Tag: ökonomie

If Libussa had a Blockchain

The hesitant Austrian writer Franz Grillparzer and his drama “Libussa” from 1848 inspired Herbert Hrachovec and Walter Seitter at the end of a podcast to diagnose contemporary democracies and the role of money. That diagnosis could benefit from a reference to recent developments in monetary systems by bitcoin and blockchain. And the other way around: The “elimination of middlemen” through cryptography and peer to peer networks is an idea that can benefit from hesitation.

 

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“better to die ten years from now”

In der aktuellen Ausgabe des New Left Review findet sich ein Gespräch mit Richard Duncan, dem Autor zweier Bücher über die Dollarkrise, Globalisierung und Schuldenfalle.

Er skizziert drei Möglichkeiten, mit der auf Dauer unhaltbaren Praxis umzugehen, stagnierende Volkswirtschaften durch massive Staatsverschuldung anzukurbeln. Die erste Option ist ein drastischer Sparkurs. Er würde direkt in eine globale Rezession führen. Die dritte Möglichkeit, die Duncan empfiehlt, sind weitreichende Programme zur Förderung der Infrastruktur und Produktivität, speziell in den Sektoren Energiewirtschaft und Pharmakologie. Dazwischen liegt das folgende Szenario (Duncan spricht von der US-Regierung):

They can carry on doing this for another five years with very little difficulty, and maybe even for ten years. The US government debt is only 100 per cent of GDP, so they could carry on for another five years and still not hit 150 per cent. But though it’s not clear how high it can go, it can’t go on forever. Sooner or later — say, ten or fifteen years from now — the us government will be just as bankrupt as Greece, and the American economy will collapse into a new Great Depression. So, that’s option two. It’s better than option one, because it’s better to die ten years from now than to die now; but it’s not ideal.

Diese Beschreibung trifft die gegenwärtige Lage. Wir finden uns eingeklemmt zwischen

  • der “revolutionären” Forderung, die bisherige Wirtschaftpolitik zugunsten drastischer fiskaler Einsparungen aufzugeben
  • der optimistischen Zukunftsperspektive, die Weltwirtschaft wäre durch Investitionen zu retten, die nicht dem herrschenden Bankwesen, sondern der Erschließung neuartiger Ressourcen dienen

Auf der einen Seite der augenblickliche Kollaps, auf der anderen der künftige Erfolg, dazwischen: “Wir sind noch einmal davongekommen.” Und nochmals, und nochmals. Aber irgendwann ist Schluss.

Eigenartiger Weise ist das auch eine Beschreibung, wie jedes menschliche Leben abläuft — und endet. Wenn man sich vor Augen hält, dass in Europa vor 70 Jahren Millionen Menschen getötet worden sind, stellt sich die Frage, ob der gepriesene Friede nach dem 2. Weltkrieg nicht abermals auf ein Massensterben hinausläuft.

Kooperation – Opium für Peers?

Gegeben sei eine Organisation mit eingefahrenen Strukturen, einer Kultur des (Zusammen-)Arbeitens und einer Strategie, Ziele und Aufgaben zu bearbeiten. Im Laufe der Zeit kommt es zu neuen Situationen, die für eine Veränderung des aktuellen Zustandes sprechen.

Gesucht ist ein Weg, der neuen Situation gerecht zu werden. Erarbeiten Sie einen Weg, wie die Entscheidungsträger die Organisation nachhaltig verändern und dabei die definierten Ziele erreichen können. Beachten Sie dabei stets die sozialen und psychologischen Phänomene, die bei Verändungen auftreten können (Vgl. Abbildung: Tal der Tränen sowie das 3-Phasen-Modell von Kurt Lewin).

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Zugangsbeschränkungen rekursiv.

