Begräbnis

Ein früherer Beitrag zu “Die Würmlinger Kapelle” von Nikolaus Lenau stellt dessen wohlklingender “süßen Todesmüdigkeit” Bilder einer Krippe ohne Christkind zur Seite. Eine Art Immunschutz gegen die ansteckende Melancholie des “doch die Menschen kommen nimmer”. Verlassene Kirchlein machen traurig und nervös über diese Trauer. Als Ausgleich ein Musikstück, dessen Morbidität ohne Umwege über einen verlorenen Glauben die Würde des Lenauschen Gedichts vergegenwärtigt.

Dem Duktus der gereimten Verse Lenaus entspricht die Rhythmusspur, die dem Stück “Archangel” von Burial unterlegt ist. Sie schiebt die anderen Ton-Arten in die zweite Reihe. Die anschwellenden harmoniefreundlichen Akkorde, das Knistern von Vinylplatten und die Stimmen wie unter Wasser:

Holding you,
Couldn't be alone
Loving you
Couldn't be alone
Kissing you

Bei Lenau herrscht eine sublim abgemischte Harmonie zwischen dem Versmaß, den Reimen, den poetischen Bildern und Assonanzen (“öde Räume”, “säuseln Träume”). In “Archangel” ist der Rhythmus zu aufdringlich, die Soundwellen zu platt, der Text kaum verständlich und das Knistern eine Täuschung, wie Quarzuhren ticken, als besäßen sie ein Uhrwerk. Die Momente kommunizieren nicht miteinander — und ergeben doch ein Ganzes. Der Beat lässt an Stellen aus und ist gerade in diesen Pausen wirksam; Akkorde, die eine Fortsetzung suchen, finden sie nicht im Betriebsgeräusch, das sie nicht beschädigt. Der überlaute und der ohren-schmeichelnde Beitrag, der ertrinkende Gesang und das Kratzen der Elektrostatik sind zueinander autonom. Sie kümmern sich nicht um Gemeinsamkeit. Aber man möchte sagen: Sie sind einander gewogen.

Das Gedicht und das Musikstück flirten mit dem Untergang.

Und der Gräber stille Schar
Liegt so traulich vor der Schwelle.

“verlaßne Grüfte” und William Bevan, der sich “Begräbnis” nennt. Die beiden leiden in Schönheit. In “Hier ist all mein Erdenleid” ist gefragt worden, ob diese Schönheit Kompensation für das Unheil ist, das Menschen angetan wird. In Sisyphus und Münchhausen ist die Antwort: Glück und Sisyphus gehen zusammen. Es muss nicht immer alles Fortschritt sein, man kann es sich nicht aussuchen. Treue hat zwei Seiten, eine bindet an die Herkunft, die andere an Zukunft.

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zubin

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