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Festschreiben und Verhandeln: Projektmanagement revisited

MargaretHamilton

Vor sechs Jahren wurde hier ein Beitrag über Agiles Projektmanagement veröffentlicht. Er entstand während dem Besuch einer einschlägigen Vorlesung im Informatikstudium. Heute stellt sich das Thema neu dar. Weniger Schlagwort-orientiert. Man hat Zeit investiert, praktische Erfahrung gesammelt.

Mancherorts in den IT-Abteilungen belächelt man den “Agile”-Hype. Er wurde fast zum Schimpfwort. Bei “von oben” verordneten Prozessveränderungen ist das zu erwarten und nicht unmittelbar ein Argument gegen alternative Vorgehensweisen zur Erstellung von Artefakten wie Software.

Der Verdacht: Personen, die wenig bis keine Erfahrung im Projektmanagement hätten, fallen auf die Slogans von Coaches und Beraterinnen herein:

  • Starre Regelwerke  —  laufendes Eingehen auf Änderungswünsche
  • Fixe Rollenverteilung — Individuelle Entfaltung bei verschiedensten Aufgaben
  • Reduktionismus — Holismus

Die Gegenüberstellung dieser Phrasen helfen zumeist wenig zur Beurteilung und Verbesserung des Projektalltags. Die Zuflucht zu agilem Vorgehen ist Teil eines Dilemmas, das bei einem an mehreren Orten stattfindenden Softwareprojekt sehr deutlich wird, in dem man exakt spezifizieren muss. Die Spezifikation wird in einem Medium verständlich gemacht, das Weiteres oder Anderes offen lässt.

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Festgefahren

“Eine männerfreie Gesellschaft ist möglich”

Das lese ich auf einem Plakat der Österreichischen Hochschülerschaft. Während einer von Studierenden selbst organisierten Lehrveranstaltung “Informatik und Geschlecht” haben wir darüber diskutiert. Wenn Sprechen Wirklichkeit schafft, praktiziert der Slogan nicht, was er – nach einer kurzen Überlegung – fordert.

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Über den Wassern …

… ein bisschen quatsch. Bei der Google Bildersuche habe ich heute “first cause” eingegeben. Ich dachte, ich finde eine schöne Skizze dazu für ein Referat. Worauf ich gestoßen bin, ist wohl eine der prägnantesten und trefflichsten Karikaturen zur ersten Ursache, auch wenn das Bild vermutlich nicht dafür erstellt wurde:

Einfach herrlich…

Die Folie als Folie

Im Rahmen von der Vorstellung von W.Coy: PowerPoint. Macht und Einfluss eines Präsentationsprogramms ist mir ein Lehrveranstaltungblock von vor ein paar Wochen aus der Technichen Universität in Erinnerung gekommen.

Es wurde der Effekt ausgenutzt, dass die Beleuchtungsstärke des Beamers geringer ist als die des Overhead-Projektors. Die Power-Point-Folien bildeten, wie sich auch aus der Ethymologie herauslesen lässt, tatsächlich den Hintergrund (es standen Axiome und Schlussregeln drauf). Sie schimmerte uns etwas verblasst entgegen, während der Dozent auf der leeren Overhead-Folie einen Beweis demonstrierte, wobei er die Folie als Folie für seinen Beweis verwendete und sich während dem Schreiben darauf bezog.

folie

Bitte auch den Disclaimer beachten. Ein Sinn der Abbilder wird erst im Rahmen einer bestimmten Situation heraus deutlich.

Mit der Kombination von vorbereiteten Folien und geführten Beispielen kommt man bei der Vermittlung mancher Themen schon recht weit.

Ob das ästhetisch ist, bin ich mir aber nicht sicher.

Als der Sprechende (sic!) ist der Mensch: Mensch.

Heidegger ist widerlegt:

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Das gelbe Post-It ist ein Transkript aus der Vorlesung.