Heute im Plenum des Audimax drehte sich ein Teil der Diskussion um die Frage, ob der Zugang zur Galerie aus technischen Gründen (Einsturzgefahr) beschränkt wird und wie man das handhabt. Gestern beim Bauchklang-Konzert gab es eine Überfüllung der Galerie. Die AG Krisenintervention ist unmittelbar eingeschritten und hat die Galerie abgesperrt. Außerdem seien im Falle eines Brandfalles die Fluchtwege nicht frei gewesen, weil alle Wege hoffnungslos überfüllt waren.

galerie. zugangsbeschränkt?

Das ist ein Punkt, wo man sieht, dass es Informationen gibt, die nicht einfach ignoriert werden können, und die anstelle einer breiten Diskussion unmittelbaren Handlungsbedarf erfordern. Die Unis brennen nicht umsonst: Wir haben gehandelt und stören den regulären Universitätsbetrieb. Jetzt können wir diskutieren. Doch der geschaffene Freiraum unterliegt selbst Einschränkungen, mit denen wir umgehen müssen.

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Zurich Kundenservice

In unregelmäßigen Abständen packt mich der Ärger über die sprachliche Schlamperei, die an der Universität ausgebrochen ist. Die Umstellung zu einem Unternehmen läßt ehemalige Standards des korrekten Ausdrucks leicht in Vergessenheit geraten. Manchmal denke ich: solche Ausrutscher würde sich eine Bank oder eine Versicherung niemals erlauben.

Ein frommer Irrtum. Die Zurich schickt mir einen Brief, um mich als Kunden ihrer KFZ-Versicherung zu gewinnen. Ich stutze: in der 2. Zeile ein das-Fehler:

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Der zweite Absatz beginnt sprachlich unbeholfen. Es sollte besser heißen: “Wenn Sie ihr Auto immer benötigen”. Und dann entwickelt er das interessante Konzept der “Pannen oder Unfällen bis zu 6 Tagen”.

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Dauern die Pannen sechs Tage? Oder soll das Tage und nicht Tagen heißen:”bis zu 6 Tage einen Ersatzwagen zur Verfügung”. Nun gut, das ist ein wenig beckmesserisch. Aber “Fahrläsigkeit”?

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Zum Abschied, damit Sie sich persönlich angesprochen fühlen, das etwas andere Angebot:

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Hier der Brief im Ganzen.

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Dienstag das im vorigen Beitrag kritisierte Interview, Mittwoch eine Überraschung, Jacques Ranciéres Das Unvernehmen. Das ist wirklich eine eindrucksvolle Schrift. Zwei Punkte finde ich besonders markant.

  • die athenische Demokratie ist sozusagen passiert
  • sie besteht in einer strategisch-prinzipiellen Verdrehung

Demokratie ist nicht primär ein Ideal, dem wir nachzueifern haben und das immer nur unvollkommen realisiert wird. Historisch gesehen ist diese Staatsform in Athen dadurch entstanden, dass verschuldete Bürger nicht mehr versklavt werden durften. Damit wurde eine “Isonomie” wirtschaftlich unvergleichbarer Personen(gruppen) geschaffen. Die Philosophie reagiert darauf.

Wer kein Geld hat und nicht durch besondere Fähigkeiten auffällt, hat dennoch eine Qualität: er darf das Schicksal der Stadt frei mitbestimmen. Diese Freiheit hängt zwar völlig in der Luft, weil ihr jede sachliche Unterfütterung fehlt, aber sie ist – durch das Gesetz der größeren Zahl – der bestimmende Machtfaktor der civitas. Die leere Freiheit regelt die sachlichen Entscheidungen, das ist von Anfang an schief.

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Foto: ArtGeneric. Flickr 2440553349

Wissenschaft in der Krise. 2 Interpretationen

Heute abend fand eine Podiumsdiskussion zum Thema Wissenschaft in der Krise. Die aktuelle Wirtschaftskrise und Anforderungen an wissenschaftliche Forschung statt. Vorweg muss ich sagen, dass man, um der Diskussion vernünftig folgen zu können, mehr Ahnung von Wirtschaftswissenschaften und Politikwissenschaften haben sollte als ich. Deswegen verstehen sich die folgenden Notizen nur als eine Art Dokumentation der Diskussion ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder einer Plausibilitätsprüfung.

