“Im Anfang”

Ecclesia und Synagoga beim Gekreuzigten
Ecclesia und Synagoga

Der Beginn des Johannesevangeliums (der heute, 03.01.2021, im römisch-katholischen Ritus gelesen wird) verrät den Beginn des Buchs Genesis der hebräischen Bibel, im dreifachen Sinn von (1) eine Gruppe im Stich lassen, (2) ein Geheimnis verraten, und (3) zur Verwendung an jemand anderen übergeben (paradidomi):

“Im Anfang (bereschit)
schuf Gott
Himmel und Erde”

(Gen 1,1)

“Im Anfang (en arche)
war das Wort (ho logos)”

(Joh 1,1)
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How to Relativize the Importance of the Effable?

 

In one previous blog post, Herbert Hrachovec conducted a careful analysis on moving away from the visible domain, based on Mona Haydar’s account of wearing a Hijab as spiritual practice. This was definitely more substantial than what I did earlier when suggesting an isomorphism between a.) Hijab for protecting the body and b.) closed borders for national security. Both might be characterized by a resistance against their assets (or even their “essence”) being consumed or threatened by others. In contrast, Herbert starts with listing possible ways of resistance to globalization and consumer society and then highlighting one speciality when taking the Hijab as a spiritual practice:

Haydar’s “act of resistance” is primarily directed away from the body. “I am so much more than just a body.” (M.H.) Not “just a piece of meat walking around in the world for anybody to consume.” (M.H.) It’s not just frantic economics that is at stake here. This particular sign of resistence, Haydar’s hijab, indicates an extra-physical realm.

This extra-physical realm, in the words of Haydar is “a soul, that is ineffable that lives inside of me”. How to point towards something ineffable? Herbert: “Using a tangible tool like the head scarf to mediate a dramatic switch to an intangible insight”.

I am finishing the year of this blog with something unfinished: This posts adds three further positions/techniques/examples for giving clues that relativize the importance of the effable. May they be impulses for 2019.

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Bewegliche Ziele

still_life_icon

Hin und wieder teile ich über die “Gefällt mir”-Funktion von Facebook meinen Kontakten mit, welche Artefakte oder Themen mich beschäftigen. Vor einigen Wochen habe ich den Film “Still Life” von Uberto Pasolini auf diese Weise geteilt. Ich gab den Titel in die Suchbox ein, und es erschien ein Bild des Protagonisten John Mae (gespielt von Eddie Marsan), der untrennbar mit dem Film verbunden ist. Ein Klick auf “Gefällt mir” bewirkt einen Eintrag auf meinem Profil, der stellvertretend für die Aussage steht: “Still Life ist ein guter Film.”

Heute sehe ich ein unbekanntes Bild über dem Text “Still Life” bei den “Gefällt mir”-Angaben: Zwei Asiaten auf einem Motorrad.

likes

Ein Klick auf das Bild ergibt, dass der Film von Uberto Pasolini mit dem gleichnamigen Film des chinesischen Regisseurs “Jia Zhangke” zusammengelegt wurde. Das stört den Bezug zum guten Film den ich auf meinem Profil herstellen wollte. Sogar das Icon, das stellvertretend für den guten Film steht, hat sich verändert.

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Window Dressing – Fragmente

.. oder geht es doch um Graphical User Interface (GUI)-Design? Etwas kann legal sein (z.B.  auf Grund der Sprache und seiner syntaktischen Regeln implementierbar), doch man wird keinen Button erstellen, wenn dahinter keine oder nicht die versprochene Funktionalität steckt.

Den Button kann man als User ausprobieren; obwohl man nie so genau weiß, was die Programmlogik neben der Modifikation der Fenster mit diesem Klick tut. Meist ist einem das aber egal, solange das Fenster die Bedürfnisse befriedigt und solange nicht unerwünschte Details vom Quellcode bekannt werden.

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Über den Wassern …

… ein bisschen quatsch. Bei der Google Bildersuche habe ich heute “first cause” eingegeben. Ich dachte, ich finde eine schöne Skizze dazu für ein Referat. Worauf ich gestoßen bin, ist wohl eine der prägnantesten und trefflichsten Karikaturen zur ersten Ursache, auch wenn das Bild vermutlich nicht dafür erstellt wurde:

Einfach herrlich…

Badiou. Die Wahrheit als Ereignis

Habe heute in der Vorlesung “Das Subjekt nach dem ‘Tod des Subjekts'” eine Hinführung zu den Termen Situation, Ereignis, Ereignisstätte, Wahrheit in Badious Philosophie (“Das Sein und das Ereignis” und andere Werke) erlebt.

Dadurch kann man vielleicht (aktuelle) politische oder wissenschaftliche Vorgänge auf andere Weise sehen. Das folgende als potentieller Impuls. Read more

“Wissenswerkbank”

Man nehme einen Beitrag aus der Wikipedia und zerlege ihn in Aussagen über Fakten. Sie sind nach der Creative Commons Lizenz frei verwertbar. Dann ordne man die Fakten in einem farbig kodierten Kreis an. Kreise sind immer gut, wenn es darum geht, umfassendes (eben!) Wissen zu evozieren. Die “factoids” kann man aus dem Kreis nehmen und in ein danebenliegendes Notizbuch übertragen. Das Unternehmen heißt eyePlorer.

vionto GmbH develops knowledge machines. Machines that know. Machines that think. Machines you can interact and communicate with. Our knowledge machines are based on advanced semantic technologies.