EDIT: Ich muss zumindest auf die Originalstelle verweisen, da die Wiedergabe auf der Folie stark verkürzt ist: Heidegger, M., Unterwegs zur Sprache, Verlag G. Neske (1993) S.32f

“Wir SPRECHEN im Wachen und im Traum. Wir SPRECHEN stets; auch dann, wenn wir kein Wort verlauten lassen, sondern nur zuhören oder lesen, sogar dann, wenn wir weder eigens zuhören noch lesen, stattdessen einer Arbeit nachgehen oder in Muße aufgehen. Wir SPRECHEN ständig in irgend einer Weise. WIR SPRECHEN, weil SPRECHEN uns natürlich ist” ( http://is.gd/5g9IE )

Conclusio: Verwende den Rotstift maßvoll.

Flachgang?

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Peter Harlander, Robert Buchschwenter, h.h. Foto: P. Harlander

Gestern fand in Linz im Rahmen von 80+1 ein Expertengespräch zu Identität im Internet, speziell im Hinblick auf “Second Life” statt. Heute stoße ich zufällig auf eine Äußerung Jaques Rancières zu diesem Thema:

Jacques Ranciére. Aesthetics Against Incarnation: An Interview by Anne Marie Oliver. Critical Inquiry 35 (2008) Die Frage: “What about virtual reality?”

Virtual reality and all those video games that create a virtual reality are a form, one form among others. You have multimedia reality; you have virtual reality; you have the creation of imaginary worlds — Second Life and so forth.

It’s a kind of substitute, of course, for resurrection and the other world, but, in this case, we are in the field of social imagination rather than the field of art. … It is not the case that every reality has become virtual, for solid things still exist, and it is not true that everything melts into air – no, they don’t melt into air.

Das – und noch mehr Oberflächlichkeiten – in einem renommierten Journal! Und zur Plattheit paßt die Auferstehung. Die Versicherung, dass es sich um soziale Imagination handelt und sich nicht alles in Luft auflöst. Wir sind in unserem Gespräch auch an diesen Punkt gekommen, aber so flach ist das nicht geblieben. Das kommt davon, wenn man etwas analysiert, dessen Hintergründe man nicht untersucht hat, in diesem Fall die Logik der Interaktivität.

Open Source Evaluation

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In diesem Semester sind die Lehrveranstaltungen der Fakultät für Bildungswissenschaft und Philosophie durch die Studierenden evaluiert worden. Genau betrachtet ist das auch eine Form kooperativer Wissensarbeit. Die Teilnehmerinnen werden eingeladen, ihre Erfahrungen und Einschätzungen zur Verfügung zu stellen. Nur leider haben sie nichts davon, denn die Ergebnisse bleiben unter Verschluss. Das Motiv ist klar: es ist peinlich für jene Kolleginnen und Kollegen, die nicht gut abschneiden.

Dennoch: wenn man das nicht als Maßregelung, sondern als Lernprozess verstünde, könnte sich etwas ändern. Als Gestus in diese Richtung hier das Ergebnis für die Vorlesung “Open Source Philosophie. Es hat den Nachteil, dass es nicht schlecht ausgefallen ist.

Konsulent

Für Überlegungen zu Sokrates suchte ich nach einem Terminus, der die Rolle der Sophisten in prägnanter aktueller Form fasst. “Politikberatung und Persönlichkeitsentwicklung” ist nicht schlecht, aber ich wollte es noch kürzer haben und dachte an “Konsulenten”. Um mich zu vergewissern ein Blick ins Web und dabei eine Überraschung.

Der Ausdruck ist in Norwegen verbreitet: En konsulent er en person die ihr Wissen (ökonomisch, juristisch, technologisch, informatisch) für Geld zur Verfügung stellt. Das ist auch mein Verständnis. Jedoch auf Deutsch ist das nicht so eindeutig..

Hier ist das Wort als Kategorie jüdischer Juristen in der Zeit des Nationalsozialismus angegeben. Jüdische Rechtsanwälte, denen man die Berufsberechtigung entzogen hatte, bezeichnete man als “Konsulenten” für andere Juden. Ich traute der WIkipedia in diesem Punkt nicht ganz, also nahm ich den Duden zur Hilfe:

(veraltet) [Rechts]berater, Anwalt

Was sich hinter “veraltet” verbergen kann. Leben mit Leichen.