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Es gab zwei Phasen ohne Diskussion (Gründe der Krise und Rolle der Wissenschaften in der Krise) und eine Schlussphase mit einem unerwarteten Intermezzo über ein aktuell heißes hochschulpolitisches Thema der Uni Wien (Stichwort: Kollektivvertrag), wobei aber von Seiten der Moderation versucht wurde zu verhindern, dass der Rest der Diskussion durch dieses Thema beherrscht wurde (was sich IMHO nicht völlig verhindern ließ).
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Das war nicht eine der üblichen Gewinn-Nachrichten oder Aufforderungen zur Beteiligung an großangelegten Finanztransaktionen, obwohl es sprachliche Anklänge gab. “Wir wenden uns an Sie, weil Sie eine wichtige Funktion im Europäischen Forschungsraum ausüben”. Eine französische Firma schrieb mir und bot Kurse zur erfolgreichen Antragsstellung für das 7. Rahmenprogramm der EU an.

Wenn man das Katalogbild direkt von der Website kopieren will, erhält man die freundliche Aufforderung, wegen einer Lizenzvereinbarung mit der Firma in Kontakt zu treten. Wenn man den Reiter “Bildung” wählt, startet ein unsäglicher Videoclip, den ich mir hier zu reproduzieren versage. Wenn man die Sätze des Briefes genau liest, zeigt sich, dass die Herrschaften einen Einführungskurs in Englisch brauchen könnten.

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Dear Herbert HRACHOVEC ,

Regarding your current position in your organisation Universität Wien, we think this information might be of interest for you.

Welcomeurope, specialist of European Funding and projects management, has identified you as a major actor of the Research and Innovation with the European level.

To entrance your skills within the 7th framework programme of Research and development (7th FP). Welcomeurope proposes 2 modules:

“Project preparation and proposal writing within the 7th framework programme (FP7)” 2nd April 2009 in Brussels,

“Managing research projects financed within the 7th framework programme (FP7)” 3rd April 2009 in Brussels.

Das ist alles sehr verständlich. In der Planung der PhD-Programme ist immer wieder die Rede davon, dass auch die sachgerechte Antragstellung gelehrt werden soll. Mit dem vielen Geld, das die EU zur Verfügung stellt, muss korrekt umgegangen werden und das kompliziert die Sache eben erheblich.

Dennoch gibt es eine ziemlich dunkle Seite. Langsam schleicht sich in Berufungskommissionen die Bereitschaft ein, das Requirieren von Projekten als fachliche Qualifikation anzuerkennen. Das ist eine Art masochistische Auslagerung der Fachexpertise an (teilweise) außer-akademische Akteure. Wer sich die besten Antrags-Designer leisten kann, reussiert. Die Universität richtet sich danach, welche Vorhaben extern Geld bringen. Vorsicht.

Markt Wirtschaft

In den Meldungen ist die Rede von unvorstellbaren Wertverlusten in der Finanzwirtschaft und vom Ende eines Systems. Die Geldbeträge, die zitiert werden, sind für unsereinen jenseits des Fassbaren. Das ist das Schockmoment, aber es wird sofort durch Verständnisversuche aufgefangen. Es ist nicht anders, als nach einem Tsunami oder dem Einmarsch in den Irak.

Wir antworten mit Klischees. Angesichts der Ereignisse ist alles andere unsachgemäß. Und gleichzeitig haben wir Gelegenheit, die Klischees zu zerlegen. Die Washington Post bringt einen hilfreichen Beitrag zur Erklärung der gegenwärtigen Situation. Ein Punkt fällt mir besonders auf.

Die Banken sollen gerettet werden, indem die US-Regierung die problematischen Wertpapiere kauft. Das klingt so, als wäre eine Firma auf einer alten Ware sitzengeblieben und würde Hilfe erhalten. So macht man das den Steuerzahlerinnen verständlich, aber der “revolutionäre” Aspekt der Sache geht tiefer. Die unverkäuflichen Wertpapiere können eben deshalb nicht im Wert bestimmt werden. Wenn der Markt für diese Papierscheine weggebrochen ist, fehlt der Mechanismus, den wir normalerweise zur Bewertung verwenden.