Das sieht dann zum Beispiel so aus:

hh-eyeplorer

Mit Suchmaschinen findet man Links und Dokumente – erst dort liegen die Informationen. Mit dem eyePlorer der Firma vionto kann man direkt Fakten finden. Er visualisiert Fakten und Zusammenhänge. Außerdem bietet der eyePlorer die Möglichkeit, interessante Informationen zu sammeln, weiter zu verarbeiten und zu publizieren. Der eyePlorer ist also eine visuelle Wissenswerkbank.

Zum Beispiel der Zusammenhang zwischen Immatrikulation und Betriebsrat, oder zwischen Germanistik und formaler Logik. Die Knoten liegen eng beisammen. Und im Herzen der Sache befindet sich ein weisses Kreuz.

faustisch

Das Unternehmen, ab dem Wintersemester 2009/10 ein 3-jähriges PhD-Studium einzurichten, ist Ende des vergangenen Jahres auf ein unerwartetes Hindernis gestoßen. Eine (im Entwicklungsplan der Universität Wien festgeschriebene) Neuerung hat den Unwillen der Fakultäten für Chemie und Physik erregt. Dissertationsprojekte sollen in Zukunft einer Fakultätsöffentlichkeit vorgestellt werden, bevor die Studierenden eine Betreuung zugewiesen bekommen. Dagegen wurden patentrechtliche Bedenken vorgebracht.

Im Bereich der Physik und Chemie sind Doktorarbeiten, welche sich auf Projekte stützen, bzw. durch diese finanziert werden, der Normalfall. Weiters werden diese Projekte bereits im Vorfeld von internationalen Fachgutachtern begutachtet und bewertet. … Weder ein DPSL (sic!) noch ein noch so klug zusammengesetzter Doktoratsbeirat können daher eine projektgestützte bzw. projektfinanzierte Doktorarbeit kompetenter beurteilen als internationale Fachgutachter. … Auf diese Weise würden sich auch mögliche patentrechtliche Probleme … vermeiden lassen.

Das ist eine bemerkenswerte Passage. Sie schlägt einen Bogen von Projekten, wie sie in den Naturwissenschaften üblich sind, zu deren internationaler Begutachtung und der damit mitgelieferten Qualität, die an der Universität Wien gar nicht mehr zum Thema werden sollte. Es wird so getan, als ob es nur Vorschläge gäbe, die innerhalb der “scientific community” nach allgemeinen Standards geprüft und finanziert würden. Verschwiegen wird dabei, dass es auch Dissertationsvorhaben gibt, die pragmatischer angelegt sind und gemischt akademisch-kommerziellen Interessen dienen.

Wissenschaftler der genannten Fakultäten haben Beziehungen zu Firmen, die Forschungsergebnisse zu Patenten machen (und damit der populären Aufforderung nachkommen, Forschung und Wirtschaft zu verbinden). Paul A. David hat dazu in zwei Beiträgen Can ‘Open Science’ be Protected from the Evolving Regime of IPR Protections? und Innovation and Universities’ Role in Commercializing Research Results wichtige Überlegungen vorgelegt. Die Funktion der Öffentlichkeit, von der Andreas Kirchner im vorigen Beitrag schreibt, und das Interesse der Geheimhaltung sind nicht leicht vereinbar.

Etwas mehr dazu in meiner Vorlesung. Inklusive eine Recherche, die eine schöne Pointe hervorhebt: Auch im kommerziellen Umfeld, wird eine literarische Einbettung nicht verschmäht.

faustuslogo

hors de pouvoir

barthes-11.jpg

Der Ort ausserhalb der Macht, von dem Roland Barthes hier in seiner Antrittsvorlesung spricht, ist das College de France. Und er schmückt aus, was von vielen Kolleginnen zu hören ist. Sie sind nicht dazu da, um Gutachten zu schreiben, Geld zu organisieren und Preisausschreiben (i.e. Evaluationen) zu gewinnen. Sie dienen der “reinen Wissenschaft”. Sie wollen in Ruhe forschen.

“Träumen”. Bekanntlich fehlt im Traum die Negation. Es ist ein schöner Traum, dass in der Forschung lauter neuartige, unkontroverse Inhalte entwickelt werden. Danach setzt man sich einfach hin und “phantasiert” auf hohem Niveau. Roland Barthes hat vorgemacht, dass die Vorstellung nicht völlig unrealistisch ist. Aber sie grenzt an die Unmöglichkeit.

Im akademischen Zusammenhang das Wort ergreifen, das hat noch immer einen Anstrich von Herrschaftslosigkeit. “Die Wissenschaft ist frei.” Aber es muss sehr viel funktionieren, damit das ernstlich behauptet werden kann und zwar in Bereichen, die alles andere als unreglementiert sind.