Sternenkranz: Israel, Maria, Kirche, EU?

Warum hat die Europäische Flagge 12 Sterne? Die Anzahl der Mitglieder zu einer bestimmten Zeit spielt hier keine Rolle. Paul Lévi ist in einer Variante zu nennen. Der Belgier jüdischer Abstammung schwor sich, zum Katholizismus zu konvertieren, wenn er den zweiten Weltkrieg überlebte. Es kam so. Später begegnete er bei einem Spaziergang einer Statue Mariens mit dem Sternenkranz. Er war zu diesem Zeitpunkt, 1955, Leiter der Kulturabteilung des Europarates. So kommt also der Sternenkranz auf die Europäische Flagge. (Vgl. hier)

EDIT: Paul Lévi selbst hat bestritten, dass der Sternenkranz Marias eine Rolle gespielt hat (einen Zufall, den er erst später entdeckt hat) und stattdessen nur die Symbolik der 12 als Symbol der Perfektion und Vollständigkeit, die 12 Sternzeichen, die 12 Apostel, die 12 Söhne Jakobs, die 12 Stunden des Tagen, und die 12 Monate des Jahres eine Rolle gespielt haben.

Dieser Beitrag ist nur eine Randnotiz zum letzten Beitrag von Herbert Hrachovec.

“Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.” (Joh 12,1)

https://www.ebfr.de/html/zwoelf_sterne_auf_ihrem_haupt_biblische_betrachtung.html

Dieses Bild der Frau in der Apokalypse sei laut Peter Wolf eine Mischung aus Mutter Maria und Tochter Zion, die man in einer bestimmten Mariologie identifiziert hat. Mit anderen Worten: Maria und Israel sind eins.

In Anbetracht des letzten Beitrags und der dort referenzierten Radiosendung “Maria, Hilfe” ist die Tradition der Frau als Symbol für das Zusammenleben einer Zivilisation zu ergänzen.
(vgl. Böhler, Dieter: Maria – Tochter Zion)

Angenommen, Maria steht für Kirche, Union, und Zusammenleben. Dann ist heute, in einer Zeit der massiven Kirchenaustritte, und dem Austritt von Großbritannien aus der Europäischen Union, das Bild der verlassenen Mutter aktuell.

Eine Zeit für Klagelieder?

„Wem soll ich dich vergleichen oder wem soll ich dich gleichsetzen, Tochter Jerusalems? … Groß wie das Meer ist dein Leid. Du Jungfrau, Tochter Zion, wem soll ich dich vergleichen, damit ich dich tröste? Denn dein Schaden ist groß wie das Meer. Wer kann dich heilen?“
– Die Klagelieder Jeremias (Klgl 2,13)

Die Klagelieder kamen vor dem zweiten Vatikanischen Konzil im nächtlichen Stundengebet vor, wurden aber in der Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils abgeschafft, weil das Stundengebet neugestaltet wurde, sodass es zu jeder Tageszeit gebetet werden kann (wobei die Klagelieder noch immer zur Nachtzeit und auch in der Karwoche erweitert werden können wenn ich das richtig verstehe). (Vgl. hier und hier)

Die Hoffnung, die beim Jesuiten Dieter Böhler in dem Beitrag der Zeitschrift “Geist und Leben” 78 (2005) ausgedrückt wird, braucht mehr Zeit und Raum, soll aber nicht unerwähnt bleiben:

Die Kirche ist makellos – aber nicht in uns, sondern in ihrem Kern: Die Kirche kann dem Tod nicht dauerhaft verfallen – in der Person jedes beliebigen Gläubigen zwar schon, aber nicht in ihrem Kern: Maria. Maria ist für alle Zeiten der bleibende Mittelpunkt der Kirche, weil sie die erste Israelitin ist, die erste Tochter Abrahams, die den Messias aufgenommen hat. In ihr ist Israel anfanghaft schon wiederhergestellt. In ihrem Glauben geht der alte in den neuen Bund über. Sie ist das Scharnier vom alten zum neuen Bundesvolk. Sie gehört dem alten Bundesvolk an und wird zum Kristallisationspunkt des neuen. Maria ist das Herz der Kirche, weil sie in der Kirche von Anfang an Abraham und seine Nachkommen vertritt. Die Kirche ist dadurch, dass wir, die wir Nichtisraeliten sind, uns Maria, der Tochter Abrahams anschließen, die Erfüllung der Verheißung an Abraham, wie Maria selbst im Magnifikat singt: „Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig“ (Lk 1,54-55). Repräsentantin dieser Nachkommenschaft Abrahams ist Maria, die Tochter Zion, das bleibende israelitische Herz der völkerumspannenden katholischen Kirche.

Maria, und die Kirche wären auch Treue zu Israel (Treue im Sinn von Innovation und Bewahrung), bzw. dem Ort an dem Gott zum ersten Mal mit den Israeliten sprach. Die Dynamik, die Jesus und sein leeres Grab nach der Kreuzigung auslösen, genannt Christentum, wäre ohne Maria nicht möglich. Insofern wäre die Diagnose von Michel de Certeau, die Kirche sei zum Tode verurteilt, und das wäre in gewisser Weise gut so, und sogar das Wesen des Christentums, so wie Jesus zum Tode verurteilt zu werden und zu verschwinden, in Auseinandersetzung mit Maria neu zu bedenken. Was nämlich in der Welt bleibt sind Trauer und Hoffnung Marias. (Vgl. De Certeau, Michel: GlaubensSchwachheit 2009, S.245-249)

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Andreas Kirchner

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