Bedeutungsservice

In einer Lehrveranstaltung über Sokrates in diesem Semester möchte ich eine Verbindung mit Fragen der Wissensgesellschaft herstellen, die ich im vergangenen Jahr behandelt habe. Darum ist mir dieser Satz aus Platons Menon sofort aufgefallen: “Bei den Leuten, die sich erklärtermaßen auf eine nützliche Dienstleistung verstehen …” (91c) Die Sophisten sind danach Vorläufer der post-industriellen, service-orientierten Verhältnisse.

Eine suggestive Übersetzung von Margarita Kranz in der Reclam-Ausgabe. Die ist also garnicht so klassisch, wie ihr Anschein. Schleiermacher übersetzt: “Diese allein unter allen denen, welche sich dafür ausgeben, etwas Gutes erzeigen zu können …” Das klingt nicht so, als ob es sich um dieselbe Textgrundlage handelte. Ist aber textgerecht. “epistastai euergetein”: sich darauf verstehen, Gutes zu tun”.

Ein klassischer Fall von wörtlich gegen suggestiv.

Dazu eine Aussage, die ich gestern auf einem Podcast gehört habe: Unternehmen brauchen “soft skills”. Es ist also nicht nur so, dass wir das in alle Bologna-Curricula zu schreiben versuchen, es gibt wirklich eine Nachfrage. Und dazu, wie die Amis schon so sind, ein passendes Schlagwort: “meaning facilitators”. Übersetzung? Siehe die Überschrift.

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