes im Innovationsviertel

Die letzen 10 Tage war ich in Sousse in Tunesien. Dort fanden am Wochenende Präsidentschaftswahlen statt, nachdem der frühere Präsident, Beji Caid Essebsi, mit 92 Jahren verstarb, der sich seit der Unabhängigkeit Tunesiens von Frankreich erfolgreich etabliert hat. Es folgt ein kurzer Reisebericht über die IT-Wirtschaft einer Stadt, die hauptsächlich vom Tourismus bekannt ist.

Read more

Verkörperte Philosophie? Platon und die Chief Philosophy Officers

Fachzeitschriften begnügen sich nicht damit, ihre Seiten für Kulturinformationen zu öffnen[…] Zur wissenschaftlichen Strenge der Analysen gesellen sich [..] dogmatische Legenden im Predigtton. Philosophien des Armen für Fachkader! Sie entsprechen indes einem Bedürfnis.
– Michel de Certeau: Die Gegenwart wagen. Aus: GlaubensSchwachheit (Kohlhammer 2009). S.83

In dem jüngsten Blog-Artikel aus dem “Manager Magazin” schreibt Personalberaterin und Präsidentin des Ethikverbandes der deutschen Wirtschaft Irina Kummert von Ihrer Beobachtung, dass immer mehr Menschen mit Philosophischer Ausbildung Karriere in der Wirtschaft machen und allmählich in der Führung von Unternehmen landen. Sie nennt Platon als Pate, der in seiner Konzeption des Idealstaats Philosophen in Herrschaftspositionen vorgesehen hat. Sie wären besonders geeignet, Gerechtigkeit in einer Gemeinschaft zu bewahren. In dem Artikel wird dann in weiterer Folge Platon zum Vordenker für Team-Work und Heterarchie und kompatibel mit der “Intelligenz der Vielen” gemacht.

Es folgt eine kurze Kritik an der gefilterten Darstellung Platons sowie der affirmativen Bewerbung dieser Art von Karriere, ohne die Risiken zu nennen und ohne auf Brüche zwischen der Tradition Platos und den Dynamiken von (gegenwärtigen) Betriebsstätten aufmerksam zu machen. Daran schließt sich eine weitere Überlegung über die prekäre Situation verkörperter Philosophie. Sie kann sich nicht für immer auf das vorgängige, ‘gespeicherte’ Training verlassen. Sie ist eine Zusatz-Anstrengung die den stattfindenden Dynamiken der Umgebung eine  retardierende Wendung gibt, dessen Nutzen nicht greifbar ist und die nicht primär an den Bedürfnissen des Unternehmens orientiert ist, obwohl sie diese registriert und im gelungenen Fall informiert. Das geht auch in die andere Richtung: Die verkörperte Philsophie wird von den Unternehmensdynamiken registriert und – hier ist das Risiko – inkorporiert.

Read more

Die Transzendenz des Ackers

Bezogen auf eine kleine dörfliche Siedlung, ist die Tätigkeit am Acker eine Transzendenz. Gerade in Niederösterreich, sind die Äcker im Frühling strukturierte “Leere”:

Riesige Flächen Erde, strukturiert von Windschutzgürteln. Ein Spiel-Raum, aber ein existenzieller. Ohne Acker keine Ernte. Ohne Ernte kein Überleben, nicht nur der Bauern sondern der ganzen Siedlung (minus die globalen Import- und Handelsmöglichkeiten, die dieses Verhältnis graduell ent-dramatisieren).

Read more

Herkunft und Zukunft


Keine Zukunft ohne Herkunft?! Das kann man a.) als hilfreiches Einleitungs-Motto für einen Lesungsabends nehmen, in dem die Lesungen über Herkunft handeln. Gleichzeitig wird es b.) für nationalistische Gedanken oder als Rechtfertigung zum Überhöhen “der Ahnen” verwendet:
a.) https://www.alte-schmiede.at/programm/2019-04-09-1900/
b.) https://andreasmoelzer.wordpress.com/…/keine-zukunft-ohne-…/

Raphaela Edelbauer’s Lesung eines Ausschnittes von ihrem Roman “Das flüssige Land” hat die Sache in der Form von Anti-Heimat auf den Punkt gebracht.

Read more

Responsibility and the Event

Königin Europa, älteste Darstellung

Should I flee a situation that makes it impossible to follow my conviction properly?
Am I complicit of the situation’s wrongdoings if I do not escape?
Am I a traitor if I leave the situation if it’s rules go against my vision?
Do I have the responsibility to do my part to transform the situation?

These questions could be asked in a variety of contexts:
1. A judge in the Nazi regime
2. An engineer that is ordered to trick the emission tests
3. A politician who has to realize an unpopular decision
4. A citizen of a rural area or of a country with low income levels

The openness of the future contains both risks and opportunities. We can trace the openness back to the constraints of  the past though.

Read more

How to Relativize the Importance of the Effable?

 

In one previous blog post, Herbert Hrachovec conducted a careful analysis on moving away from the visible domain, based on Mona Haydar’s account of wearing a Hijab as spiritual practice. This was definitely more substantial than what I did earlier when suggesting an isomorphism between a.) Hijab for protecting the body and b.) closed borders for national security. Both might be characterized by a resistance against their assets (or even their “essence”) being consumed or threatened by others. In contrast, Herbert starts with listing possible ways of resistance to globalization and consumer society and then highlighting one speciality when taking the Hijab as a spiritual practice:

Haydar’s “act of resistance” is primarily directed away from the body. “I am so much more than just a body.” (M.H.) Not “just a piece of meat walking around in the world for anybody to consume.” (M.H.) It’s not just frantic economics that is at stake here. This particular sign of resistence, Haydar’s hijab, indicates an extra-physical realm.

This extra-physical realm, in the words of Haydar is “a soul, that is ineffable that lives inside of me”. How to point towards something ineffable? Herbert: “Using a tangible tool like the head scarf to mediate a dramatic switch to an intangible insight”.

I am finishing the year of this blog with something unfinished: This posts adds three further positions/techniques/examples for giving clues that relativize the importance of the effable. May they be impulses for 2019.

Read more

Leaving Immersion?

What makes a technique useful is that it responds to problems of the focus domain. An expert, who is using techniques is useful, if she is responsible and cares about the object of this expert domain. For example, a good project manager cares about everything that is involved in a project: people, the project goal, the means to achieve it, the timeline it requires. In every community obviously there are some who care more and some who care less. The challenge is: Why do we care? Wouldn’t we be better off if we just cared for ourselves, and just appeared to be caring while we would just be caring for ourselves?

Read more

Philosophy graduates will be in great demand by 2030? And then?

… this is the headline of a post shared by the Facebook page “Philosophy matters”. The post has likes and comments of people who sympathize with philosophy, or have an education in philosophy. I read the linked article, and posted a comment expressing my concerns about the mismatch between the headline and the content of the article. The latter is mostly about the usage of technology in education, while the first focuses only on philosophy graduates. Later I realized that the word “expert” in the headline is crucial for both. Philosophers would learn how to play the role of an expert in a corporate environment, delivering assessments on demand. That’s what the headline suggests. At the same time, I would add, philosophers would be aware and make aware that expertise is not the whole story on the journey called education.

Read more