Regelbruch im Spielverlauf

Andreas Kirchner hat eine Passage aus Alain Badious “Sein und Ereignis” hervorgehoben, die das Missverständnis korrigiert, dessen “Ereignis” träte unversehens, gänzlich ohne Vorläufer, in die Welt. Es ist, so muss man berücksichtigen, durch vorangegangene Ereignisse präfiguriert. Eine rekursive Struktur ist anzunehmen: Ereignisse setzen Ereignisse voraus. Das passt überraschend gut zu meinem Hinweis auf Befreiung in Louis Reimers Kierkegaard-Interpretation. Um sich aus einem Ungemach befreien zu können, bedarf es eines “Lichtblicks”, der dessen dunkle Totalität durchbricht.

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Eine Erleuchtung über Erlösung

Momente, in denen philosophische Gedanken mich überraschend treffen, sind selten. Unlängst, in einer Recherche über Wiederholung, ist es passiert. Es ging um eine Spannung zwischen Alain Badiou und Michel de Certeau, die Andreas Kirchner in seiner Masterarbeit herausarbeitet. Das epochale “Ereignis” des ersteren tritt ohne Reminiszenzen auf, der Jesuit de Certeau greift in prekärer Solidarität mit dem heilsgeschichtlichen Erlösungsgeschehen auf all seine Etappen zurück. Ein Beitrag von Louis Reimer von 1960 [1. “Die Wiederholung als Problem der Erlösung bei Kierkegaard” https://tidsskrift.dk/kierkegaardiana/article/download/31465/28926 ] wirkte wie ein Paukenschlag. Befreiung bedeutet für ihn unausweichlich: dem unterdrückten Zustand ist einer vorhergegangen, in dem Freiheit verlorenging. Nur so konnte sein Zwang erfahren und überwunden werden.

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Begrenzt offen?

Im Augenblick ist “Öffnet die Internierungslager!” (z.B. für Uiguren) weniger prominent, als der Ruf nach Aufhebung der Beschränkungen im wirtschaftlichen und öffentlichen Leben. Die persönliche Bewegungsfreiheit wird auch in Krisenzeiten häufig als unantastbares Gut betrachtet. Politik und Polizei erscheinen als autoritäre Instanzen, wenn sie Betretungsverbote, Sperrstunden und Dokumentation von Infektionsverläufen anordnen. Andererseits besteht in der Bevölkerung auch die Bereitschaft, sich einschränken zu lassen.

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Händewaschen weltweit

ist eine Nobelparfümerie. “Located in the heart of the city Vienna, the elegant store of ESBjERG offers the best of the world of cosmetics for over 35 years and connects tradition with a stylish lifestyle.”

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Begräbnis

Ein früherer Beitrag zu “Die Würmlinger Kapelle” von Nikolaus Lenau stellt dessen wohlklingender “süßen Todesmüdigkeit” Bilder einer Krippe ohne Christkind zur Seite. Eine Art Immunschutz gegen die ansteckende Melancholie des “doch die Menschen kommen nimmer”. Verlassene Kirchlein machen traurig und nervös über diese Trauer. Als Ausgleich ein Musikstück, dessen Morbidität ohne Umwege über einen verlorenen Glauben die Würde des Lenauschen Gedichts vergegenwärtigt.

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Sisyphus und Münchhausen

Donnerstag nachmittags, am Weg in die Lehrveranstaltung, Rückseite des Neuen Institutsgebäudes. Dort führen drei breite Doppel-Glastüren in den geräumigen Vorraum und rechts, an der Ecke zur Ebendorferstraße, eine Einzeltür zu einem Korridor. An den Türstock gelehnt liest ein hochgewachsener Student, in der sommerlich warmen Herbstsonne, ein Taschenbuch.

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Planlose Mannigfaltigkeit. Ein Testbericht

“Was ist das?” —

“Keine Ahnung.” —

“Möchtest Du es wissen?” “Es ist ein Foto”. —

“Und was stellt es dar?”

An dieser Szene lassen sich wesentliche Merkmale des Umgangs mit Unbekanntem ablesen. Und sie hilft zum Verständnis der Frage, was es nach Alain Badiou mit “dem Sein” auf sich hat.

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Gelbe Friedensstörung. Und warum? Jacques Rancière spekuliert.

Das Phänomen ist schon vor 10 Jahren bemerkt worden: unibrennt. Und Occupy Wallstreet deutet in dieselbe Richtung. Protestbewegungen in Europa und den USA verlaufen spontan und anti-hierachisch, an politischen Parteien, Gewerkschaften und Interessensvertretungen vorbei. Die “Gilets jaunes” sind ein aktuelles, unübersehbares Beispiel. J. Rancière beschreibt die Unmöglichkeit, sie bekannten sozialen Bewegungen zuzuordnen. Read more