Ein Residuum bleibt zurück. Irgendetwas müssen diese Scheine doch wert sein. Wie ist das zu definieren? Damit verbindet sich die interessante Frage, wieviel Geld der Staat investieren soll/muss, um “Werte” zu erwerben, die sich aus den ökonomischen Transaktionen disqualifiziert haben – und damit die Ökonomie im Ganzen bedrohen.

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Vom Konsument zum Teilnehmer. Eine neue Ökonomie?

Wolf Lindstrot gab ein interessantes Resümee der Ars Electronica in Linz bei netzpolitik.org. Die Indizien für einen gesellschaftlichen Umschwung mehren sich, insofern man immer öfters Forderungen, Versuche und Beiträge findet, die zum Thema haben, interaktivere, dynamischere Strukturen auf der Basis von Vernetzung zu realisieren und dadurch Kooperation mit den Teilnehmern erschließbar machen soll.

Auf YouTube werden Videos und Audios auf kreative Weise modifiziert, gemixed und parodiert (man spricht von der ReMix-Kultur). Was von einem wütenden Aufschäumen, Verklagen und Verfolgen, zu hohen Verlusten und Resignation der Film-&Musikindustrie geführt hat, mündet jetzt langsam in eine Gesprächsbereitschaft über die neuen Systeme. Man sieht sich nach alternativen Geschäftsmodellen sowie rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen um, die die kreativen Tätigkeiten von jenen Leuten, die vormals von den Unternehmen als passive Konsumenten eingestuft wurden, als Produzenten und Teilnehmer ernst nimmt und in die Infrastruktur miteinschließt.

Die „junge Generation“ will nicht mehr nur passiv konsumieren, sondern partizipieren, sich selbst ausdrücken, Vorgefundenes remixen und die Ergebnisse mit anderen teilen. Und die kritische Masse ist erreicht: Produktion und Vertrieb von kulturellen und wissenschaftlichen Erzeugnissen sind durch die Entwicklung der Technik und der Vernetzung so einfach geworden, dass die alte Spaltung in wenige professionelle Medien- und Kultur- ArbeiterInnen einerseits und die große, konsumierende Masse andererseits aufgehoben ist. Wir leben in einer Wissensgesellschaft, die eine Ökonomie des Teilens braucht, um des kulturellen, wissenschaftlichen und ökonomischen Fortschritts willens. Deshalb müssen, nachdem die Praxis im Internet Fakten geschaffen hat, endlich Wirtschaft, Politik und Gesetzgebung angepasst werden.

Auf der anderen Seite hat man gar keine Freude damit, wenn irgendjemand oder irgendetwas (z.B.: ein Algorithmus zur Erschließung der Inhalte für personalisierte Werbung) mit seinen IP-Adressen, Geburtsdaten, Kontonummern oder E-Mail-Inhalten herumpanscht (“Data-Mining”, Handel, etc.). Über diese Art von Eigentum will man dann (verständlicherweise?) doch noch seine eigene Verfügungsgewalt haben.

Zwei der großen Themengebiete, die die Online-Community beschäftigt: Geistiges Eigentum und Datenschutz. Geistiges Eigentum abschaffen und Datenschutz-Rechte forcieren? Diese Rechnung wird meiner Meinung nach ohne Kompromisse nicht aufgehen. Wenn man teilen will, wird man auch etwas von sich verraten (müssen). Im Netz ist es zwar immer möglich, seine Identität zu verschleiern, doch der durchschnittliche User achtet nicht darauf. Im Gegenteil: Manchmal schätzt er es sogar, wenn Amazon die richtigen Bücher für einen vorschlägt oder Google hiesige Reisebüros für deinen Urlaub parat hat, den du soeben deinen Freunden jubelnd per GMail verkündet hast.